Kursfantasie dank Kiew: Ist die HENSOLDT-Aktie statt Rheinmetall und RENK der neue Rüstungs-Favorit?
Die HENSOLDT-Aktie steht nach dem Kiew-Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz im Fokus. Eine neue Vereinbarung mit der Ukraine über Radartechnik sorgt für Fantasie.
Werte in diesem Artikel
- Händler sehen im Kiew-Besuch des Kanzlers einen Kurstreiber
- Vertrag über Satellitentechnik sorgt für Fantasie, bleibt aber vage
- Rheinmetall und RENK bewegen sich ebenfalls
Die Aktie des Rüstungselektronikherstellers HENSOLDT steht auch zum Start der neuen Woche im Anlegerfokus. Händler nannten mögliche Ukraine-Aufträge als Treiber nach dem Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Kiew. Details zum Vertrag, den HENSOLDT dort unterschrieben haben soll, sind allerdings offen.
Rüstungsaktien mit Kursausschlägen zum Wochenstart
Auf XETRA ging es für die Titel am Montag letztlich um 4,08 Prozent auf 82,58 Euro nach oben. Daneben legten die Titel von Rheinmetall 2,43 Prozent auf 980,20 Euro zu, für RENK ging es 0,08 Prozent auf 37,30 Euro nach oben.
Der Merz-Besuch und die Verträge
Merz reiste am Wochenende nach Kiew. Nach der Ankunft sagte er: "Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns." Die Partnerschaft sei keine Einbahnstraße, erklärte er laut Bundesregierung, deutsche und ukrainische Unternehmen entwickelten gemeinsam Technologien, von denen beide Länder profitierten. Im Gepäck hatte der Kanzler nach Angaben deutscher Regierungsvertreter 1 Milliarde Euro an Militärhilfe und 350 Millionen Euro für die Reparatur der ukrainischen Energieinfrastruktur.
Begleitet wurde Merz von einer Wirtschaftsdelegation, zu der unter anderem Manager von Siemens Energy, HENSOLDT, Diehl Defence und Quantum Systems gehörten. Rheinmetall und RENK wurden dabei nicht genannt. Nach Angaben der ukrainischen Regierung schloss Kiew mit HENSOLDT einen Vertrag über Satellitentechnik.
Rheinmetall und RENK ebenfalls mit Ukraine-Bezug
Ohne Ukraine-Bezug sind auch die beiden anderen Rüstungskonzerne am deutschen Parkett nicht. Rheinmetall hat sein Geschäft mit dem Land im Sommer Schritt für Schritt ausgebaut und mehrere Aufträge für 155-mm-Artilleriemunition gemeldet. Den größten erteilte die Ukraine am 30. Juni selbst, mit einem Volumen im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich und einem Abschluss der Lieferungen bis zum ersten Quartal 2027. Mitte Juli folgten erstmals Geschosse aus dem neuen Werk in Unterlüß.
RENK hatte im Oktober 2025 ein Service Support Agreement mit der Ukraine abgeschlossen, ein Volumen nannte der Getriebehersteller nicht. Neue Abschlüsse rund um den Kanzlerbesuch haben beide Konzerne bislang nicht bekannt gegeben, damit fehlt ihnen der konkrete Aufhänger, der HENSOLDT trägt.
HENSOLDT mit langer Ukraine-Historie
Auch HENSOLDT ist in der Ukraine kein Neuling. Im Mai 2024 kündigte das Unternehmen sechs zusätzliche TRML-4D-Radare für die ukrainische Luftverteidigung an, Volumen mehr als 100 Millionen Euro. Im Juni folgte eine strategische Partnerschaft mit dem ukrainischen Hersteller Fire Point, um die Radare in das Flugabwehrsystem Freyja zu integrieren.
Operativ läuft es: Im ersten Halbjahr 2026 verdoppelte sich der Auftragseingang auf 2,81 Milliarden Euro, der Auftragsbestand überstieg erstmals 10 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 23,6 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro. Die Prognose für 2026 bestätigte HENSOLDT mit rund 2,75 Milliarden Euro Umsatz.
Entscheidend wird, ob HENSOLDT den Satellitenvertrag selbst bestätigt und beziffert. Bei Rheinmetall und RENK richtet sich der Blick darauf, ob aus den deutschen Hilfsmitteln neue Bestellungen folgen.
Claudia Stephan, Julia Walter, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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Bildquellen: HENSOLDT
