Kartellhammer gegen Konkurrent Trip.com - TUI setzt auf den Gegenentwurf
China verschärft seinen Kampf gegen marktbeherrschende Internetplattformen. Jetzt hat es den TUI-Konkurrenten Trip.com erwischt.
Werte in diesem Artikel
- China verhängt gegen Trip.com eine Strafe von rund 765 Millionen US-Dollar.
- Vorwurf ist ein Missbrauch der Marktmacht bei exklusiven Hotelverträgen.
- TUI baut seit 2023 gezielt ein eigenes Buchungsmodell für Hotels auf.
Chinas Wettbewerbsbehörde SAMR hat am Samstag gegen Trip.com eine der bislang größten Kartellstrafen im chinesischen Internetsektor verhängt. Wie Bloomberg berichtet, muss der Reisekonzern insgesamt 5,18 Milliarden Yuan zahlen, umgerechnet rund 765 Millionen US-Dollar. Die Behörde wirft Trip.com vor, seine dominante Stellung im chinesischen Online-Hotelmarkt über Jahre missbraucht zu haben, unter anderem durch ein System zur Traffic-Steuerung, das Hotels in exklusive Bestpreisvereinbarungen drängte und ihnen die Listung auf konkurrierenden Plattformen erschwerte.
Bestpreisklauseln als Kernvorwurf
Trip.com habe attraktive Hotels mit bevorzugter Sichtbarkeit und Vorteilen dazu bewegt, exklusive Sonderpartnerschaften einzugehen und dabei Verträge mit anderen Buchungsplattformen auszuschließen, teilte SAMR mit. Zusätzlich muss der Konzern 122 Millionen Yuan an zuvor einbehaltenen Kautionen an Hotelbetreiber zurückzahlen. Trip.com erklärte, die Entscheidung anzuerkennen und die geforderten Korrekturmaßnahmen umzusetzen.
Nicht der erste Fall dieser Art
Peking hat in den vergangenen Jahren mehrere große Digitalkonzerne wegen ähnlicher Praktiken zur Kasse gebeten. 2021 belegte SAMR den Handelskonzern Alibaba mit einer Strafe von 18,2 Milliarden Yuan, weil das Unternehmen Händler über exklusive Vertriebsvereinbarungen an die eigene Plattform gebunden hatte, wie Reuters berichtet. Die aktuelle Entscheidung reiht sich zudem in eine breitere Kampagne gegen aggressive Rabattschlachten ein, die nach Ansicht der Behörden Anbietermargen drücken und die Deflation im Land verschärfen.
Anderes Modell bei TUI
Für Anleger, die die Reisebranche insgesamt im Blick haben, liefert der Fall einen Kontrastpunkt zur TUI-Aktie. Der deutsche Reisekonzern steht mit Trip.com nicht in direktem Wettbewerb, seine Kernmärkte liegen in Europa. TUI baut seit 2023 eine eigene Hotelbuchungsplattform auf, um Kunden zusätzlich zum klassischen Pauschalreisegeschäft auch Einzelbuchungen wie bei Booking & Co. anzubieten. Der Trip.com-Fall zeigt unabhängig davon, wie genau Regulierer inzwischen hinschauen, wenn Buchungsplattformen Hotels über Bestpreisklauseln oder Sichtbarkeit an sich binden - ein Thema, das auch europäische Aufsichtsbehörden mit Blick auf Booking.com bereits beschäftigt hat.
Schwacher Ausblick vor der Strafe
Trip.com hatte für das zweite Quartal bereits vor der Entscheidung nur noch ein Umsatzwachstum von 3 bis 8 Prozent in Aussicht gestellt, den schwächsten Ausblick seit Ende 2022. Ob die Strafe zusätzlich auf das Geschäft durchschlägt, dürfte sich an den kommenden Quartalszahlen ablesen lassen.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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Bildquellen: TUI, TUI
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| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 08.07.26 | TUI Overweight | Barclays Capital | |
| 08.06.26 | TUI Hold | Jefferies & Company Inc. | |
| 28.05.26 | TUI Overweight | Barclays Capital | |
| 18.05.26 | TUI Overweight | Barclays Capital | |
| 14.05.26 | TUI Buy | Deutsche Bank AG |
