Micron-Aktie: Warum Experten trotz Rekordzahlen zur Vorsicht mahnen
Rekordumsatz, höherer Ausblick und doch nur ein kleines Kursplus: Bei Micron richten Experten den Blick auf Marge, Kosten und die Dauer des Speicherzyklus.
Werte in diesem Artikel
- Starke Zahlen lösen an der Börse nur ein verhaltenes Echo aus
- Hohe Margen machen die Aktie anfällig für erste Anzeichen von Druck
- Wall Street bleibt optimistisch, Skeptiker verweisen auf neue Nachfragerisiken
Micron Technology, Hersteller von Speicherchips für KI und Rechenzentren, hat mit Rekordzahlen und einem angehobenen Ausblick überzeugt. Die Aktie reagierte dennoch nur verhalten im Plus. Experten sehen Gründe zur Vorsicht, vor allem bei der Marge und der Frage, wie lange der Zyklus trägt.
Starke Zahlen, verhaltene Aktien-Reaktion
Micron legte am Mittwoch nach Börsenschluss Zahlen vor, die die Erwartungen übertrafen. Der Umsatz im vierten Geschäftsquartal lag bei 54,23 Milliarden US-Dollar, nach 11,32 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Die Non-GAAP-Bruttomarge erreichte 87,0 Prozent, der Gewinn je Aktie 33,42 US-Dollar.
Für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres stellte das Unternehmen Umsatz von 61,5 Milliarden US-Dollar in Aussicht, mehr als der Analystenkonsens mit 56,77 Milliarden US-Dollar. Die Aktie gewann am Donnerstag an der NASDAQ letztlich nur 3,03 Prozent auf 1.097,39 US-Dollar. Am Freitag lag sie im Handel schließlich 2,05 Prozent im Minus bei 1.074,89 US-Dollar. Experten erklärten, ein herausragendes Quartal sei nach dem Anstieg vor den Zahlen bereits eingepreist gewesen.
Warum Anleger laut Experten vorsichtig sein sollten
Barron's verweist auf die Sorge, ob die historisch zyklische Chipbranche ihren Höhepunkt erreicht hat. Wegen der sehr hohen Marge könnte die Micron-Aktie fallen, sobald sich Anzeichen für Margendruck zeigen. Tatsächlich peilt Micron für das erste Quartal eine Bruttomarge von rund 86,25 Prozent an. Als Grund nennt CFO Mark Murphy höhere Kosten durch erhöhte Bonusvergütung. Das erste Quartal soll der Tiefpunkt des Geschäftsjahres sein.
Zudem plant das Unternehmen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 zusätzliche Kosten von rund 1 Milliarde US-Dollar, getrieben durch höhere Bonusvergütung, Startup-Kosten und andere Faktoren. Die Investitionsausgaben (Capex) sollen im ersten Quartal bei rund 11,5 Milliarden US-Dollar liegen, für das erste Halbjahr erwartet Micron insgesamt etwa 25 Milliarden US-Dollar.
Nachfragerisiken bei Micron
BNP Paribas bekräftigte Outperform mit einem Kursziel von 1.700 US-Dollar. Analyst Karl Ackerman nennt zugleich mögliche Argumente der Bären: eine Abspeckung der Spezifikationen von NVIDIAs Rubin-Ultra-GPU oder der Einsatz von CXL in herkömmlichen Servern, was die Angebotsknappheit lindern könnte. Benötigt die GPU weniger Speicher, könnte die Nachfrage nach Micron-Chips sinken.
Dagegen sieht das Management kein Ende der Knappheit. Mehr als 75 Prozent der Produktion für 2027 sind laut Micron fest zugesagt, und 26 strategische Kundenvereinbarungen sind unterzeichnet.
Analysten und Kursziele für Micron-Aktie im Blick
Von 26 von TipRanks erfassten Analysten lauten 25 auf Buy, einer auf Hold. Das mittlere Kursziel liegt bei 1.581,40 US-Dollar. Barclays nennt 2.000 US-Dollar, UBS 1.625 US-Dollar und Bank of America Securities 1.550 US-Dollar, jeweils mit Buy. Robert W. Baird sieht 1.520 US-Dollar.
Entscheidend wird, ob Micron die Marge nach dem erwarteten Tiefpunkt wieder ausbauen kann und wie sich die Investitionen entwickeln.
Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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