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Dow oder S&P 500? Warum die Index-Wahl an der Börse kaum eine Rolle spielt

14.06.26 20:06 Uhr

Dow Jones oder S&P 500? Warum die Indexwahl oft überschätzt wird | finanzen.net

Der Dow Jones Industrial Average wurde am 26. Mai 2026 130 Jahre alt. Was seine Geschichte vor allem zeigt: Welchen großen US-Index man als Anleger wählt, beeinflusst die Langfristrendite kaum.

Werte in diesem Artikel

• Dow Jones und S&P 500 liefern zurückgerechnet seit 1896 nahezu identische Renditen
• Zeitliche Diversifikation senkt das Portfoliorisiko stärker als das Halten vieler Einzeltitel gleichzeitig
• Fehlentscheidungen des Dow-Komitees illustrieren, wie schwierig Einzeltitelauswahl ist

130 Jahre Dow Jones: Was die Index-Historie wirklich zeigt

Am 26. Mai 1896 startete der Dow Jones Industrial Average mit zwölf Industrieunternehmen. Heute umfasst er 30 Konzerne aus Branchen wie Technologie, Gesundheit und Finanzen und hat im Februar 2026 erstmals die Marke von 50.000 Punkten überschritten. Seinen Geburtstag feiert der Index jedoch mit einem Befund, der Anleger überraschen dürfte.

Laut Daten der Global Financial Data (Finaeon) hat der Dow Jones seit seiner Gründung eine dividendenbereinigte Jahresrendite von 10,4 Prozent erzielt. Der S&P 500 kommt auf 10,2 Prozent. Trotz völlig unterschiedlicher Konstruktionsmethodik liegen beide Indizes damit über 130 Jahre hinweg praktisch gleichauf, wie MarketWatch-Kolumnist Mark Hulbert berichtet. Was diese Zahl bedeutet, lässt sich so lesen: Wer über Jahrzehnte investiert bleibt, landet mit beiden Benchmarks am gleichen Ziel. Die Diskussion darüber, welcher Index die bessere Wahl ist, verliert damit erheblich an Substanz.

Zeitliche Diversifikation

Bei der Diversifikation denken die meisten Anleger in Breite: viele Aktien, viele Sektoren, viele Länder. Das ist richtig, aber unvollständig. Wie Hulbert in seiner Kolumne für MarketWatch ausführt, bietet das Halten einer einzigen Aktie über viele Monate unter Umständen einen größeren Risikopuffer als das Halten vieler Aktien über einen kurzen Zeitraum.

Dahinter steht das Konzept der zeitlichen Diversifikation: Je länger ein Anleger im Markt bleibt, desto stärker gleichen sich kurz- und mittelfristige Schwankungen aus. Das bedeutet nicht, dass Langfristanleger vor Verlusten geschützt sind. Es bedeutet jedoch, dass das Rendite-Risiko-Verhältnis mit zunehmender Haltedauer für den Anleger günstiger wird.

Die 130-jährige Kursgeschichte des Dow Jones liefert den empirischen Rahmen für diese These: Trotz Börsencrashs, Weltkriegen, Finanzkrisen und strukturellen Verwerfungen blieben die Langfristrenditen stabil und nahe an denen des S&P 500.

Preisgewichtung versus Marktkapitalisierung

Wer genau hinschaut, stellt dabei fest, dass Dow Jones und S&P 500 nach völlig unterschiedlichen Prinzipien aufgebaut sind. Im S&P 500 richtet sich das Gewicht einer Aktie nach ihrer Marktkapitalisierung, also nach dem Gesamtwert des Unternehmens an der Börse. Der Dow dagegen arbeitet mit Preisgewichtung: Eine Aktie mit einem hohen Kurspreis zieht den Index stärker als eine günstigere, unabhängig davon, wie groß das Unternehmen tatsächlich ist.

Das führt zu Verzerrungen, die auf den ersten Blick erheblich wirken. Als Apple im Jahr 2020 seinen Aktiensplit im Verhältnis 1:4 vollzog, reduzierte sich damit sein rechnerisches Gewicht im Dow Jones auf ein Viertel. Wie Hulbert bei MarketWatch erläutert, wäre Apples Einfluss auf die Dow Jones-Gesamtperformance viermal so groß gewesen, hätte das Unternehmen seinen Aktienkurs 2020 nicht geteilt. Ein reiner Buchungsvorgang kann also eine reale Konsequenz für den Index haben.

Dass solche Konstruktionsmängel die Langfristrendite nicht spürbar beeinträchtigen, ist das eigentlich Bemerkenswerte. Es spricht dafür, dass zeitliche Diversifikation methodische Schwächen in der Indexkonstruktion über Jahrzehnte hinweg weitgehend neutralisiert.

Wenn das Dow Jones-Komitee falsch liegt

Der Dow Jones enthält nur 30 Titel. Das macht die Entscheidungen des sogenannten Averages Committee von S&P Dow Jones Indices, das über Aufnahmen und Streichungen befindet, besonders folgenreich. Zwei Beispiele aus der Vergangenheit illustrieren, wie schwierig diese Auswahl ist und welche Konsequenzen Fehlentscheidungen haben.

Im August 2020 wurde Salesforce in den Dow Jones aufgenommen. Zeitgenössische Berichte von Barron's, auf die Hulbert in seiner Kolumne verweist, argumentierten damals, Meta Platforms (ex Facebook) wäre die sinnvollere Wahl gewesen. Was seitdem geschah, gibt dieser Einschätzung Gewicht: Salesforce verlor bis Ende Mai 2026 nach LSEG-Daten kumulativ 33,9 Prozent an Wert, während Meta im gleichen Zeitraum um 118,3 Prozent zulegte.

Noch drastischer fiel die Konsequenz eines früheren Komitee-Beschlusses aus. 1939 strich das Gremium IBM aus dem Dow Jones. Die Aktie übertraf die Indexperformance in den folgenden vier Jahrzehnten deutlich, bis IBM 1979 wieder aufgenommen wurde. Beide Fälle zeigen, dass selbst erfahrene Gremien bei der Aktienauswahl irren können.

Und doch: Trotz dieser Fehlgriffe blieb die Langfristrendite des Dow Jones nahe an jener des breiteren S&P 500. Das erklärt sich eben durch den Zeitfaktor. Kurz- und mittelfristige Fehlallokationen verlieren an Bedeutung, je länger der Betrachtungshorizont ist.

Was das für Index-Anleger bedeutet

Die praktische Schlussfolgerung, die Hulbert bei MarketWatch zieht, lautet: Anleger, die erhebliche Zeit und Ressourcen darauf verwenden, den vermeintlich besseren Index zu identifizieren oder renditestarke Einzeltitel herauszupicken, erzielen damit keinen systematischen Vorteil, sofern sie diese Titel über viele Jahre halten.

Das gilt jedoch explizit für lange Zeithorizonte. Wer kurzfristig handelt, kann nicht auf zeitliche Diversifikation bauen. Für Anleger mit einem Horizont von zehn, zwanzig oder mehr Jahren macht es hingegen nach der historischen Datenlage kaum einen Unterschied, ob sie den Dow Jones oder den S&P 500 als Benchmark wählen. Die 130-jährige Renditehistorie beider Indizes, dokumentiert in der Global Financial Data (Finaeon), liefert dafür die empirische Grundlage.

Paul Schütte, Redaktion finanzen.net

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Bildquellen: Immersion Imagery / Shutterstock.com, Frontpage / Shutterstock.com

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