Die nächste Energie-Rakete? General Fusion-Aktie sorgt nach fulminantem Börsenstart weiter für Aufsehen
General Fusion hat als erstes reines Fusionsenergie-Unternehmen den Sprung an die NASDAQ geschafft. Die Aktie legt deutlich zu - doch Experten sehen den Weg zur kommerziellen Kernfusion weiterhin mit großen technischen Herausforderungen verbunden.
Werte in diesem Artikel
- General Fusion debütiert am 13. Juli als erstes börsennotiertes Fusionsenergie-Unternehmen
- Aktie legt zum Handelsstart zeitweise um rund 47 Prozent zu
- Financial Times und Kritiker zweifeln am ambitionierten Zeitplan
Das kanadische Unternehmen General Fusion Group ist am Montag unter dem Kürzel GFUZ an der NASDAQ gestartet und damit nach eigenen Angaben das erste börsennotierte reine Fusionsenergie-Unternehmen weltweit. Die Aktie legte am ersten Handelstag deutlich zu und ging mit einem Kursplus von 20,61 Prozent auf 11 US-Dollar aus dem Handel. Und auch am zweiten Handelstag hält der Schwung: Vorbörslich zeichnet sich ein Plus von 10,27 Prozent auf 12,13 US-Dollar ab..
Die Technologie hinter dem Hype
General Fusion entwickelt seit 2002 die sogenannte Magnetized Target Fusion (MTF), eine Mischform aus magnetischem Einschluss und Trägheitsfusion, bei der ein flüssiges Metall das Plasma komprimiert. Die Demonstrationsanlage Lawson Machine 26 (LM26) erreichte nach Unternehmensangaben zum Börsenstart eine Plasmatemperatur von rund 0,72 Kiloelektronenvolt und damit einen Teil des ersten Zwischenziels von 1 Kiloelektronenvolt. Das Unternehmen verweist auf mehr als 200.000 Plasma-Experimente über zwei Jahrzehnte und eine erste Platzierung auf der TIME-Liste der GreenTech-Unternehmen 2026.
Marktteilnehmer begeistert
General Fusion ist über eine Fusion mit der Mantelgesellschaft Spring Valley Acquisition Corp. III an die Börse gegangen. Die "III" verweist auf eine Reihe verwandter SPAC-Vehikel desselben Sponsors: Ein früheres Vehikel der Reihe, Spring Valley Acquisition Corp. ohne den Zusatz "III", hatte 2022 den Kernreaktor-Entwickler NuScale Power per SPAC-Fusion an die NYSE gebracht, laut Unternehmensangaben in einer SEC-Einreichung als erstes von bislang vier Vehikeln dieser Sponsoren-Familie.
Wo die Skepsis ansetzt
Die abweichenden Zahlen zu Bewertung und Erlös deuten bereits auf die erste Unsicherheit hin: Ein Bericht der Zeitung Globe and Mail schätzt, dass nach Rückgaben von SPAC-Anlegern und Gebühren am Ende deutlich weniger als 30 Millionen US-Dollar aus dem eigentlichen Treuhandkapital bei General Fusion ankommen könnten. Die Financial Times berichtete zudem von Zweifeln daran, ob der technische Fortschritt des Unternehmens mit dem selbst gesetzten Zeitplan Schritt hält.
Bis zum sogenannten Lawson-Kriterium, dem physikalischen Nachweis eines Energieüberschusses aus der Fusionsreaktion, sind neben dem aktuellen Zwischenziel von 1 Kiloelektronenvolt noch die Stufe von 10 Kiloelektronenvolt sowie weitere, für 2028 angepeilte Meilensteine nötig. Das Beispiel NuScale Power zeigt zudem, dass ein spektakulärer SPAC-Börsenstart keine Garantie für eine stabile Kursentwicklung ist: Die Aktie hat seit ihrem eigenen Debüt mehrfach starke Ausschläge in beide Richtungen erlebt.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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