AMD-Aktie drehen ins Plus: Milliardenschwere KI-Partnerschaft mit Anthropic vereinbart
Ein Milliardendeal mit Anthropic soll AMD eigentlich beflügeln, doch die Aktie reagierte zeitweise anders als gedacht.
Werte in diesem Artikel
- AMD und Anthropic vereinbaren KI-Partnerschaft über bis zu zwei Gigawatt
- AMD investiert bis zu 5 Milliarden US-Dollar in Anthropic
- Anleger reagieren besorgt, Aktie fällt
Zur Wochenmitte verkünden AMD und KI-Pionier Anthropic eine milliardenschwere Partnerschaft. Der strategische Schulterschluss sieht den Einsatz von bis zu zwei Gigawatt an GPUs der AMD Instinct MI450-Serie sowie eine milliardenschwere Kapitalbeteiligung vor.
Vor dieser Ankündigung scheinen Anleger zunächst zurückzuschrecken, im US-Handel sah sich die Aktie zunächst einem roten Vorzeichen ausgesetzt. Zuletzt ging es jedoch um 2,2 Prozent nach oben auf 556,42 US-Dollar.
Für den Markt war der Verlust eine ungewöhnliche Reaktion auf eine Nachricht, die auf den ersten Blick nach einem klaren Wachstumssignal für den Chipkonzern aussieht.
Zwei Gigawatt Rechenleistung als Kern der Partnerschaft
Laut der heute veröffentlichten gemeinsamen Mitteilung will Anthropic in den kommenden Jahren bis zu zwei Gigawatt an GPU-Kapazität der neuen AMD Instinct MI450 Serie einsetzen. Die erste Tranche im Umfang eines Gigawatts soll bereits in der ersten Jahreshälfte 2027 in Betrieb gehen. Konkret handelt es sich um MI455X Beschleuniger in AMD Helios Racksystemen, kombiniert mit EPYC Prozessoren der Generation Venice, Pensando Netzwerktechnik und der ROCm Software. Der Schritt baut auf dem bestehenden Einsatz von AMD Instinct MI355X GPUs bei Anthropic auf und markiert damit eine deutliche Ausweitung der bisherigen Zusammenarbeit beider Unternehmen.
Fünf Milliarden Dollar und ein Gegengeschäft mit Claude
Neben der Hardwarebestellung hat sich AMD laut eigenen Angaben verpflichtet, künftig eine strategische Kapitalbeteiligung von bis zu 5 Milliarden US-Dollar an Anthropic einzugehen. Im Gegenzug starten beide Unternehmen eine mehrjährige technische Zusammenarbeit: Anthropics KI-Modell Claude soll Arbeitslasten für AMD Instinct Chips optimieren und die Entwicklung der ROCm Software beschleunigen. AMD wiederum will Claude unternehmensweit in seinen Technik- und Produktentwicklungsteams einsetzen. Damit verknüpfen beide Konzerne den milliardenschweren Hardwareauftrag direkt mit einer engeren Softwarepartnerschaft, was die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Chiphersteller und KI-Anbieter erhöht.
Der Deal war an der Wall Street schon vor der offiziellen Bestätigung Thema
Bereits am 21. Juli 2026 hatte das Wall Street Journal berichtet, AMD habe mit Anthropic einen Auftrag über zweistellige Milliardenbeträge für KI-Server abgeschlossen und werde bis zu 5 Milliarden US-Dollar investieren, wie Reuters unter Berufung auf den Bericht schrieb. Nach Einschätzung von Branchenvertretern, auf die sich Reuters beruft, kann allein ein Gigawatt an Rechenleistung, das ausreicht, um rund 750.000 US-Haushalte mit Strom zu versorgen, in der Größenordnung von 50 Milliarden US-Dollar kosten.
Anthropic will die Chips demnach sowohl in eigenen Rechenzentren als auch über geleaste Kapazitäten bei Cloud-Anbietern nutzen. Für AMD ist der Deal ein wichtiger Etappensieg im Wettbewerb mit NVIDIA um die Vorherrschaft im KI-Hardwaremarkt und erweitert den Kreis der großen KI-Kunden des Unternehmens.
Konzernspitzen betonen langfristige Weichenstellung
AMD-Chefin Lisa Su ordnete die Vereinbarung als Vertiefung der Partnerschaft mit Anthropic ein und sprach von Helios als künftig zentraler Plattform für die nächste Generation der KI-Infrastruktur. Wörtlich erklärte sie in der Pressemitteilung: "Gemeinsam werden wir die KI-Einführung in großem Maßstab beschleunigen." Anthropics Chief Compute Officer Tom Brown betonte seinerseits, der Zugang zu Rechenleistung sei entscheidend, um Claude an der Spitze der Entwicklung zu halten und die Nachfrage der Kunden zu bedienen. Die Partnerschaft mit mehreren Hardwareanbietern erlaube es Anthropic zudem, Arbeitslasten gezielt auf die jeweils passende Technik zu verteilen.
AMD-Aktie: Worauf Anleger jetzt achten sollten
Anleger dürften nun vor allem verfolgen, ob die erste Tranche wie angekündigt in der ersten Jahreshälfte 2027 tatsächlich an den Start geht. Die Investitionszusage von AMD ist laut Mitteilung ausdrücklich erst für die Zukunft vorgesehen und damit nicht sofort bindend, während der geplante GPU-Rollout von einer pünktlichen Umsetzung ab 2027 abhängt. Verzögerungen bei Lieferung, Kapitalzusage oder Nachfrage könnten die aktuelle Kursreaktion noch verstärken.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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