Robotaxi trägt Fantasie

Tesla-Aktie: Erholung real, Grundproblem ungelöst

27.05.26 16:31 Uhr

Tesla-Aktie an der NASDAQ: Comeback mit Haken | finanzen.net

Die operative Marge verdoppelt sich, der Umsatz steigt zweistellig - doch bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 200 gibt es fast keinen Spielraum für Fehler.

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Die Tesla-Aktie notiert Ende Mai 2026 rund 8 Prozent unter dem Jahresauftakt - dabei liefert der Konzern im ersten Quartal operativ bessere Zahlen als im Vorjahr. Die Lücke zwischen fundamentaler Erholung und Kursrealität zeigt, was Anleger wirklich beschäftigt: ob das Unternehmen die Wette auf autonomes Fahren rechtzeitig einlöst.

Zahlen besser als erwartet, aber Vergleichsbasis zählt

Tesla erzielt im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 22,4 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Einzuordnen ist das: Das erste Quartal 2025 war das schwächste Quartal des Unternehmens seit Jahren, geprägt vom Wegfall der US-Steuergutschrift und einem Nachfrageeinbruch. Gemessen an dieser niedrigen Vergleichsbasis wirken die Zuwächse weniger dynamisch, als sie zunächst erscheinen. Der Nettogewinn liegt bei 477 Millionen US-Dollar, die operative Marge steigt auf 4,2 Prozent, nach 2,1 Prozent im Vorjahresquartal. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2024 lag der Nettogewinn noch bei 1,13 Milliarden Dollar. Die Erholung ist real, die Ausgangsbasis bleibt bescheiden.

Energiespeicher enttäuscht, Robotaxi trägt die Fantasie

Nach einem Rekord von 14,2 GWh im Vorquartal brechen die Energiespeicher-Installationen auf 8,8 GWh ein, ein Minus von 38 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ausgerechnet der Geschäftsbereich, der zuletzt als stabiler Gegenpart zum schwächelnden Autogeschäft galt, liefert damit die größte negative Überraschung des Quartals. Auf der anderen Seite des Bewertungsmodells steht das Robotaxi-Geschäft: Morgan-Stanley-Analyst Andrew Percoco bezeichnet die Skalierung der unbeaufsichtigten Robotaxi-Flotte als den zentralen Kurstreiber für 2026. Im April 2026 weitet Tesla den Robotaxi-Dienst auf Dallas und Houston aus, in Austin vergrößert das Unternehmen das Operationsgebiet. Weitere Städte in Arizona, Florida und Nevada befinden sich in der Vorbereitung.

Hohe Investitionen, negativer Cashflow bis 2028

Für 2026 erwarten Analysten einen negativen freien Cashflow von rund 9,4 Milliarden US-Dollar, für 2027 weitere 1,9 Milliarden, bevor Tesla 2028 wieder positiven Cashflow erzielen soll. Morgan Stanley bewertet die Aktie mit "Equal Weight" und einem Kursziel von 425 US-Dollar und warnt vor einem kurzfristigen Cash Burn von rund acht Milliarden Dollar. Der Kern des Autogeschäfts bleibt dabei eng: Model 3 und Model Y tragen fast das gesamte Volumen, auf beide Modelle entfallen 341.893 der 358.023 Auslieferungen im ersten Quartal. Modellbreite und geografische Diversifikation bleiben damit strukturelle Schwachstellen.

Wettbewerb und Bewertung als Bremsklötze für Tesla-Aktie

NIO meldet für das erste Quartal 2026 einen Auslieferungsanstieg von 98 Prozent auf 83.465 Fahrzeuge, XPeng liefert 62.682 Einheiten aus. In Europa hat BYD Tesla bei den monatlichen Verkaufszahlen bereits überholt. Für Anleger, die Tesla primär als Autobauer bewerten, ist das eine direkte Herausforderung. Wer das Unternehmen als Plattform für autonomes Fahren und Software-Abonnements einpreist, sieht das anders - muss aber akzeptieren, dass die Nettogewinnmargen laut Analysten erst bis 2030 auf rund 23 Prozent steigen sollen, getragen durch FSD-Abonnements, Robotaxi und den Roboter Optimus.

Der nächste belastbare Datenpunkt für die Autonomiethese ist die vollständige behördliche Zulassung für den unbeaufsichtigten Robotaxi-Betrieb in der EU und in China. Tesla peilt die Zulassung für einen flottenweiten Betrieb in China für das dritte Quartal 2026 an, während in der EU erste Genehmigungsschritte für die überwachte FSD-Version voranschreiten. Ob der Zeitplan hält, entscheidet maßgeblich darüber, ob die aktuelle Bewertung Substanz hat oder weiter unter Druck gerät.

Melanie Schürmann, Redaktion finanzen.net

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