BVB-Aktie im Minus: Vereine laut Sportchef Ricken bei DFB-Wende mehr in der Pflicht als Klopp
Der frühere Nationalspieler Lars Ricken sieht nach der erneut verkorksten Weltmeisterschaft besonders die Bundesliga-Vereine in der Pflicht.
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Jürgen Klopp als wahrscheinlich künftiger Bundestrainer sei zwar das "Rundum-Problemlöser-Paket", doch könne er alleine nicht Heilsbringer des deutschen Fußballs sein, sagte der Sportchef von (Borussia Dortmund am Rande des BVB-Trainingsauftakts.
"Der Nationaltrainer ist dafür verantwortlich, dass die Spieler, die er zur Verfügung hat, das maximale Ergebnis rausholen", führte Ricken aus. "Für die Ausbildung der Spieler kann der DFB natürlich gewisse Leitplanken vorgeben. Aber letztendlich sind wir als Vereine dafür verantwortlich und in der Pflicht, die Spieler so auszubilden, dass sie auch bei einer Weltmeisterschaft den Unterschied machen."
Ricken: Kann Diskussion über Qualität der Spieler verstehen
Auch der Vize-Weltmeister von 2002 war angesichts des deutschen Ausscheidens bereits im Sechzehntelfinale gegen Paraguay erschüttert. "Das Abschneiden unserer Nationalmannschaft ist alles andere als zufriedenstellend. Ich war selber beim Spiel gegen die Elfenbeinküste. Wenn wir da verloren hätten, wäre es jetzt auch nicht unverdient gewesen", sagte Ricken weiter.
Nach dem 7:1 gegen Curaçao zum Auftakt hatte die DFB-Elf gegen die Elfenbeinküste glücklich 2:1 gewonnen und danach im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador 1:2 und in der ersten K.o.-Runde gegen Paraguay im Elfmeterschießen verloren. "Ich kann schon auch die Diskussion über die Qualität der Spieler nachvollziehen", meinte Ricken. "Du solltest als Deutschland, egal wer dann da auf dem Platz steht, gegen Ecuador und Paraguay gewinnen."
Der bisherige Bundestrainer Julian Nagelsmann war nach dem erneuten WM-Fiasko zurückgetreten. Nachfolger soll der frühere Dortmunder Trainer Klopp werden. "Was bringt er mit? Autorität, Erfahrung, natürlich auch Aufbruchstimmung und Wucht, auch eine gewisse Klarheit", sagte Ricken. "Das wird uns, glaube ich, extrem guttun. Das bekommen wir alles, aber damit bekommen wir noch keinen Sieg. Wir stehen da mehr in der Pflicht als der Bundestrainer."
BVB startet ohne konkretes Ziel - Ricken erwartet Transfers
Ambitioniert, aber unfertig: Borussia Dortmund ist mit noch einigen Fragezeichen in die Vorbereitung auf die neue Bundesliga-Saison gestartet. Aufgefüllt mit U19-Spielern und noch ohne etliche WM-Fahrer oder verletzte Leistungsträger bat Fußballtrainer Niko Kovac am Dienstag bei 30 Grad nach zwei Tagen Leistungsdiagnostik zur ersten Einheit nach der WM-bedingten langen Pause.
"Ich spüre bei allen eine große Vorfreude. Es waren für alle sieben, acht Wochen Pause. Daran sollte man sich nicht gewöhnen. Das werden sie nicht mehr haben. Endlich geht's los", mahnte BVB-Sportchef Lars Ricken und kündigte an: "Natürlich wollen wir jetzt auch den nächsten Schritt machen" - ohne "direkt die Meisterschaft auszurufen".
Ricken ein Freund von "beweglichen Zielen"
Was das konkret bedeutet, konnte oder wollte der gerade 50 Jahre alt gewordene Geschäftsführer nicht verraten. "Ich bin ein Freund von beweglichen Zielen. Wir haben heute das erste Training und es sind auch beileibe noch nicht alle da", merkte Ricken an. "Die Ziele werden wir mit der Mannschaft zusammen besprechen."
Zuvor hatte sich bereits BVB-Boss Carsten Cramer bemüht, einerseits so ambitioniert wie möglich und dabei wenig konkret zu sein. "Immer, immer, immer, immer besser zu werden. Wir haben gesehen, was wir können, sicherlich aber auch noch nicht alle unsere Potenziale gehoben, das sehen wir ganz selbstkritisch", hatte Cramer im "Kicker" gesagt: "Also gehen wir die Saison an, ohne schon einen Tabellenplatz auszugeben."
Adeyemi-Wechsel könnte andere Transfers beschleunigen
Das Problem für alle Beteiligten ist der unfertige Kader. Der neue Sportdirektor Ole Book hatte gehofft, zum Trainingsauftakt noch zwei gestandene Offensivakteure präsentieren zu können. Bisher wurden für zusammen rund elf Millionen Euro die Perspektivspieler Kaua Prates (18) aus Brasilien und Justin Lerma (18) aus Ecuador sowie für knapp 20 Millionen Euro Innenverteidiger Joane Gadou (19) von RB Salzburg verpflichtet. "Wir nehmen uns die Zeit, um am Ende die Spieler zu verpflichten, die uns dann auch verbessern", sagte Ricken dazu.
Laut übereinstimmenden Medienberichten sind die Dortmunder am ebenfalls erst 18 Jahre alten Konstantinos Karetsas von KRC Genk in Belgien dran. Das Offensivtalent könnte Julian Brandt ersetzen, der noch keinen neuen Verein gefunden hat. Womöglich würde die Finalisierung des angestrebten Verkaufs von Karim Adeyemi zum FC Barcelona die Transferaktivitäten des BVB beschleunigen. Adeyemi, der ebenso wie Kjell Wätjen (zum FC Midtylland) schon nicht mehr zum Trainingsauftakt kommen musste, soll den Dortmundern gut 20 Millionen Euro plus Boni einbringen.
Ricken will "Kader, der besser und stärker ist"
Über die Abgänge Brandt, Niklas Süle und Adeyemi sagte Ricken, dass sie in der letzten Saison "am Ende dann auch nicht mehr die Unterschiedsspieler" waren. Der Druck liegt nun bei Book, neue Unterschiedsspieler zu finden. "Wir wollen ein, zwei, drei wirklich gute Transfers machen. Wir wollen aber die richtigen Transfers machen. Und nicht irgendwelche Transfers, wo wir mal kurzfristig Applaus kriegen und im November haben wir auf einmal das Problem: Waren das wirklich die richtigen?", befand Ricken. "Ich bin überzeugt davon, dass uns das bis zum Ende der Transferperiode gelingen wird, einen Kader zu haben, der besser und stärker ist als letzte Saison."
Gleichzeitig gab es auch eine Ricken-Ansage an die in der vergangenen Saison verpflichteten Jobe Bellingham, Carney Chukwuemeka und Fábio Silva und eine klare Forderung: "Ich glaube, die werden besser und das ist auch unsere Erwartung, dass die auch den nächsten Schritt machen."
Trainer Kovac steht vor der bei einem Spitzenclub normalen Herausforderung, die Leistungsträger nach der WM zu unterschiedlichen Zeitpunkten integrieren zu müssen. Die deutschen Nationalspieler sollen bis auf den schwer am Sprunggelenk verletzten Nico Schlotterbeck zur Asienreise (26. Juli bis 2. August) wieder einsteigen. Die gerade erst mit der Schweiz und Norwegen ausgeschiedenen Gregor Kobel und Julian Ryerson stoßen danach dazu.
Schlotterbeck-Comeback frühestens im Herbst
Wann Schlotterbeck wieder fit ist, ist noch unklar. "Das wird noch ein paar Wochen dauern. Das muss man ehrlicherweise sagen", meinte Ricken. Ob es vor oder nach der ersten Länderspielpause passieren werde, hänge vom Heilungsverlauf ab. Das wäre dann frühestens im September und womöglich erst im Oktober. Bei Kapitän Emre Can wird es nach dessen Kreuzbandriss noch länger dauern.
Neben den offenen Fragen zum Kader dürfte die Dortmunder auch die Zukunft von Kovac und BVB-Boss Cramer beschäftigen. Bei beiden läuft der Vertrag im kommenden Sommer aus. Bei beiden läuft aktuell wohl alles in Richtung einer Verlängerung. "Da wächst wirklich ein tolles Team zusammen", sagte Ricken im Hinblick auf Cramer, Kovac und Sportdirektor Book. "Das ist eine Gemeinschaft."
Via XETRA verliert die BVB-Aktie zeitweise 0,49 Prozent auf 3,045 Euro.
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DORTMUND (dpa-AFX)
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