Angriff auf NVIDIA: AMD startet die nächste KI-Offensive und die Aktie baut ihre Gewinne aus
AMD greift NVIDIA mit dem neuen KI-Rack-System Helios auf einer weiteren Ebene an. Microsoft zählt bereits zu den ersten Kunden.
Werte in diesem Artikel
- AMD bringt mit Helios sein erstes komplettes KI-Rack-System gegen NVIDIA
- Microsoft nutzt Helios künftig, neben Meta, OpenAI und Oracle
- Bank of America sieht den Wettbewerb zunehmend auch bei Server-CPUs
AMD fordert NVIDIA nicht mehr nur bei einzelnen Chips heraus, sondern gleich auf zwei neuen Ebenen: bei kompletten KI-Rack-Systemen und bei der Frage, welche Kennzahl künftig über den Erfolg von KI-Infrastruktur entscheidet.
So reagiert die AMD-Aktie
Die AMD-Aktie, die im bisherigen Jahresverlauf bereits ein sattes Kursplus von 152 Prozent erzielt hat, legt vorbörslich an der NASDAQ zeitweise um 0,11 Prozent auf 540,31 US-Dollar zu. Die NVIDIA-Aktie hat 2026 eine deutlich weniger erfolgreiche Bilanz, hier ging es seit Jahresbeginn nur um rund zwölf Prozent aufwärts. Vorbörslich zeigt sich am Donnerstag ein leichtes Minus von 0,61 Prozent auf 207,49 US-Dollar.
Helios: AMDs erstes komplettes KI-Rack-System
Mit Helios bringt AMD nach eigenen Angaben sein erstes vollständig integriertes Rack-System für Künstliche Intelligenz an den Start und tritt damit erstmals seit Jahren direkt gegen NVIDIAs Systeme Grace Blackwell und Vera Rubin an. Microsoft kündigte an, Helios in seinen Rechenzentren einzusetzen, und reiht sich damit neben Meta, OpenAI und Oracle als Kunde ein. Die ersten Systeme sollen laut AMD noch in diesem Jahr an Kunden ausgeliefert werden, finanzielle Details zu den jeweiligen Vereinbarungen wurden nicht genannt. Laut Schätzungen der Marktforscher von Futurum Group, auf die sich CNBC beruft, kostet ein Helios-Rack rund 5 bis 5,5 Millionen US-Dollar und liegt damit über den geschätzten 3,5 bis 4 Millionen US-Dollar für NVIDIAs Vera-Rubin-System.
Der Streit um die richtige Kennzahl
Parallel dazu verschiebt sich die Konkurrenz auch auf die Ebene der Bewertungsmaßstäbe. Benzinga zufolge verweist die US-Bank Bank of America in einer Analystenstudie darauf, dass NVIDIA den Erfolg von KI-Infrastruktur bislang vor allem über die Geschwindigkeit einzelner Rechenschritte definiere, während AMD stärker auf die Anzahl gleichzeitig laufender KI-Agenten pro Rack setze. Nach Modellrechnungen von AMD soll die kommende Server-CPU-Plattform EPYC Venice unter bestimmten Annahmen einen rund 3,3-fach höheren Rack-Durchsatz erreichen als NVIDIAs Vera-Referenzsystem. Bank of America-Analyst Vivek Arya sieht darin ein zentrales Zukunftsthema für die Branche und bewertet NVIDIA weiterhin mit Kaufempfehlung.
Was das für die Wettbewerbssituation bedeutet
An NVIDIAs Marktposition ändert das kurzfristig wenig: Der Konzern kontrolliert nach Branchenschätzungen weiterhin mehr als 95 Prozent des Markts für Rechenzentrums-Grafikchips. Bemerkenswert ist trotzdem, dass sich der Wettbewerb nicht mehr allein auf einzelne Chip-Generationen beschränkt, sondern gleichzeitig auf der Ebene kompletter Systeme und auf der Ebene der Bewertungsmethodik ausgetragen wird. Für Anleger heißt das: Ob AMD tatsächlich Marktanteile gewinnt, dürfte sich weniger an einzelnen Ankündigungen als an der Frage entscheiden, welche Kennzahl sich bei den großen Cloud-Anbietern als Standard durchsetzt.
Claudia Stephan, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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