Gegenbewegung ohne Auslöser

EVOTEC-Aktie nach dem Kursdesaster leicht erholt: Chancen und Risiken für Anleger


EVOTEC-Aktie nach dem Kursdesaster leicht erholt: Chancen und Risiken für Anleger

Nach dem jüngsten Kursrutsch zeigt die EVOTEC-Aktie erste Stabilisierungstendenzen. Doch die Risiken bleiben hoch.

  • Nach dem Kursrutsch vom Vortag fängt sich die EVOTEC-Aktie wieder
  • EVOTEC hat die Umsatzprognose 2026 auf 570 bis 610 Millionen Euro gekappt
  • Strategische Prüfung und Wechsel im Vorstand halten Unsicherheit hoch
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Nachdem die EVOTEC-Aktie am Montag auf den tiefsten Stand seit mehr als zehn Jahren abgestürzt war, stabilisiert sie sich am Dienstag wieder etwas. Im XETRA-Handel notiert sie zeitweise 3,17 Prozent höher bei 2,54 Euro. Eine neue Unternehmensmeldung, die den Ausverkauf erklären könnte, gab es nicht. Vielmehr steht die Aktie weiter unter dem Druck der im Juli gesenkten Prognose, nach der der Markt dem Unternehmen eine Wende kaum noch zutraut.

Gekappte Prognose wirkt nach

Die deutliche Prognosesenkung im Sommer belastet EVOTEC weiterhin. Statt der ursprünglich erwarteten 700 bis 780 Millionen Euro Umsatz rechnet der Hamburger Konzern für das Gesamtjahr 2026 nur noch mit 570 bis 610 Millionen Euro. Beim bereinigten EBITDA erwartet das Unternehmen nun einen Verlust von 70 bis 105 Millionen Euro, nachdem zuvor eine Spanne von minus 0 bis minus 40 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden war. Die Zahlen für das erste Halbjahr unterstreichen die schwierige Lage: Die Erlöse sanken um gut 19 Prozent auf rund 300 Millionen Euro, während das bereinigte EBITDA von minus 2 auf minus 43 Millionen Euro zurückging. Laut EVOTEC gehen rund 40 Prozent der Umsatzlücke auf verschobene Meilensteine bestehender Partner zurück, weitere rund 45 Prozent auf geringere Beiträge aus neuen strategischen Partnerschaften. Das Management führt die Entwicklung vor allem auf zeitliche Verschiebungen zurück.

Horizon: Erst kostet der Umbau, dann soll er sparen

Um die operative Entwicklung zu verbessern, setzt EVOTEC auf das Sparprogramm Horizon. Ab Ende 2027 soll es jährlich rund 75 Millionen Euro einsparen, 20 bis 30 Prozent davon bereits 2026. Dafür reduziert der Konzern die Zahl seiner Standorte von 14 auf 10 und streicht rund 800 Stellen. Allerdings fallen zunächst erhebliche Kosten an: Die Barkosten des Umbaus beziffert EVOTEC auf rund 100 Millionen Euro, etwa die Hälfte davon soll im zweiten Halbjahr 2026 anfallen. Bereits im ersten Halbjahr trieb ein Restrukturierungsaufwand von knapp 99 Millionen Euro den operativen Verlust auf rund 235 Millionen Euro, nach knapp 48 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Trotz der Belastungen ist das Liquiditätspolster bislang solide. Ende Juni dieses Jahres verfügte EVOTEC über liquide Mittel von knapp 466 Millionen Euro und eine Nettokassenposition, nachdem die Liquidität Ende März noch bei knapp 445 Millionen Euro gelegen hatte.

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EVOTEC-Aktie im Bann der strategischen Prüfung

Neben der operativen Schwäche und den Umbaukosten sorgt vor allem die strategische Ausrichtung für Unsicherheit. Seit Mai dieses Jahres prüft EVOTEC strategische Optionen auf Konzernebene. Eine Entscheidung ist nach Unternehmensangaben noch nicht gefallen, auch einen Zeitplan für den Abschluss der Prüfung gibt es nicht. Gleichzeitig stehen seit der Halbjahresbilanz auch die mittelfristigen Ziele ausdrücklich auf dem Prüfstand. Hinzu kommen Veränderungen im Management: Forschungsvorstand Cord Dohrmann, der seit 2010 im Amt war, hat das Unternehmen zum 30. September im gegenseitigen Einvernehmen verlassen. Ein Nachfolger ist bislang nicht benannt. Bereits im August war Camilla Macapili Languille aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden.

Wo EVOTEC Lichtblicke sieht

Trotz der anhaltenden Schwierigkeiten verweist EVOTEC auf erste positive Signale im operativen Geschäft. Im Kerngeschäft der Wirkstoffforschung ohne strategische Partnerschaften stieg der Nettoauftragseingang im ersten Halbjahr 2026 um rund 28 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Nach Einschätzung des Konzerns dürfte sich dieser Zuwachs zunehmend ab dem vierten Quartal in den Umsätzen niederschlagen. Auch von Analystenseite gibt es weiterhin eine abwartende Einschätzung: Berenberg bestätigte am 25. September nach einem Gespräch mit Vorstandschef Christian Wojczewski die Einstufung "Hold" mit einem Kursziel von 3,60 Euro.

Ob der höhere Auftragseingang tatsächlich für eine nachhaltige Verbesserung sorgt, dürfte sich frühestens mit der Quartalsmitteilung zum dritten Jahresviertel zeigen. Dabei wird es nicht allein auf die Umsatzentwicklung ankommen. Entscheidend ist auch, ob EVOTEC neue strategische Partnerschaften vorweisen kann und in welchem Umfang die Umbaukosten die Liquidität im zweiten Halbjahr belasten.

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EVOTEC-Aktie: Chancen und Risiken für Anleger

Für Anleger bleibt EVOTEC eine spekulative Turnaround-Geschichte, bei der Chancen und Risiken eng beieinanderliegen. Die niedrige Bewertung könnte Spielraum für eine Erholung bieten, sofern das Unternehmen seine operative Entwicklung stabilisiert, neue Partnerschaften gewinnt und die geplanten Einsparungen umsetzt. Dem stehen jedoch die gesenkte Jahresprognose, die hohen Umbaukosten und die weiterhin offene strategische Prüfung gegenüber. Anleger sollten deshalb vor allem die kommende Bilanz, die Entwicklung der Liquidität und konkrete Fortschritte bei Horizon im Blick behalten. Wer bereits investiert ist, kann prüfen, ob das erhöhte Risiko noch zur eigenen Anlagestrategie passt. Ein Nachkauf allein wegen des stark gefallenen Kurses wäre dagegen keine ausreichende Entscheidungsgrundlage. Ein Einstieg kommt allenfalls für Anleger infrage, die hohe Kursschwankungen und mögliche weitere Verluste verkraften können und auf eine operative Stabilisierung setzen.

Claudia Stephan, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net

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Bildquellen: REMY GABALDA/AFP/Getty Images

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