Preismacht

Micron-Aktie vor neuem Schub? Wie die Speicherknappheit den Chiphersteller zum KI-Gewinner machen könnte


Micron-Aktie vor neuem Schub? Wie die Speicherknappheit den Chiphersteller zum KI-Gewinner machen könnte

Micron besitzt Preismacht im Speichermarkt, doch ab dem 22. Juli entscheiden die Kapex-Zahlen der Hyperscaler, wie lange der Rückenwind trägt.

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  • Micron kann die Preise dank knapper Speicherchips im dritten Quartal anheben
  • Big-Tech-Kapex entscheidet über weiteren Rückenwind
  • Alphabet eröffnet am 22. Juli die Berichtssaison
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Kurz vor dem Auftakt der Berichtssaison am 22. Juli richtet sich der Blick der Anleger erneut auf den Speicherchip-Hersteller Micron Technology. Die Aktie gab am Freitag letztlich um 1,24 Prozent auf 979,30 US-Dollar nach. Im vorbörslichen NASDAQ-Handel geht es am Montag weiter nach unten und das Papier verliert zeitweise 5,60 Prozent auf 924,45 US-Dollar.

Dabei sitzt Micron derzeit an einem seltenen Hebel: Die Nachfrage nach Speicherchips für Künstliche Intelligenz übersteigt das Angebot so deutlich, dass der Konzern im dritten Quartal die Preise anheben kann, ohne Kunden zu verlieren. Zugleich rückt mit dem Start der Berichtssaison am 22. Juli die Frage in den Mittelpunkt, ob die Milliardeninvestitionen der großen Cloud-Konzerne in KI-Infrastruktur diesen Rückenwind für Micron verlängern oder abrupt bremsen. Für die Speicherchip-Branche ist die Antwort direkt geschäftsrelevant, denn jeder zusätzliche US-Dollar, den Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta Platforms in neue Rechenzentren stecken, verlangt auch mehr Speicherbausteine von Herstellern wie Micron und SK hynix.

Preismacht als Kernargument für Micron

Ken Mahoney, CEO von Mahoney Asset Management, sieht laut Barron‘s bei den Kapitalausgaben der Hyperscaler eine nach oben gerichtete Tendenz, weil die Komponentenkosten weiter steigen. Er verweist ausdrücklich auf Micron, das im dritten Quartal die Preise anheben will und nach seiner Einschätzung über anhaltende Preissetzungsmacht verfügt. Diese Preismacht sei das Kernargument für die Micron-Aktie: Solange die Nachfrage nach Speicherchips für KI-Trainings- und Inferenzsysteme das Angebot übertrifft, kann der Konzern höhere Kosten an seine Kunden weiterreichen, was Margen stützt, aber zugleich den Bau neuer Rechenzentren für ebendiese Kunden teurer macht.

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Die Kapex-Zahlen der Hyperscaler als Gradmesser

Wie lange dieser Vorteil trägt, entscheidet sich an den Kapitalausgaben der großen Cloud-Konzerne. Alphabet macht am 22. Juli den Anfang, gefolgt von Microsoft am 29. Juli und Apple am 30. Juli, während Meta Platforms und Amazon zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch keinen offiziellen Termin genannt hatten. Laut Barron‘s rechnen von FactSet befragte Analysten bei Alphabet für das zweite Quartal mit Kapitalausgaben von rund 44,9 Milliarden US-Dollar, doppelt so viel wie die 22,4 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Ein solcher Sprung wäre für Micron ein Signal, dass die Speichernachfrage strukturell bleibt und nicht nur ein einmaliger Nachholeffekt ist.

Analysten sehen anhaltenden Bestellrückenwind

Auch bei BofA Securities geht man davon aus, dass die Hyperscaler der Verfügbarkeit von Rechenkapazität weiterhin mehr Gewicht geben. "Wir glauben, dass Hyperscaler der Verfügbarkeit von Kapazitäten Vorrang vor einer kurzfristigen Optimierung des freien Cashflows (FCF) einräumen werden, da die Nachfrage nach KI-Training, Inferenz, Cloud-Workloads und dem internen Einsatz von KI-Produkten aufgrund eines begrenzten Angebots weiterhin eingeschränkt ist", schrieb BofA-Analyst Justin Post am 7. Juli 2026 gemäß Barron‘s. Für Micron bedeutet diese Einschätzung, dass die Bestellungen der Cloud-Konzerne kaum kurzfristig zurückgefahren werden, selbst wenn der freie Cashflow der Hyperscaler unter der Investitionslast leidet.

Ein konkretes Beispiel liefert Amazon Web Services: Goldman-Sachs-Analyst Eric Sheridan erhöhte laut Barron’s am 7. Juli 2026 seine Kapex-Schätzungen für die Cloud-Sparte mit Verweis auf die anhaltende Angebotsknappheit bei Rechenkapazität sowie steigende Kosten für den Bau von Rechenzentren, Chips von Drittanbietern und Speicherbausteine. Nach seiner Schätzung dürfte Amazon zwischen 2026 und 2028 kumuliert rund 827 Milliarden US-Dollar in den Ausbau der Cloud-Infrastruktur stecken, und Sheridan hob sein Kursziel für die Aktie am selben Tag von 325 auf 335 US-Dollar an. Jede dieser Schätzungsanhebungen liest sich für Micron wie eine bestätigte Bestellung, denn ohne ausreichend Speicherchips lässt sich kein Rechenzentrum betreiben.

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Die Kehrseite: Wer trägt das Risiko?

Dass die Gewinne aus dem KI-Boom bislang eher bei Zulieferern wie Micron als bei den Cloud-Konzernen selbst ankommen, zeigt eine Asymmetrie der laufenden Rally: Während Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta Platforms unter wachsendem Rechtfertigungsdruck für ihre Ausgaben stehen, kann Micron von der reinen Nachfrage nach Hardware profitieren, unabhängig davon, ob sich die KI-Wetten der Hyperscaler am Ende auszahlen. Ob dieses Muster anhält, zeigt sich erstmals am 22. Juli, wenn Alphabet als erster großer KI-Investor seine Quartalszahlen vorlegt und damit auch einen ersten Hinweis darauf gibt, wie robust die Speichernachfrage in den kommenden Quartalen bleibt.

Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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Bildquellen: Sundry Photography / Shutterstock.com, Bangla press / Shutterstock.com

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25.06.26 Micron Technology Buy Deutsche Bank AG
25.06.26 Micron Technology Outperform RBC Capital Markets
25.06.26 Micron Technology Neutral Goldman Sachs Group Inc.
25.06.26 Micron Technology Overweight JP Morgan Chase & Co.
15.06.26 Micron Technology Outperform RBC Capital Markets