SAP-Aktie nach der Erholung: Wie nachhaltig ist der Aufschwung vor den Quartalszahlen?
Von ihrem Jahrestief hat sich die SAP-Aktie kräftig erholt, doch das Fundament dafür ist bislang ein einziges starkes Quartal.
Werte in diesem Artikel
- KI-Ängste drückten den Softwarekonzern im Juli auf ein Jahrestief
- Cloud-Zahlen, KI-Pläne und Aktienrückkäufe trieben die Erholung an
- Ob der Aufschwung trägt, zeigen die Zahlen am 21. Oktober
Die SAP-Aktie hat sich von ihrem 52-Wochen-Tief bei 127,50 Euro im Juli deutlich erholt und notiert inzwischen bei rund 185 Euro (+0,49 Prozent im XETRA-Handel). Getragen wird die Gegenbewegung von starken Cloud-Zahlen, neuen KI-Plänen und dem laufenden Aktienrückkauf. Entwarnung bedeutet das noch nicht: Von den Höchstständen aus dem Jahr 2025 ist das Papier weit entfernt, und die Zweifel am Geschäftsmodell sind nicht ausgeräumt.
Warum die SAP-Aktie so tief fiel
Unter Druck geriet SAP mit den Jahreszahlen am 29. Januar. An einem einzigen Tag verlor die Aktie rund 15 Prozent, der stärkste Tagesverlust seit Oktober 2020. Der Current Cloud Backlog wuchs währungsbereinigt nur um 25 Prozent und verfehlte damit die von Konzernchef Christian Klein selbst gesetzte Marke von 26 Prozent. Zudem kündigte SAP an, dass sich das Backlog-Wachstum 2026 leicht verlangsamen werde, obwohl die Zahlen insgesamt solide ausgefallen waren.
Anfang Februar folgte ein breiter Ausverkauf im Softwaresektor. Dahinter standen enttäuschende Quartalszahlen, Fortschritte bei KI-Modellen und das Anthropic-Produkt Claude Cowork. Die Sorge: Softwareagenten übernehmen Arbeitsabläufe, für die Firmen bisher Lizenzen zahlten. Hinzu kamen die massiven KI-Investitionen von Oracle, die europäische Softwaretitel belasteten. Als Jefferies im Juni das Kursziel von 230 auf 210 Euro senkte, belastete dies zusätzlich.
Cloud-Zahlen als Wendepunkt
Die Wende brachten die Zahlen zum zweiten Quartal. Der Current Cloud Backlog stieg um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 26 Prozent. Die Cloud-Umsätze wuchsen um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 24 Prozent, der freie Cashflow legte um 27 Prozent auf 3,00 Milliarden Euro zu. Damit entkräftete SAP vorerst die zentrale Sorge, KI bremse das Wachstum aus. Die Aktie zog am folgenden Handelstag kräftig an.
Die Schattenseite: Die Non-IFRS-Marge sank von 28,5 auf 27,8 Prozent. Die währungsbereinigte Spanne für das operative Ergebnis 2026 senkte SAP auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, zuvor waren es 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro. Als Grund nannte SAP die Zukäufe Dremio und Prior Labs. Cloud-Umsatz und Cashflow-Ziel blieben unverändert.
Was die Erholung zusätzlich antreibt
Bereits am 9. Juli hatte die EU-Kommission ihr Kartellverfahren gegen SAP ohne Bußgeld beendet. Neuen Schwung lieferte Klein im September auf der Communacopia-Konferenz von Goldman Sachs. Dort stellte er SAP als Profiteur der KI-Welle dar, weil der Konzern über die Geschäftsdaten und die ERP-Prozesslogik verfüge, die Sprachmodelle für echten Mehrwert benötigten. Bis Jahresende will SAP mehr als 50 spezialisierte Joule-Assistenten bereitstellen, langfristig ein Netzwerk von über 200 KI-Agenten. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte Klein: "Für SAP eröffnet sich gerade die größte Chance für einen weiteren wirklichen Schub."
Hinzu kommt ein Kurspuffer aus eigener Kraft. Zusammen mit den Jahreszahlen im Januar hatte SAP einen Aktienrückkauf von bis zu 10 Milliarden Euro bis Ende 2027 angekündigt. Seit Ende Juli läuft die zweite Tranche über bis zu 2,6 Milliarden Euro.
Nachhaltige Wende oder Strohfeuer?
Ob die Erholung trägt, ist offen. Die neue Zuversicht ruht im Kern auf einem einzigen Quartal mit starkem Backlog, während Marge und Ergebnisprognose gleichzeitig nachgaben. Der Beweis, dass aus dem vertraglich gesicherten Cloud-Geschäft auch steigende Gewinne werden, steht noch aus. Welchen zusätzlichen Umsatz die neuen KI-Agenten generieren werden, ist dagegen noch offen.
Die Analysten sind gespalten. Jefferies und Berenberg empfehlen die Aktie zum Kauf, während JPMorgan und UBS nur zum Halten raten. Zuletzt hatte Jefferies das Ziel von 210 auf 220 Euro angehoben und seine Kaufempfehlung bestätigt, auch Berenberg rät mit einem Kursziel von 205 Euro zu "Buy".
Klarheit dürfte der Bericht zum dritten Quartal bringen, den SAP am 21. Oktober veröffentlicht. Entscheidend wird, ob der Cloud-Backlog sein Tempo hält und ob die Marge die Wende mitmacht.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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