Heilt KI Krebs?

Palantir-Aktie bleibt volatil: Top-Manager provoziert mit KI-Aussagen zu "Massenpsychose" - was Anleger wissen sollten


Palantir-Aktie bleibt volatil: Top-Manager provoziert mit KI-Aussagen zu "Massenpsychose" - was Anleger wissen sollten

Palantir wächst rasant und wird von Analysten überwiegend positiv bewertet. Zugleich sorgt CTO Shyam Sankar mit provokanten Aussagen über künstliche Intelligenz für Aufmerksamkeit.

  • CTO Shyam Sankar unterstreicht sein Vertrauen in das Potenzial künstlicher Intelligenz
  • Palantir-Manager kritisiert aus seiner Sicht übertriebene Sicherheitsbedenken und setzt auf bestehende Regeln
  • Analysten bewerten die Palantir-Aktie überwiegend positiv, während die Kontroverse um den Minab-Angriff offene Fragen aufwirft
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Palantir-CTO Shyam Sankar hat sich in einem CBS-Interview zum Potenzial künstlicher Intelligenz, zur Regulierung der Technologie und zu ihrem Einsatz beim US-Militär geäußert. Dabei kritisierte er die aus seiner Sicht übertriebene Angst vor KI und unterstrich seinen Optimismus mit der Aussage, er glaube so sehr an eine mögliche Heilung von Krebs durch KI, dass er "all in" sei. Palantir bietet mit seiner Artificial Intelligence Platform (AIP) eine Software-Plattform an, über die Regierungen und Unternehmen KI-Modelle in ihre Arbeitsabläufe integrieren können.

Sankars provokante Aussagen zur KI

In der CBS-Sendung "Face the Nation" erklärte Sankar, manche KI-Forscher hätten mit dem Rauchen begonnen, um anderen zu signalisieren, wie sehr sie an die Technologie glaubten. Namen nannte er dabei nicht. Seine eigene Überzeugung, dass KI künftig Krebs heilen könne, stellte er hingegen als Beispiel für sein uneingeschränktes Vertrauen in die Möglichkeiten der Technologie heraus.

Seine Kritik richtete sich vor allem gegen die Debatte über die Sicherheit künstlicher Intelligenz und die aus seiner Sicht übertriebenen Befürchtungen möglicher Risiken. Die Bewegung Effective Altruism bezeichnete Sankar in diesem Zusammenhang als "apokalyptischen Weltuntergangskult mit messianischem Komplex". Zudem behauptete er, dass ihr die Mehrheit der rund 2.000 KI-Forscher in den USA angehöre - diese Einordnung ist nicht unabhängig belegt. Mit weiteren provokanten Formulierungen beschrieb er das Silicon Valley als von einer "Massenpsychose" geprägt und erklärte, der "Maschinengott der allgemeinen künstlichen Intelligenz (AGI)" habe dort eine "gottförmige Leerstelle" gefüllt.

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Palantir setzt auf bestehende Regeln und mehrere KI-Modelle

Auch bei der Regulierung von KI plädiert Sankar dafür, zunächst auf bestehende Gesetze und Behörden zurückzugreifen. Als Beispiel nannte er die US-Arzneimittelbehörde FDA, deren etablierte Verfahren bei der Bewertung von Medikamenten Orientierung bieten könnten. Ergänzende Regeln schließt er damit nicht grundsätzlich aus. Zugleich betont er die Verantwortung der Unternehmen, sichere Produkte bereitzustellen und angemessen mit möglichen Schäden umzugehen.

Eine freiwillige Vereinbarung zu internen Kontrollen, die laut CBS-Moderatorin Margaret Brennan unter anderem Alphabet, Anthropic, OpenAI und NVIDIA unterzeichnet hatten, hat Palantir nicht unterschrieben. Sankar zufolge wurde das Unternehmen nicht zur Teilnahme aufgefordert, weil es selbst keine grundlegenden KI-Modelle entwickelt. Die sichere Bereitstellung und Einbindung solcher Modelle sei dennoch ein wesentlicher Bestandteil des Palantir-Geschäfts.

Wie wichtig die Möglichkeit ist, zwischen verschiedenen Anbietern zu wechseln, zeigt sich nach Sankars Darstellung auch beim US-Militär. Der Verzicht auf Produkte von Anthropic habe "keine Auswirkungen auf den operativen Betrieb" gehabt, erklärte der Palantir-Manager gegenüber CBS, da Anthropic bereits ersetzt worden sei und die Nutzer zwischen verschiedenen KI-Modellen wählen könnten. Diese Flexibilität sei nicht nur für militärische Anwendungen relevant, sondern unterstütze zugleich das kommerzielle Geschäft von Palantir, weil Kunden dadurch nicht von einem einzigen Modellanbieter abhängig seien.

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Im Zusammenhang mit dem Einsatz von KI beim Militär nahm Sankar auch zur Bloomberg-Berichterstattung über den Angriff auf Minab Stellung. Die Nachrichtenagentur hatte im September berichtet, dass bei einem US-Raketenangriff auf eine Grundschule in der südiranischen Stadt Minab am 28. Februar mindestens 123 Kinder getötet worden seien. Nach Bloombergs Recherchen könnten veraltete Geheimdienstinformationen, überholte Satellitenbilder und ein zu großes Vertrauen in das KI-gestützte Maven-System von Palantir dazu beigetragen haben, dass die Schule als Angriffsziel eingestuft wurde.

Sankar wies die Darstellung, es sei zu stark auf Maven vertraut worden, im CBS-Interview als "unzutreffend" zurück und vermutete menschliches Versagen als Ursache. Zugleich verwies er auf zusätzliche KI-Agenten, die zur Überprüfung von Informationen und zur Erkennung möglicher Fehler entwickelt worden seien. Ein abschließender Untersuchungsbericht lag zum Zeitpunkt des Interviews nach seinen Angaben noch nicht vor.

Palantir-Aktie: Starkes Wachstum und positive Analystenurteile

Unabhängig von der Debatte um den militärischen Einsatz von KI wird Palantirs Geschäftsentwicklung vor allem durch das starke Umsatzwachstum geprägt. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 93 Prozent auf 1,94 Milliarden US-Dollar, während die Erlöse im US-Kommerzgeschäft um 149 Prozent zulegten. Angesichts der Entwicklung hob das Unternehmen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 8,150 bis 8,158 Milliarden US-Dollar an.

Auch die Einschätzungen am Analystenmarkt fallen überwiegend positiv aus. Von den 24 in der zugrunde gelegten Übersicht erfassten Analysten empfehlen 18 die Aktie zum Kauf, während vier mit "Hold" zur Neutralität raten und zwei zum Verkauf tendieren. Das durchschnittliche Kursziel liegt demnach bei 210,67 US-Dollar.

Trotz des positiven Analystenbilds bleibt die Kursentwicklung schwankungsanfällig. Im bisherigen Jahresverlauf hat die Palantir-Aktie rund 18 Prozent zugelegt und bewegte sich auf Sicht von 52 Wochen zwischen 106,37 und 212,94 US-Dollar. Am Dienstag notiert das Papier an der NASDAQ bei 209,83 US-Dollar und damit 0,43 Prozent im Plus.

Was Sankars Aussagen für Anleger bedeuten

Für Anleger sind Sankars Äußerungen vor allem als Ausdruck seiner grundsätzlichen Überzeugung vom Potenzial künstlicher Intelligenz einzuordnen. Sie verdeutlichen die strategische Ausrichtung von Palantir, liefern für sich genommen aber keinen Beleg für die künftige Geschäftsentwicklung oder die Bewertung der Aktie. Entscheidend bleibt, ob das Unternehmen sein starkes Wachstum fortsetzen, die angehobene Jahresprognose erreichen und seine Position im Wettbewerb um Unternehmenskunden und öffentliche Auftraggeber ausbauen kann. Darüber hinaus dürfte die Kontroverse um den Einsatz des Maven-Systems relevant bleiben.

Claudia Stephan, Julia Walter, Redaktion finanzen.net

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