Technischer Widerstand

SAP überwinden Chart-Hürde - auch Aktien von Microsoft, Salesforce & Co. fester

01.06.26 22:22 Uhr

Softwaresektor im Aufwind: SAP überwindet Widerstand - Aktien von Microsoft, Salesforce & Co. legen ebenso zu | finanzen.net

Die Aktien von Softwareunternehmen haben am Montag in den Indizes der DAX-Familie zu den größten Gewinnern gezählt.

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In einem von den jüngsten Rekorden an der US-Technologiebörse Nasdaq gestützten Umfeld setzten hierzulande SAP, Nemetschek und TeamViewer ihre Erholung fort.

KI-Boom bietet Chancen für Software-Hersteller

Weiterhin herrscht am Markt die Hoffnung vor, dass der anhaltende Boom von Künstlicher Intelligenz (KI) nicht vornehmlich die Geschäftsmodelle der Software-Hersteller bedroht, sondern auch Chancen bietet. Entsprechende Aussagen des Vorstandsvorsitzenden von NVIDIA, Jensen Huang, trugen ebenso zu der weiter guten Stimmung bei wie die in der vergangenen Woche präsentierten, starken Geschäftszahlen der US-Unternehmen Okta und Snowflake.

Aktien von SAP & Co. ziehen kräftig an

So gewannen die Aktien des hiesigen Branchenprimus SAP an der Spitze des leicht sinkenden, deutschen Leitindex DAX zuletzt 8,15 Prozent auf 167,92 Euro. Sie überwanden damit die Hürde von 160 Euro, die sich Mitte Mai und Mitte April als bedeutender technischer Widerstand erwiesen hatte.

Gleichwohl zählen die SAP-Papiere seit Jahresbeginn mit einem Minus von einem Fünftel immer noch zu den größten Verlierern im Dax. Auch das charttechnische Bild ist weiterhin recht getrübt. Zwar setzten sich die Anteilscheine dank ihrer jüngsten Erholung etwas vom tiefsten Stand seit Anfang Januar 2024 ab und überwanden kurz- und mittelfristige Durchschnittslinien. Doch die viel beachteten 200-Tage-Linien als technischer Maßstab für die langfristige Entwicklung liegen noch in weiter Ferne.

Unter den besten Werten im MDAX gewannen die Papiere von Nemetschek zuletzt 8,25 Prozent auf 66,90 Euro. Für die TeamViewer-Aktien ging es um 10,25 Prozent nach oben auf 6,51 Euro.

US-Softwarewerte ebenso auf dem Vormarsch

In New York setzen die Anleger neuerdings verstärkt auf die zuvor lange Zeit gemiedenen Softwareaktien. Deren Erholung wurde am Montag ebenso von Aussagen des NVIDIA-Chefs Jensen Huang weiter angetrieben. Diese hatte im Rahmen einer Fachkonferenz seine Meinung wiederholt, dass KI für den Softwarebereich keine Bedrohung sei.

Davon angetrieben knüpften Salesforce-Aktien an der Dow-Spitze mit einem Kurssprung von 9,68 Prozent auf 209,60 US-Dollar an ihre Erholungsrally an, die schon am Freitag richtig begonnen hatte. Außerdem legten Papiere von Software-Größen wie Microsoft um 2,28 Prozent auf 460,52 US-Dollar und und Oracle um 9,91 Prozent auf 248,15 US-Dollar zu, für Adobe ging es daneben 5,72 Prozent auf 274.03 US-Dollar nach oben.

Am Markt wird aktuell die Hoffnung gestärkt, dass der anhaltende Boom von Künstlicher Intelligenz (KI) auch Chancen bietet, nachdem in den Monaten davon vornehmlich die Meinung geherrscht hatte, dass Geschäftsmodelle davon bedroht werden. Im April und Mai hatten sich die Salesforce-Aktien deshalb noch zeitweise auf einem Dreijahrestief bewegt. Von diesem haben sie nun schon wieder um fast 30 Prozent zugelegt.

NVIDIA-CEO spricht Softwareunternehmen Mut zu

NVIDIA-Chef Huang wies Befürchtungen zurück, die Branche könne durch fortschrittlichere KI-Tools vor einer völligen Umgestaltung stehen. "Es ist tatsächlich eine unglaubliche Zeit, um ein Softwareunternehmen zu sein", sagte Huang in einer Grundsatzrede auf der Computex-Messe in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh.

Der NVIDIA-Chef fuhr fort: "Viele Leute haben gesagt: 'Jensen, die agentische KI kommt, deshalb werden alle Softwareunternehmen vom Markt verschwinden.' Ich habe geantwortet: 'Es ist genau das Gegenteil.' Denn es wird so viele Agenten geben, dass die Welt nicht mehr durch die Anzahl der Menschen begrenzt ist. Deshalb werden diese Agenten mehr Werkzeuge nutzen als je zuvor." Unter agentischer Künstlicher Intelligenz versteht man KI-Systeme, die selbstständig planen und Entscheidungen treffen, ohne dass einzelne Schritte immer von Menschen vorgegeben werden müssen.

Ingo Koczwara, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz, schrieb: "Für Anleger spricht vieles dafür, an den strukturellen KI-Trends beteiligt zu bleiben, ohne die Risiken einer fortgeschrittenen Marktphase zu unterschätzen." Entscheidend sei ein selektiver Ansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette: von den großen Plattformanbietern über Chipproduzenten bis hin zu Infrastrukturunternehmen.

"Gerade weil sich die Marktgewinne derzeit auf relativ wenige Titel konzentrieren, dürfte die Qualität der Einzelselektion an Bedeutung gewinnen", fuhr Koczwara fort. Gleichzeitig erscheine es sinnvoll, nicht mit maximalem Risiko in einen Markt zu gehen, der von hohen Erwartungen, enger Marktbreite und spätzyklischen Mustern geprägt sei.

Das Umfeld bleibt dem Experten zufolge chancenreich, verlange aber eine Positionierung mit Augenmaß. Wer strukturelles Wachstum nutzen wolle, sollte deshalb nicht nur auf die sichtbarsten Gewinner des KI-Booms setzen, sondern auch darauf achten, wie nachhaltig Geschäftsmodelle, Margen und Investitionsdynamik tatsächlich seien.

/la/ag/jha/jsl/he

FRANKFURT (dpa-AFX)

Bildquellen: nitpicker / Shutterstock.com, II.studio / Shutterstock.com

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