Marvell begeistert mit astronomischem Umsatzziel: Aktie zieht kräftig an - KI-Euphorie intakt
Bis zu 90 Milliarden US-Dollar Umsatz peilt Marvell an, doch der Weg dorthin verlangt ein Wachstum, das selbst die bisherigen Rekordquartale klar übertreffen müsste.
Werte in diesem Artikel
- Marvell peilt Umsatz von 90 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2031 an
- Schon das Ziel für das Geschäftsjahr 2028 liegt über dem Analystenkonsens
- Maßgeschneiderte KI-Chips und Netzwerktechnik sollen den Großteil beisteuern
Mit Wachstumszielen, die weit über die Erwartungen der Analysten hinausgehen, hat Marvell Technology bei seinem Investorentag in New York die Anleger überzeugt. Die Aktie zog an der NASDAQ schließlich um kräftige 5,81 Prozent auf 287,01 US-Dollar an.
Der Kurs setzte laut Barron's schon in dem Moment zum Sprung an, als CEO Matt Murphy kurz vor Handelsbeginn das neue Umsatzziel enthüllte: 70 bis 90 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2031. Zum Vergleich: Im Ende Januar dieses Jahres abgeschlossenen Geschäftsjahr 2026 setzte Marvell 8,2 Milliarden US-Dollar um. Die Mitte der Spanne entspräche damit ungefähr dem Zehnfachen.
Neue Ziele lassen den Konsens weit hinter sich
Bemerkenswert ist dabei nicht nur das ferne Ziel, sondern auch der kurzfristige Ausblick. Für das Geschäftsjahr 2028 stellt das Management laut investing.com rund 20 Milliarden US-Dollar Umsatz in Aussicht. Analysten hatten vor dem Termin im Schnitt mit 18,2 Milliarden US-Dollar gerechnet, für das laufende Geschäftsjahr 2027 mit 12,05 Milliarden US-Dollar. Gemessen an der Konsensschätzung für 2027 müsste der Umsatz binnen eines Jahres um rund zwei Drittel zulegen, um die eigene Marke zu erreichen. Als Fundament dient ein deutlich größerer Zielmarkt: Murphy beziffert das adressierbare Marktvolumen bis 2030 auf 400 Milliarden US-Dollar. Wie ehrgeizig dieser Fahrplan tatsächlich ist, zeigt erst der Abgleich mit den Quartalszahlen vom August 2026.
Das geplante Tempo übertrifft selbst die Rekordquartale
Barron's rechnet vor, dass Marvell für das Ziel fünf Jahre lang um jährlich rund 55 bis 60 Prozent wachsen müsste. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 1. August 2026 endete, legte der Umsatz um 37 Prozent auf den Rekordwert von 2,739 Milliarden US-Dollar zu, wie aus der Ergebnismitteilung zum zweiten Quartal hervorgeht. Selbst das Rechenzentrumsgeschäft blieb mit 46 Prozent Plus unter dem nun geforderten Tempo, der Plan setzt also eine dauerhafte Beschleunigung voraus. Auch beim Gewinn zielt Marvell hoch: Der bereinigte Gewinn je Aktie soll 2031 über 30 US-Dollar liegen, nach 2,84 US-Dollar im Geschäftsjahr 2026. Die bereinigte Bruttomarge soll langfristig dagegen bei 56 bis 59 Prozent landen, leicht unter den 59,5 Prozent des Geschäftsjahres 2026.
Marvell setzt auf Custom-Chips und Netzwerktechnik
Getragen werden soll das Wachstum von zwei Säulen. In der Mitte der Zielspanne soll das Geschäft mit maßgeschneiderten Chips 30 Milliarden US-Dollar beisteuern, die Interconnect-Sparte, die Daten innerhalb von und zwischen Rechenzentren bewegt, weitere 37,5 Milliarden US-Dollar. Zu den Kunden im Custom-Geschäft zählen Hyperscaler wie Alphabet und Amazon. Gerade hier hat sich das Bild gewandelt. Vor einigen Jahren habe man sich Sorgen gemacht, dass das Geschäft zu stark an einem einzigen Kunden hänge, zitiert Barron's den Analysten Jay Goldberg von Seaport Research Partners. Nun spreche Marvell von einer deutlich breiteren Kundenbasis. Ob diese Breite trägt, hängt allerdings an einer Frage, die über Marvell hinausweist.
Was die Ziele für die KI-Euphorie bedeuten
Finanzchef Dan Durn betonte laut investing.com, der weltweite Ausbau der KI-Infrastruktur setze sich in enormem Umfang und Tempo fort. Genau darauf baut der gesamte Fahrplan. Die Ziele bis 2031 sind damit weniger eine Prognose für ein einzelnes Unternehmen als eine Wette darauf, dass die großen Cloud-Konzerne ihre Investitionen in Rechenzentren über Jahre hinweg hochhalten. Für die KI-Euphorie ist das zunächst Rückenwind, weil ein zentraler Zulieferer langfristige Nachfrage signalisiert. Zugleich steigt die Fallhöhe. Barron's verweist darauf, dass Marvell im Zuge des KI-Handels zum Liebling der Anleger aufgestiegen ist und die Erwartungen entsprechend hoch sind. In seinem Ergebnismitteilung nennt das Unternehmen selbst die Abhängigkeit von wenigen Großkunden als Risiko, ebenso die Möglichkeit, dass Kunden Lösungen selbst entwickeln.
Einen ersten Prüfstein liefern die Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 31. Oktober dieses Jahres endet. Marvell hat dafür einen Umsatz von 3,15 Milliarden US-Dollar plus oder minus fünf Prozent in Aussicht gestellt. Ob die angekündigte Beschleunigung im Custom-Geschäft in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres tatsächlich einsetzt, wird dort erstmals sichtbar.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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