SpaceX-Aktie in Rot: Analyst hält Weltraum-Rechenzentren-Idee für "dämlich"
Die ambitionierten Pläne von SpaceX für Rechenzentren im Orbit stoßen auf deutliche Skepsis: Experten bezweifeln die technische Machbarkeit und warnen vor enormen Kosten.
Werte in diesem Artikel
- Peter Zeihan hält SpaceX-Pläne für Rechenzentren im Orbit für unrealistisch
- Wood Mackenzie und Kalshi sehen das Vorhaben ebenfalls skeptisch
- SpaceX-Aktie im Blick
SpaceX muss sich harte Kritik an seinem Konzept für Rechenzentren im Erdorbit gefallen lassen. So äußerte sich der Geopolitik-Analyst Peter Zeihan in einem Video auf seinem YouTube-Kanal äußerst kritisch zu den Plänen, die Elon Musk seinen Investoren beim Börsengang präsentiert hatte. "Das ist auf so vielen Ebenen dämlich", sagte Zeihan und ergänzte, wer damit Kapital einsammle, halte die eigenen Geldgeber für naiv.
Zeihans Physik-Einwand: Kühlung, Strahlung, Kosten
Zeihan rechnet die Idee anhand physikalischer Fakten durch. Für ein Rechenzentrum mit einem Gigawatt Leistung im Orbit wären nach seiner Schätzung rund 500 Starship-Starts allein für den Aufbau nötig. Hochleistungschips überleben nach seiner Einschätzung die Strahlung im All nicht ungeschützt, weshalb die gesamte Anlage abgeschirmt werden müsse, was zusätzlich rund 20 Millionen Pfund an Gewicht bedeuten würde. Hinzu komme das Kühlungsproblem: Anders als auf der Erde gibt es im Vakuum weder Luft noch Wasser, die Abwärme der Grafikprozessoren abtransportieren könnten, sodass allein Kühlrippen mit einer Fläche von mehreren Zehn Quadratkilometern nötig wären. Diese Kühlrippen allein würden nach Zeihans Rechnung rund 250 Milliarden US-Dollar kosten.
Wall Street rechnet günstiger, aber teuer bleibt es
Deutlich moderater, aber ebenfalls kritisch fällt die Einschätzung von Wall-Street-Analysten aus. Die Energieberatung Wood Mackenzie kommt laut Benzinga in einem Modell auf Gesamtkosten von rund 170 Milliarden US-Dollar für ein Rechenzentrum mit einem Gigawatt Leistung im Orbit - deutlich weniger als Zeihans Schätzung, aber immer noch etwa das Dreifache der Kosten einer vergleichbaren Anlage auf der Erde. Wie Benzinga berichtet, geben Händler auf der Prognoseplattform Kalshi dem Vorhaben ebenfalls geringe Erfolgschancen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Rechenzentrum mit einem Megawatt Leistung im Orbit noch vor Januar 2029 den Betrieb aufnehme, liege bei 14 Prozent, obwohl SpaceX in seiner Börsenzulassung 2028 als Zieljahr nennt. Bis 2035 steige die Quote auf 39 Prozent.
SpaceX-Aktie: Das eigentliche Geschäft bleibt vorerst am Boden
Nach der Übernahme von xAI im Februar 2026 positionierte sich SpaceX bei seinen Investoren als vertikal integriertes KI-Unternehmen und nicht mehr nur als Raketenbetreiber. Laut der Börsenzulassung sollen die ersten orbitalen KI-Rechensatelliten frühestens 2028 starten, mit einer Rechenleistung von mehr als 100 Kilowatt pro Tonne und einem langfristigen Ziel von 100 Gigawatt pro Jahr an gestarteter Kapazität. Das eigentliche Geschäft findet vorerst weiter auf der Erde statt: Anthropic zahlt SpaceX seit Mai 2026 monatlich 1,25 Milliarden US-Dollar bis Mai 2029 für Kapazitäten in dessen terrestrischen Colossus-Rechenzentren, wobei beide Seiten den Vertrag mit einer Frist von 90 Tagen kündigen können. Die eigenen Risikofaktoren im Börsenprospekt räumen ein, dass die orbitale Rechenleistung auf unbewiesenen Technologien beruht und wirtschaftlich möglicherweise nie tragfähig wird.
Der nächste belastbare Anhaltspunkt dürfte der von SpaceX selbst gesetzte Zieltermin 2028 für die ersten orbitalen Testsatelliten sein. Bis dahin bleibt offen, ob sich Zeihans physikalische Einwände oder die deutlich vorsichtigeren Modelle der Wall-Street-Analysten als treffsicherer erweisen.
Die SpaceX-Aktie gibt am Montag im NASDAQ-Handel zeitweise um 2,28 Prozent auf 112,45 US-Dollar ab.
Bettina Schneider, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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Bildquellen: Wirestock Creators / Shutterstock.com, SpaceX
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