Amazon-Aktie im Fokus: Tech-Riese schließt Crowdsourcing-Dienst Mechanical Turk
Nach mehr als zwei Jahrzehnten zieht Amazon den Stecker bei einem Dienst, der einst als Blaupause für digitale Kleinstarbeit galt.
Werte in diesem Artikel
- Ein 2005 gestarteter Crowdsourcing-Dienst von Amazon läuft endgültig aus
- Jeff Bezos prägte für das Projekt einst einen besonderen Namen
- Neue Datenlabeling-Anbieter machten der Plattform verstärkt Konkurrenz
Amazon schließt seinen seit 2005 betriebenen und damit 21 Jahre alten Crowdsourcing-Marktplatz Mechanical Turk endgültig. Der Online-Handels- und Cloud-Konzern begründet den Schritt mit einer internen Überprüfung seiner Programme und Dienste. Für die Amazon-Aktie ist der Rückzug aus dem Nischengeschäft ein Randthema, das dennoch einen Wandel im Umgang mit menschlicher Datenarbeit für KI-Training markiert.
Amazon beendet ein Kapitel der Crowdsourcing-Geschichte
Auf der Plattform-Website teilte Amazon mit, man habe nach einer Überprüfung entschieden, AWS Mechanical Turk zum 30. September zu schließen. Nutzer und Auftraggeber verwies der Konzern auf eine FAQ-Seite, um sich auf das Ende vorzubereiten.
Der Rückzug kommt nicht überraschend: Bereits am 30. Juli hatte Amazon Mechanical Turk für neue Kunden geschlossen. Bestandskunden konnten den Dienst laut einer Mitteilung von Amazon Web Services weiter normal nutzen, neue Funktionen waren aber nicht mehr vorgesehen. AWS sprach von einer sorgfältigen Abwägung und kündigte an, weiter in Sicherheit und Verfügbarkeit zu investieren, ohne den Dienst funktional weiterzuentwickeln.
Von Bezos' künstlicher künstlicher Intelligenz zum Auslaufmodell
Mechanical Turk ging 2005 an den Start und vermittelte kleine digitale Aufgaben, sogenannte Human Intelligence Tasks, etwa Datenkennzeichnung, Audio- und Videotranskription oder Umfragen. Amazon-Gründer Jeff Bezos prägte für den Dienst den Begriff künstliche künstliche Intelligenz, weil Aufgaben an Menschen ausgelagert wurden, die Computer damals noch nicht zuverlässig lösen konnten. Die Bezahlung lag laut CNBC häufig im Centbereich pro Aufgabe. Auf dem Höhepunkt zählte die Plattform mehr als 500.000 Arbeiter.
Laut der Datenarbeiterin und Turkopticon-Organisatorin Krista Pawloski sei der Dienst in den Jahren vor der Schließung im Niedergang gewesen, berichtet CNBC. Amazon habe demnach zunehmend weniger Ressourcen in die Weiterentwicklung der Plattform gesteckt, während neue spezialisierte Datenlabeling-Anbieter wie Scale AI, Mercor und Prolific Arbeiter für das Training von KI-Modellen abgezogen hätten. Für das breite Amazon-Geschäft rund um den Onlinehandel und die Cloud-Sparte AWS blieb Mechanical Turk ein Nischengeschäft ohne bezifferten Umsatzbeitrag.
Amazon-Aktie: Analysten weiter überwiegend zuversichtlich
Unter 40 erfassten Analysten überwiegt mit 39 Kaufempfehlungen und nur einer Halteeinstufung ein klar positives Bild. Laut Daten von TipRanks liegt das mittlere Kursziel unter den erfassten Analysten bei 333 US-Dollar, die Spanne reicht von 250 bis 400 US-Dollar. Bank of America Securities-Analyst Justin Post bestätigte am gleichen Tag seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 320 US-Dollar.
Deutsche Bank-Analyst Benjamin Black hob sein Kursziel Ende Juli auf 325 US-Dollar von zuvor 315 US-Dollar an, Raymond James-Analyst Josh Beck erhöhte seine Vorgabe von 280 auf 390 US-Dollar, und Barclays-Analyst Ross Sandler hob sein Ziel von 330 auf 365 US-Dollar. Die drei Einstufungen lauten jeweils Buy.
Ob die Schließung von Mechanical Turk operative Spuren in kommenden Geschäftszahlen hinterlässt, dürfte sich frühestens beim nächsten Zahlentermin zeigen, der vorläufig für den 22. Oktober im Kalender steht. Bis zur endgültigen Abschaltung können Bestandskunden und Arbeiter den Dienst laut Amazon weiter nutzen, während sich der Wettbewerb um KI-Trainingsdaten zunehmend auf spezialisierte Anbieter verlagert.
Anleger reagieren auf die Schließung bisher kaum: Im NASDAQ-Handel am Mittwoch fällt die Amazon-Aktie zeitweise um leichte 0,49 Prozent auf 259,78 US-Dollar.
Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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