Micron-Aktie zeitweise wieder über 1.000 Dollar: Wie tragfähig ist die Speicherchiprally?
Nach einem deutlichen Kurssprung steht die Micron-Aktie wieder über 1.000 Dollar, doch am Markt wächst die Frage, wie lange der Speicherchipboom noch trägt.
Werte in diesem Artikel
- Micron-Aktie schließt am Freitag erstmals seit mehr als 2 Wochen wieder über 1.000 Dollar
- Speicherchips liefern laut einem Analysten über die Hälfte der Chipumsätze
- Steigende DRAM- und NAND-Preise stützen den Ausblick
Mit einem Kurssprung von 6,1 Prozent schloss die Micron Technology-Aktie am Freitag im NASDAQ-Handel bei 1.016,59 US-Dollar und übersprang damit erstmals seit dem 17. August wieder die Marke von 1.000 Dollar. Getragen wurde die Bewegung von einer breiten Erholung im Speicherchipsektor, die sich am folgenden Handelstag in Asien fortsetzte, als die Wettbewerber SK hynix und Samsung deutlich fester notierten. Am Dienstag pendelte sich Micron knapp über der runden Marke ein und schloss bei 1.000,26 Dollar, ein Rückgang von 1,61 Prozent gegenüber dem Vortag. Es ist bereits der zweite Vorstoß über die Schwelle, nachdem die Aktie Ende Juli unter anderem im Zuge von Sorgen vor chinesischer Überkapazität deutlich zurückgefallen war.
Letztlich ging es für die Micron-Aktie im NASDAQ-Handel um 2,75 Prozent nach oben auf 1.027,77 Dollar, womit die 1.000-Dollar-Marke weiter hielt.
Kann die Micron-Aktie weiter steigen?
Das durchschnittliche Kursziel aus fünf aktuellen Analysen liegt bei rund 1.245 Dollar und damit etwa 22 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag. Die Einschätzungen gehen jedoch auseinander: Mitte August rief die Bank of America Micron zum Top Pick aus und sieht das Gewinnpotenzial bis zum Geschäftsjahr 2030 deutlich über dem aktuellen Analystenkonsens. Citigroup-Analyst Atif Malik senkte sein Kursziel dagegen bereits Anfang August von 1.400 auf 1.150 Dollar und rechnet mit einer nachlassenden Preisdynamik bei Speicherchips.
Warum Speicherchips den KI-Boom dominieren
Speicherchips haben sich laut Susquehanna-Analyst Mehdi Hosseini zur führenden Kraft der Halbleiterbranche entwickelt, und diese Position dürfte nach seiner Einschätzung aus einer Mitteilung an Kunden Bestand haben. Er beziffert den Speicheranteil laut MarketWatch am Branchenumsatz inzwischen auf 50 bis 55 Prozent, historisch lag der Wert bei 20 bis 30 Prozent, und verweist dabei auf Lieferdaten der Semiconductor Industry Association für Juli.
Warum aktuelle Preisdaten bei Speicherchips Micron helfen
Der anhaltende KI-Boom sorgt für eine sprunghafte Nachfrage nach Speicherchips, was die Preise in die Höhe treibt und die Halbleiterbranche von gravierenden Lieferengpässen prägt. Wie Hosseini betont, fällt das durchschnittliche Preiswachstum der gesamten Industrie ohne das Speichersegment deutlich moderater aus.
Nach Daten von WSTS (World Semiconductor Trade Statistics) stiegen die durchschnittlichen Verkaufspreise für DRAM im Juli gegenüber dem Vormonat um 6 Prozent, die Preise für NAND-Speicher legten um 9 Prozent zu. DRAM, das Kurzzeitspeicher für Computer und KI-Hardware liefert, macht laut Barron's rund drei Viertel des Micron-Umsatzes aus. Hosseini rechnet zudem mit einem sequenziellen Anstieg der Durchschnittspreise für DRAM um 50 Prozent im laufenden Quartal und weiteren 20 Prozent im vierten Quartal 2026, bei NAND-Speicher erwartet er ein Plus von 60 beziehungsweise 25 Prozent. Laut der südkoreanischen Nachrichtenseite Electronic Times will Micron zudem seine Fertigungskapazitäten für Hochleistungsspeicher HBM bis Jahresende verdoppeln, ein Format, das bei Chipherstellern wie NVIDIA stark nachgefragt ist.
Evelyn Schmal, Martina Köhler, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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