Infineon-Aktie rutscht ab: Größter DAX-Verlierer trotz Milliarden-Deal
Am Donnerstag rutscht die Infineon-Aktie im XETRA-Handel um rund 3,1 Prozent ab und ist damit größter Verlierer im DAX, trotz eines milliardenschweren Zukaufsdeals.
Werte in diesem Artikel
- Halbleiterwert rutscht deutlich ab und bremst den DAX
- Winbond-Verkauf für 1,12 Milliarden US-Dollar ändert die Stimmung kaum
- Analysten bleiben trotz Kursrutsch mehrheitlich optimistisch
Die Infineon-Aktie ist heute mit deutlichem Abstand größter Verlierer im DAX. Auslöser sind anhaltende Sorgen um die Nachfrage aus der Industrie- und der Automobilbranche, die trotz eines milliardenschweren Verkaufs im Speichergeschäft nicht abreißen. Anleger reagieren mit spürbaren Verkäufen, der Kurs gibt deutlich nach.
Kursrutsch trifft Infineon-Anleger
Im XETRA-Handel gab die Infineon-Aktie letztlich 3,94 Prozent auf 56,26 Euro nach und entwickelte sich damit zum größten Belastungsfaktor im deutschen Leitindex. Der Neubiberger Halbleiterhersteller, der Chips und Systemlösungen unter anderem für Fahrzeuge, Industrieanlagen und Rechenzentren produziert, zählt damit erneut zu den schwächsten Werten im DAX.
Die Rolle als Schlusslicht ist für Infineon in diesem Jahr kein Einzelfall: Bereits vor einer Woche verlor die Aktie zum XETRA-Schluss 4,4 Prozent und war schwächster Wert im DAX 40. Im August geriet sie an zwei Handelstagen ebenfalls deutlich unter Druck und war zeitweise mit Abstand größter Tagesverlierer im Index.
Winbond-Deal ändert wenig an der Stimmung
Mitte September hatte Infineon eine endgültige Vereinbarung zum Verkauf seines NOR-Flash- und F-RAM-Geschäfts an den taiwanischen Speicherhersteller Winbond Electronics bekanntgegeben. Winbond zahlt dafür 1,12 Milliarden US-Dollar in bar, der Abschluss der Transaktion wird für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet. Peter Schiefer, President der Automotive Division von Infineon, bezeichnete die Transaktion in einer Mitteilung des Unternehmens als strategisch äußerst attraktives Ergebnis, das es Infineon ermögliche, Portfolio und Kapitalallokation stärker auf zentrale Wachstumstreiber zu konzentrieren.
Trotz des Verkaufs bleibe die Infineon-Aktie laut einer Analyse des ZertifikateJournal im Würgegriff der Konjunktursorgen, da Anleger weiterhin eine schwache Nachfrage aus Industrie und Automobilbranche - beides wichtige Absatzmärkte des Konzerns - fürchteten. Die gesamte Halbleiterbranche stecke zwischen langfristigen Wachstumsperspektiven und kurzfristigen Konjunktursorgen fest, heißt es in der Einschätzung weiter.
Analysten sehen weiterhin Potenzial für Infineon-Aktie
Der Analystenkonsens bei TipRanks bewertet Infineon mit Strong Buy: Von 15 erfassten Häusern raten zwölf zum Kauf, drei zum Halten, keines zum Verkauf. Das mittlere Kursziel liegt bei 84,07 Euro, die Spanne reicht von 60 bis 102 Euro.
Oddo BHF-Analyst Stephane Houri stufte die Aktie am Freitag von Neutral auf Buy hoch und nennt ein Kursziel von 80,00 Euro. UBS-Analyst Francois Xavier Bouvignies bestätigte am Montag sein Hold-Rating mit einem Kursziel von 64,00 Euro. Bereits zuvor hatte Morgan Stanley-Analyst Lee Simpson die Aktie von Overweight auf Hold zurückgestuft und das Kursziel von 81,00 auf auf 65,00 Euro gesenkt. Warburg Research-Analyst Malte Schaumann hatte die Aktie zuvor auf Buy angehoben und ein Kursziel von 84,00 Euro ausgegeben.
Anleger warten auf Quartalszahlen von Infineon
Als nächster konkreter Termin rückt der 10. November in den Blick, an dem Infineon die Zahlen zum vierten Quartal und zum Gesamtjahr vorlegen soll. Bis dahin dürfte auch der Fortgang der behördlichen Prüfung des Winbond-Deals im Fokus der Anleger bleiben.
Thomas Zoller, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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