Intel-Aktie nach Rückschlag wieder im Aufwind: Musk macht Anlegern neue Hoffnung
Intel bleibt trotz der Gespräche zwischen Elon Musk und TSMC an dessen Terafab-Projekt beteiligt. Für den US-Konzern steht dabei mehr auf dem Spiel als ein einzelner Auftrag.
Werte in diesem Artikel
- Intel-Chef Tan bekräftigt Beteiligung an Musks Chipprojekt Terafab
- Musk weist Betreiberrolle von TSMC zurück, Gespräche gab es aber
- Für die Aktie hängt viel am ersten großen externen Kunden für 14A
Der Chiphersteller Intel will an Elon Musks Chipprojekt Terafab beteiligt bleiben und tritt damit Zweifeln entgegen, die das wichtigste Vorzeigeprojekt seiner Foundry zuletzt belastet hatten. Das sagte Konzernchef Lip-Bu Tan am Mittwoch im Gespräch mit Bloomberg. Auch Musk wies Spekulationen über eine Betreiberrolle von TSMC zurück.
Tan bekräftigt, Musk stellt klar
Tan äußerte sich vor einer Veranstaltung in Tokio zum 50-jährigen Bestehen von Intels Geschäft in Japan. Intel werde weiter an Terafab arbeiten und beteiligt bleiben, sagte er. Intel und Tesla reagierten laut Reuters zunächst nicht auf Anfragen nach einem Kommentar.
Auslöser der Unruhe war ein Bericht des Newsletters Culpium vom Monatsanfang. Danach prüfe TSMC, Terafab beim Betrieb der geplanten Fabriken in Texas zu unterstützen. Musk bestätigte am Wochenende auf X Gespräche: "Bislang nur Gespräche, aber vielleicht ergibt sich daraus etwas." Am Mittwoch legte er nach: "Nein, wir werden die Fabrik bauen und betreiben. Daran darf es absolut keinen Zweifel geben." TSMC könne vielleicht einen Teil unterleasen, "aber mehr auch nicht".
Culpium hatte ein deutlich größeres Szenario skizziert. Am wahrscheinlichsten sei, dass TSMC eine neue Fabrik in Texas selbst besitzt und betreibt, Terafab wäre dann Ankerkunde. TSMC wägt nach dem Bericht ohnehin einen weiteren Standort in Texas ab. Musks Klarstellung schließt eine Rolle des taiwanischen Marktführers also nicht aus, begrenzt sie aber auf eine Untermiete.
Warum Terafab für die Intel-Aktie so schwer wiegt
Terafab ist ein Gemeinschaftsprojekt von Tesla und SpaceX. Intel stieg im April per X-Post ein und erklärte, seine Fähigkeit, Chips im großen Maßstab zu entwerfen, zu fertigen und zu verpacken, werde Terafabs Ziel von einem Terawatt Rechenleistung pro Jahr beschleunigen. Musk kündigte daraufhin an, Intels 14A-Prozess nutzen zu wollen, weil dieser bis zum Hochlauf von Terafab wohl ausgereift sei. Das wäre der erste große externe Kunde für diese Technologie, den Tan zur Bedingung für Intels Verbleib in der Spitzenfertigung gemacht hatte.
Genau deshalb reagiert der Markt so empfindlich auf jedes Signal. Im zweiten Quartal 2026 steigerte Intel Foundry den Umsatz um 31 Prozent auf 5,8 Milliarden US-Dollar, der Großteil davon stammt aber aus Aufträgen der eigenen Produktsparten. Mit externen Kunden setzte die Sparte rund 0,3 Milliarden US-Dollar um. Der operative Verlust schrumpfte zwar auf rund 2,1 Milliarden US-Dollar nach knapp 3,2 Milliarden US-Dollar ein Jahr zuvor, bleibt aber die größte Belastung im Konzern. Ein Großkunde wie Terafab würde die Fixkosten der Fabriken auf mehr Volumen verteilen. Culpium meldete in einem Folgebeitrag allerdings, Intels eigene Arbeit an Terafab komme nicht voran.
Was die Zahlen hergeben
Abseits der Foundry läuft das Geschäft deutlich besser. Im zweiten Quartal 2026 erlöste Intel laut Mitteilung vom 23. Juli 16,1 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und das stärkste Wachstum seit mehr als 15 Jahren. Treiber war die Sparte Data Center and AI, deren Umsatz um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden US-Dollar zulegte. Bereinigt verdiente Intel 0,42 US-Dollar je Aktie, nach GAAP stand dagegen ein Verlust von 2,16 US-Dollar je Aktie.
Für das dritte Quartal stellt der Konzern 15,8 bis 16,8 Milliarden US-Dollar Umsatz und einen bereinigten Gewinn von 0,38 US-Dollar je Aktie in Aussicht. Die Mitte der Spanne liegt nur leicht über dem Umsatz des zweiten Quartals, einen weiteren Wachstumsschub signalisiert die Prognose also nicht.
Analystenbild und Risiken
Der Analystenkonsens laut TipRanks liegt bei "Hold" bei einem mittleren Kursziel von 115,23 US-Dollar. Die Intel-Aktie notiert am Mittwoch bei 113,76 US-Dollar und liegt damit 1,12 Prozent höher als am Vortag. Die Bank of America stufte die Aktie zuletzt mit Buy bei 145 US-Dollar ein, Mizuho bewertet den Anteilsschein mit Hold und 114 US-Dollar. Mizuho-Analyst Jordan Klein nannte einen TSMC-Deal einen moderaten Negativfaktor, nicht das Ende der Chancen auf externe Kunden. DA-Davidson-Analyst Gil Luria sprach von einer "rosaroten Brille" bei Intels Investoren.
Für Anleger ist Intel damit eine Wette auf die Foundry-Wende, die an wenigen Großkunden hängt. Das erste Risiko ist diese Abhängigkeit: Holt Musk TSMC auch nur als zweiten Fertiger an Bord, verliert Terafab einen Teil seiner Beweiskraft für 14A. Einige Analysten werten Musks TSMC-Gespräche zudem als Druckmittel in Preisverhandlungen mit Intel, was die Marge eines Auftrags schmälern könnte. Das zweite Risiko ist die Zeitachse. Bis Terafab in nennenswertem Umfang fertigt, dürften noch Jahre vergehen, die Verluste der Foundry fallen dagegen jedes Quartal an. Die Implikation für Anleger ist klar: Solange externe Aufträge nicht in Umsatz münden, trägt das Produktgeschäft mit Prozessoren für PCs und Rechenzentren die Bewertung allein.
Claudia Stephan, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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