Kräftiger Analysten-Dämpfer für die Telekom-Aktie: Dieser Titel wird zum neuem Branchenfavoriten
Bernstein stuft die Telekom-Aktie ab und senkt das Kursziel deutlich. Ein neuer Aktienfavorit steigt unterdessen in der Gunst der Analysten.
Werte in diesem Artikel
- Bernstein senkt die Einstufung für die Deutsche Telekom deutlich ab
- Unsicherheit um eine mögliche T-Mobile US-Fusion belastet die Bewertung
- Wachsender Wettbewerb im deutschen Breitbandgeschäft drückt aufs Sentiment
Bernstein hat die Deutsche Telekom-Aktie von der Einstufung Outperform auf Market-Perform zurückgestuft und das Kursziel deutlich gekappt. Als Gründe nennt das Analysehaus die Unsicherheit rund um eine mögliche Fusion mit der US-Tochter sowie zunehmenden Wettbewerbsdruck im deutschen Breitbandgeschäft.
Deutsche Telekom: Bernstein kappt Rating und Kursziel - Andere Aktie wird Top-Pick
Bernstein stufte die Deutsche Telekom-Aktie am Freitag von Outperform auf Market-Perform zurück und senkte das Kursziel von 37 auf 28,10 Euro. Die Experten begründeten den Schritt Investing zufolge mit der anhaltenden Fusionsunsicherheit bei T-Mobile US, verschärftem Wettbewerb im deutschen Festnetz-Breitbandgeschäft und einer neutralen Haltung des eigenen US-Teams gegenüber T-Mobile US.
Für Anleger ist auch der Vergleich mit anderen europäischen Telekomwerten interessant: Bernstein kürte die britische BT zum neuen Top-Pick des Sektors und hob deren Kursziel von 230 auf 235 Pence an. Tele2 wurde dagegen von Outperform auf Market-Perform zurückgestuft, bei Telia und Elisa blieb es bei Underperform.
T-Mobile US als Kern der Sorge
Die Beteiligung an T-Mobile US macht laut Bernstein-Berechnung rund 64 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des Bonner Konzerns aus. Eine vollständige Fusion würde der Deutschen Telekom zwar vollen Zugang zu den Wachstumsaussichten des US-Mobilfunkanbieters verschaffen, laut Bernstein sei aber fraglich, ob die Transaktion ausreichende industrielle Synergien liefern würde. Bei einer Übernahme der Minderheitsanteile mit 20 Prozent Prämie schätzt Bernstein eine Verwässerung der Alt-Aktionäre um rund 11 Prozent. Die früheren T-Mobile-US-Aktionäre kämen dann auf rund 42 Prozent am fusionierten Konzern.
Das eigene US-Team von Bernstein bewertet T-Mobile US mit Market-Perform und einem Kursziel von 220 US-Dollar. Als Begründung nennt das Haus unter anderem Fragen zur Nachhaltigkeit des langfristigen Wachstums, die Kapitalintensität des Glasfaserausbaus und die Verwundbarkeit von T-Mobile US im Bereich Fixed-Wireless-Access durch expandierende Satellitenanbieter. Die Fusionsgespräche waren im Sommer 2026 ins Stocken geraten, nachdem das Führungsteam der US-Tochter Ende Juli mitgeteilt hatte, den Zusammenschluss nicht mehr zu unterstützen.
Deutscher Wettbewerb und Analystenbild
Bernstein verwies zudem darauf, dass das deutsche Breitband-Umsatzwachstum im ersten Halbjahr 2026 auf 1,7 Prozent im Jahresvergleich gesunken sei, verglichen mit 4,5 Prozent im zweiten Halbjahr 2023. Alternative Netzbetreiber würden zunehmend aggressiver um Kunden und Netzauslastung konkurrieren, was den Druck auf das Festnetzgeschäft erhöhe. Die Deutsche Telekom reagiert darauf unter anderem mit bis zu 50 neuen oder umgestalteten Shop-Formaten bis 2027, um Kunden mit verfügbarem, aber noch nicht gebuchtem Glasfaseranschluss zu gewinnen.
Deutsche Telekom vor wichtigen Terminen
Am 5. Oktober steht für den deutschen Telekommunikationsriesen ein AI Investor Day an, ehe der Konzern am 5. November die Zahlen zum dritten Quartal vorlegt. Beide Termine dürften zeigen, ob die operative Entwicklung die Bedenken rund um Fusion und Wettbewerbsdruck relativieren kann.
Am Montag wagen sich Anleger aber zunächst nicht aus ihrer Komfortzone: Im XETRA-Handel zeigt sich die Deutsche Telekom-Aktie 0,3 Prozent schwächer bei 26,92 Euro um ihren Schlusskurs vom Freitag. Damit setzt sich die mittelfristige Richtungslosigkeit fort: Seit Jahresstart hat der Anteilsschein mit einem Minus von rund 2,5 Prozent in Summe bislang wenig Bewegung gezeigt.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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