Samsung-Aktie schwach: Rekordzahlen sorgen für Gewinnmitnahmen - auch SK hynix gibt kräftig nach
Samsung steuert im Zuge des anhaltenden KI-Booms weiter auf Rekordkurs - und verdiente im zweiten Quartal so viel wie nie zuvor.
Erneut fährt Südkoreas größter Konzern Rekordgewinne ein: Der Elektronikriese Samsung Electronics verdiente im zweiten Quartal operativ etwas mehr als 89 Billionen Won (rund 51 Mrd Euro) - so viel wie noch nie. Dies teilte der Konzern auf Basis vorläufiger Zahlen am Dienstag in Seoul mit. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das operative Ergebnis um das 19-Fache gestiegen. Es fiel zudem etwas höher als von Experten erwartet aus. Die in diesem Jahr bereits hervorragend gelaufene Aktie gab kräftig nach.
Samsung verbuchte drei Quartale in Folge den jeweils höchsten Wert in seiner Unternehmensgeschichte. Zum Vergleich: Der operative Gewinn für 2025 betrug nur knapp 44 Billionen Won, also weniger als die Hälfte des Ergebnisses im zweiten Quartal. Der Umsatz habe sich auf 171 Billionen Won mehr als verdoppelt. Den Nettogewinn sowie die Details, wie das Ergebnis zustande gekommen ist, veröffentlicht Samsung Ende Juli.
Der Grund für die rasant steigenden Profite ist der anhaltende Boom rund um Künstliche Intelligenz (KI). Weltweit ist die Nachfrage nach Rechenzentren sowie leistungsstarken Computer-Prozessoren regelrecht explodiert. Und sämtliche technische Geräte benötigen Speicherchips - jenem Segment also, in dem Samsung Electronics weltweit als Marktführer gilt. Da die Nachfrage die Produktionskapazitäten deutlich übersteigt, konnte Samsung zudem von den rasant gestiegenen Halbleiterpreisen zusätzlich profitieren.
Samsung-Aktie bricht ein
Umso überraschender erscheint zunächst die Reaktion der Märkte: Der Aktienkurs von Samsung Electronics ist am Dienstag bis Handelsschluss um 6,92 Prozent auf 296.000 Won eingebrochen. Zeitweise stand der Kurs gar rund 10 Prozent im Minus. Auch die Papiere des größten Konkurrenten SK hynix sackten im südkoreanischen Handel schließlich um 6,06 Prozent auf 2.201.000 Won ab.
Von Ende 2025 bis Mitte Juni hatte sich der Kurs der Samsung-Papiere mehr als verdoppelt, bevor zuletzt eine Korrektur einsetzte. Nach dem Rekordhoch von 380.000 Won vor zweieinhalb Wochen ging es schon vor den Eckdaten kräftig nach unten. Mit dem Minus vom Dienstag fiel der Kurs inzwischen um rund 22 Prozent.
Trotz des jüngsten Rückgangs kletterte der Börsenwert Samsungs im laufenden Jahr etwas mehr als 140 Prozent auf zuletzt umgerechnet rund eine Billion Euro zu. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich die Marktkapitalisierung fast verfünffacht.
Die Samsung-Aktien seien bereits so hoch bewertet gewesen, dass die Erwartungen kaum noch übertroffen werden konnten, stellte Marktbeobachter Stephen Innes fest. Der "erste KI-Stresstest" habe nun nicht geklappt.
Hinzukommt die von vielen Branchenbeobachtern geteilte Annahme, dass die KI-Investitionen, welche die Halbleiterindustrie antreiben, nicht auf ewig in einem derart rasanten Tempo weitergehen werden. Dementsprechend haben viele Investoren ihre Aktien verkauft, um Profite abzusichern.
Riesige Gewinne, doch auch riesige Investitionsausgaben
Nicht wenige Ökonomen sprechen gar vom ersten ernsthaften KI-Stresstest, der sich am Beispiel Samsung Electronics abspielen könnte: Trotz hervorragender Ergebnisse zeigen sich die scheinbar überhitzten Märkte enttäuscht - nicht zuletzt, weil die führenden KI-Unternehmen nach wie vor keine nachhaltigen Geschäftsmodelle vorgelegt haben, um angesichts der riesigen Investitionssummen entsprechende Renditen einfahren zu können.
Samsung steht zudem unter Druck durch den heimischen Konkurrenten SK Hynix, der im Zuge des KI-Booms sogar einen noch spektakuläreren Siegeszug hingelegt hat. Der Tech-Konzern mit Sitz in der südkoreanischen Stadt Icheon profitiert davon, dass er sich bereits früh auf die Entwicklung sogenannter HBM-Chips (High Bandwidth Memory) spezialisiert hatte - einer Technologie, die derzeit besonders gefragt ist. Längst gilt SK hynix als wichtigster Zulieferer von HBM-Chips für den US-Marktführer NVIDIA.
Im Juni hatte SK Hynix gar Samsung Electronics als wertvollstes südkoreanisches Unternehmen abgelöst - wenn auch nur kurz. Nach aktuellem Stand führt Samsung die Rangliste wieder an.
Trotz hoher Betriebsgewinne sind auch die Investitionsausgaben der Unternehmen riesig. Erst Ende Juni hatte Südkoreas Präsident Lee Jae Myung das wohl größte industriepolitische Projekt in der Geschichte des Landes vorgestellt. Demnach sollen Gelder im dreistelligen Milliardenbereich in die Chipproduktion, Rechenzentren und Robotik investiert werden. Im Zentrum steht ein umgerechnet rund 450 Milliarden Euro teures Halbleiter-Cluster im Südwesten des Landes, das mehrheitlich von Samsung Electronics und SK Hynix errichtet wird.
Rekordgewinne lösen Verteilungsdebatte aus
In Südkorea haben die extrem hohen Unternehmensgewinne der großen Halbleiterproduzenten Samsung Electronics und SK Hynix zudem zu einer öffentlich debattierten Verteilungsfrage geführt. Ende Mai nahmen Mitglieder der Samsung-Gewerkschaft einen Kompromissvorschlag des Managements an, der Jahresprämien von mehreren Hunderttausend Euro für jeden Mitarbeiter der hochprofitablen Halbleitersparte vorsieht. Zeitweise hatte Präsident Lee die Forderungen einiger Halbleitergewerkschaften als "exzessiv" kritisiert.
Während die Tech-Unternehmen des Landes von der anhaltenden KI-Nachfrage profitieren und hohe Löhne sowie Prämien zahlen, läuft es in anderen Industriezweigen Südkoreas derzeit eher durchwachsen. So ist die Arbeitslosenquote in der besonders betroffenen Altersgruppe unter 30 Jahren zuletzt deutlich gestiegen. Zudem wird befürchtet, dass der KI-Boom, von dem die südkoreanische Techbranche profitiert, gleichzeitig etliche Arbeitsplätze insbesondere im verarbeitenden Gewerbe überflüssig machen könnte.
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SEOUL (dpa-AFX)
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