Mensch statt KI am Telefon: Metas 'Muse'-Experiment sorgt für Wirbel - was Aktienanleger wissen müssen
Mehr als 2,5 Millionen Downloads verzeichnete der KI-Agent Muse seit seinem Start, doch intern sorgt ein Testlauf mit menschlichen Anrufern für Diskussionen.
Werte in diesem Artikel
- Mitarbeiter kritisieren fehlende Offenlegung beim Anruftest
- Meta rollt die Testfunktion vorerst wieder zurück
- Analysten heben ihre Kursziele für die Meta-Aktie weiter an
Meta steht laut einem Reuters-Exklusivbericht vor einem Datenschutz-Dilemma bei seinem neuen KI-Agenten Muse: Menschliche Auftragnehmer übernehmen testweise einen Teil der Telefonanrufe, die der Assistent eigentlich autonom erledigen soll. Meta rollte die Funktion nach interner Kritik vorerst zurück. Die Aktie reagierte darauf mit Gewinnen. Im NASDAQ-Handel stieg die Meta-Aktie letztlich um 1,02 Prozent auf 744,10 US-Dollar.
Menschliche Anrufer hinter Muse
Reuters berichtete am Dienstag unter Berufung auf interne Firmenposts, dass Meta, der Facebook- und Instagram-Mutterkonzern, einen "menschlichen Concierge" für Muse getestet habe. Auftragnehmer übernehmen dabei einen Teil der Anrufe, die der Agent im Auftrag der Nutzer führt, etwa um Termine zu buchen oder Verfügbarkeiten zu prüfen. Meta hatte die Telefonfunktion erst kurz zuvor öffentlich gestartet und Mitarbeiter über den parallel laufenden Concierge-Test informiert; bereits im August 2026 ließ der Konzern eigene Mitarbeiter die Funktion testen, bevor sie schrittweise an Muse-Nutzer ausgerollt wurde. Für den Test aktivierte Meta die Funktion für die Hälfte der Belegschaft, mit Opt-out-Möglichkeit für alle, die nicht teilnehmen wollten.
Muse führt seit seinem Debüt am 8. September die US-Downloadcharts an; kamen seither mehr als 2,5 Millionen Downloads zusammen. Der Agent soll eigenständig Aufgaben wie Terminbuchungen, Einkäufe oder E-Mails erledigen, abgesichert durch die virtuelle Maschine Muse Secure VM.
Sicherheitsversprechen unter Druck
Mehrere Mitarbeiter äußerten laut dem Bericht jedoch Datenschutzbedenken, weil sensible Informationen unbeabsichtigt an Callcenter-Auftragnehmer weitergegeben werden könnten; ein Mitarbeiter warnte intern: "Es ist mir ein Rätsel, warum wir glauben, dass diese Funktion das Risiko wert ist. Wir sind nur einen Fehler davon entfernt, dass unnötige Informationen an menschliche Anrufer weitergegeben werden." Ein weiterer Mitarbeiter berichtete von einem Transkript, in dem ein menschlicher Anrufer während eines Gesprächs mit einem Internet- und Kabelanbieter eine rassistische Bemerkung gemacht habe. Eine Vizepräsidentin aus Metas Superintelligence-Labs-Einheit räumte ein, der Test ohne angemessene Offenlegung sei "ein Fehler" gewesen, und erklärte, das Feature sei vorerst zurückgerollt worden; menschliche Anrufe könnten die Erfolgsquote laut ihr auf 95 bis 98 Prozent steigern, deutlich über der Quote rein KI-gestützter Anrufe.
Ein Meta-Sprecher bezeichnete die Mitarbeiterreaktion als überwiegend positiv und betonte, man arbeite mit Händlern zusammen und werde die Funktion erst mit entsprechenden Offenlegungen ausrollen. Der Vorgang erinnert an das Facebook-Experiment "M" aus dem Jahr 2015, bei dem Medienberichten zufolge rund 70 Prozent der Aufgaben tatsächlich von Menschen erledigt wurden.
Was das für Anleger der Meta-Aktie bedeutet
Für Anleger überwiegt derzeit klar die Wachstumsstory rund um Muse. Die Wall Street hat ihre Erwartungen in den vergangenen Tagen deutlich nach oben geschraubt. Zuletzt erhöhte Jefferies sein Kursziel für das Papier.
Wells Fargo hob das Kursziel für die Meta-Aktie von 640 auf 796 US-Dollar an und bestätigte das Votum "Overweight". Analyst Ken Gawrelski verwies dabei auf die rasante Verbreitung des KI-Agenten, der laut SensorTower-Daten am 19. September mit 264.000 US-Downloads einen Tagesrekord aufstellte.
Die Euphorie spiegelt sich zudem bereits im Kurs wider: Am Montag sprang die Meta-Aktie um mehr als 11 Prozent auf 741,25 US-Dollar und verbuchte damit den größten Tagesgewinn seit April 2025. Zudem rechnet Wells Fargo im dritten Quartal laut investing.com mit einer Belastung von rund 10 Milliarden US-Dollar durch einen Rechtsvergleich und kappte deshalb die Schätzung für das operative Ergebnis 2026 um 12 Prozent.
Der Concierge-Test berührt zudem einen empfindlichen Punkt: Das Geschäftsmodell von Muse beruht darauf, dass Nutzer dem Agenten sensible Daten und Aufgaben anvertrauen. Sollte der Eindruck entstehen, dass Meta dabei nicht transparent agiert, könnten Vertrauensverlust und regulatorischer Gegenwind den Erfolg der App bremsen. Dass der Konzern die Funktion rasch zurückgenommen hat und Offenlegungen vor einem breiten Rollout zusagt, begrenzt das Risiko vorerst. Anleger dürften nun genau verfolgen, welche weiteren Details Meta zu Muse und zur Monetarisierung liefert.
Evelyn Schmal, Bettina Schneider, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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