Bilfinger-Aktie bricht heftig ein: Industriedienstleister senkt Prognose und plant Sparprogramm
Der Industriedienstleister Bilfinger kämpft wegen des anhaltenden Kriegs im Nahen Osten weiter mit einer mauen Nachfrage.
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Die Entwicklung im zweiten Halbjahr blieb bislang hinter den Erwartungen zurück. Die Mannheimer senken daher ihre Prognose für das laufende Jahr und setzen ein Sparprogramm auf. Bis zu 1.500 der weltweit rund 31.000 Stellen stehen zur Disposition, wie das Unternehmen am Mittwochabend mitteilte. Am Donnerstag ging es für die Aktie steil bergab.
Bilfinger-Aktie bricht kräftig ein: Tiefster Stand seit April 2025
Das im MDAX der mittelgroßen Unternehmen notierte Papier brach zum XETRA-Schluss um 21,44 Prozent auf 59,35 Euro ein. Ein Händler nannte die Prognosesenkung eine "sehr ernste Warnung".
Ohnehin steht der Aktienkurs angesichts der anhaltend flauen Geschäftsentwicklung bei Bilfinger seit Monaten unter Druck, nachdem er noch im Februar bei gut 129 Euro ein Rekordhoch erreicht hatte. Inzwischen beläuft sich der Kursverlust seit dem Jahreswechsel aber auf fast die Hälfte. Allerdings ist der Kurs der Aktie binnen drei Jahren immer noch um mehr als 70 Prozent gestiegen.
Experten sprachen von einer "bitteren" oder "massiven Gewinnwarnung", die angesichts des anhaltenden Kriegs im Nahen Osten vom Unternehmen mit einer weiterhin mauen Nachfrage begründet wurde. Die zuvor avisierte Erholung im zweiten Halbjahr bleibe aus, betonte Deutsche Bank-Analyst Michael Kuhn. Dennoch hat Deutsche Bank Research die Einstufung für Bilfinger mit einem Kursziel von 125 Euro auf "Buy" belassen. Ein Börsianer schrieb, viele Kunden verschöben weiter ihre Investitionsentscheidungen - insbesondere in Mitteleuropa. Chaima Ferrandon von der Investmentbank Oddo BHF stufte die Aktien angesichts der unklaren Perspektiven von "Outperform" auf "Neutral" ab.
Umsatzprognose deutlich zusammengekürzt
Wie Bilfinger mitteilte, rechnet der Vorstand um Chef Thomas Schulz im laufenden Jahr nun mit einem Umsatz von 5,3 bis 5,7 Milliarden Euro. Zuvor hatte der Industriedienstleister 5,4 bis 5,9 Milliarden erwartet. Für die Marge des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Ebita) erwartet das Management jetzt 3,2 bis 3,6 Prozent. Darin enthalten sind Einmalkosten für das geplante Sparprogramm. Ohne diesen Posten dürfte die Marge bei 4,6 bis 5,0 Prozent liegen.
Der Deutsche-Bank-Experte Kuhn verwies auf einen geringeren Abruf von Dienstleistungen aus Rahmenverträgen und weitere Verzögerungen bei Wartungs- und Investitionsarbeiten. Eine geringe Personalauslastung belaste die Margen, genauso wie das Fehlen komplexerer und höherwertiger Aufträge. Ein Börsianer geht davon aus, dass die Konsensschätzungen für das operative Ergebnis auf bereinigter Basis um ein Fünftel gekürzt werden.
Kuhn berichtete etwas später noch von einer Telefonkonferenz mit näher spezifizierten Aussagen. Demnach verschöben Kunden ihre Entscheidungen von Monat zu Monat, ohne dass es zu nennenswerten Stornierungen komme. Als Grund würden hohe Energiekosten und das schwer planbare wirtschaftliche Umfeld genannt. Kunden zögerten nach absolvierten Vorplanungen und Genehmigungsverfahren mit dem Übergang zur Umsetzung.
Kuhn liest aus den Bilfinger-Aussagen heraus, dass der Bedarf für die vorgesehenen Arbeiten weiterhin besteht oder sogar noch zunimmt, aber dass die Aktivität in diesem Jahr nicht mehr ausreichend anziehen wird, um die Verzögerungen noch auszugleichen. Für das Geschäftsjahr 2027 gehe das Management dann aber wieder von einer Normalisierung aus.
Ausblick schon nach Halbjahreszahlen eingetrübt
Die Bilfinger-Spitze war bereits bei der Vorlage der Halbjahreszahlen im August vorsichtiger geworden und hatte für die Marge nur noch das untere Ende von 5,8 bis 6,2 Prozent in Aussicht gestellt. Von Bloomberg befragte Analysten hatten zuletzt im Schnitt mit 5,65 Prozent gerechnet. Das Unternehmen senkte auch die Prognose für den freien Mittelzufluss.
Die Geschäftsentwicklung im zweiten Halbjahr sei normalerweise saisonal von einer starken Dynamik geprägt, so Bilfinger. Im laufenden dritten Quartal hielten sich die Kunden aber immer stärker zurück. Diese mache sich sowohl bei der Vergabe von Neuaufträgen als auch beim Abruf von Leistungen aus bestehenden Rahmenverträgen bemerkbar. Vor allem in Hochlohnländern führe dies zu einer anhaltenden Unterauslastung. Negativ wirke sich auch ein ungünstiger Produktmix auf die Ertragslage aus.
Sparmaßnahmen sollen Situation entschärfen
Der Konzern will nun mit einem Sparprogramm gegensteuern. Im Zentrum der Maßnahmen stünden die weitere Bündelung von Ressourcen, die Anpassung von Kapazitäten an veränderte Marktbedingungen sowie der Aufbau einer globalen Shared-Services-Organisation. Diese Maßnahmen seien bereits Teil der Strategie von Bilfinger und würden jetzt vorgezogen. Weltweit könnten davon bis zu 1.500 Stellen betroffen sein. Alle Schritte würden eng mit den Sozialpartnern abgestimmt.
Das Programm soll sich ab 2027 positiv auf die Geschäftsentwicklung auswirken. Ab 2028 soll es seine volle Kraft entfalten. Bilfinger will dann jährlich 75 Millionen Euro sparen. Für die Umsetzung der Maßnahmen bildet der Konzern im vierten Quartal 2026 Rückstellungen von rund 75 Millionen Euro.
An ihren Mittelfristzielen hält die Konzernführung fest. Hiermit steht unverändert bis 2030 ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von acht bis zehn Prozent auf der Agenda. Die bereinigte operative Marge soll sich in dieser Zeit auf acht bis neun Prozent verbessern - und damit deutlich über dem für dieses Jahr angepeilten Wert liegen.
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Bildquellen: Bilfinger SE
