ExxonMobil, Chevron, Shell & Co. verlieren: Waffenruhe im Iran-Konflikt belastet Ölaktien - wen es am härtesten trifft

Nachdem der Iran-Krieg Brent bis auf 119 Dollar trieb, hat die Waffenruhe den Preis zurück in den 80er-Bereich gedrückt, und die Ölkonzerne zahlen jetzt die Rechnung.
Werte in diesem Artikel
• Deal im Nahost-Konflikt setzt Ölpreis unter Druck
• Sinkender Ölpreis schwächt Aktien aus dem Sektor
• Formelle Unterzeichnung voraus
Der diplomatische Durchbruch trifft die Ölaktien mit voller Wucht. Die USA und der Iran haben sich auf ein Abkommen geeinigt, das den seit Ende Februar andauernden Krieg beenden soll. Brent gab daraufhin zeitweise um knapp fünf Prozent auf 83 Dollar je Barrel nach, WTI sackte um fast sechs Prozent auf gut 80 Dollar pro Fass, den tiefsten Stand seit März. Kern der Vereinbarung ist die Wiederöffnung der Straße von Hormus, die der Iran nach Kriegsbeginn weitgehend blockiert hatte.
Die Aktien der großen Ölkonzerne folgen dem Ölpreis nach unten:
Exxon Mobil verloren im NYSE-Handel letztlich 4,13 Prozent auf 140,94 US-Dollar. Die Papiere von Chevron sanken um 3,64 Prozent auf 180,41 US-Dollar. ConocoPhillips und Occidental Petroleum, beide besonders exponiert gegenüber dem Rohölpreis, litten ebenfalls unter dem Umfeld und verloren 4 Prozent auf 112,30 US-Dollar bzw. 3,7 Prozent auf 54,45 US-Dollar.
Auch im europäischen Umfeld ging es für Aktien im Ölsektor nach unten. Die Papiere von Shell verloren in London letztlich 4,35 Prozent auf 30,81 Pfund. Die TotalEnergies-Aktie sank im Pariser Handel um 4,43 Prozent auf 73 Euro.
Warum der Ölpreis so scharf reagiert
Die vorläufige Einigung soll den Weg für Verhandlungen über die Zukunft des iranischen Atomprogramms ebnen und könnte einen Krieg beenden, der Tausende Tote forderte und die globale Wirtschaft belastete. Der Effekt auf den Ölpreis ist direkt: Mit der Öffnung der Hormus-Straße fällt der Risikoaufschlag weg, den der Markt seit Kriegsbeginn eingepreist hatte. Hinzu kommt: Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien erklärten, bereit zu sein, die Sanktionen gegen den Iran im Gegenzug für Schritte bei seinem Nuklearprogramm aufzuheben. Die USA wollen zudem 12 Milliarden US-Dollar an eingefrorenen iranischen Vermögenswerten vor Beginn der Verhandlungen freigeben. Kehrt iranisches Öl in nennenswertem Umfang an den Weltmarkt zurück, wächst das Angebot weiter.
Wer trifft es besonders hart
Die Kursabschläge bei den Ölkonzernen reflektieren die neue Preisrealität direkt. Vor allem Occidental Petroleum und ConocoPhillips gelten als besonders preissensitiv: Beide fördern einen Großteil ihrer Produktion im Permian Basin und benötigen für ihre Rentabilität einen deutlich höheren Ölpreis als den aktuellen. Experten schlagen angesichts der noch offenen Deal-Details Alarm, was darauf hindeutet, dass die Unsicherheit über das weitere Ausmaß der Entspannung anhält und kurzfristig kaum als Stabilisator wirkt.
Nächster Beobachtungspunkt
Am 19. Juni treffen sich Vertreter der USA und des Iran in der Schweiz zur formellen Unterzeichnung des Abkommens. Ein endgültiger Vertragstext liegt noch nicht vor, die wichtigsten Streitpunkte sollen in einer 60-tägigen Verhandlungsphase geklärt werden. Scheitert die Zeremonie oder eskaliert der Konflikt erneut, wäre ein rascher Preisanstieg zurück in Richtung 100 Dollar möglich. Hält die Einigung, rückt die Frage der iranischen Ölexportmengen in den Fokus und damit das nächste Preisziel nach unten.
Evelyn Schmal, Julia Walter, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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