Strategy-Aktie nach dem Bitcoin-Buchgewinn: Worauf es für Anleger jetzt ankommt
Auf dem Papier verdient Strategy im dritten Quartal fast 21 Milliarden US-Dollar, doch der Bitcoin-Bestand wächst nur um 0,2 Prozent. Was jetzt wichtig wird.
Werte in diesem Artikel
- Quartalsgewinn beruht vor allem auf dem gestiegenen Bitcoin-Kurs
- Für STRC-Rückkäufe gab Strategy deutlich mehr aus als für neue Bitcoin
- Am 28. Oktober stimmen Stammaktionäre über tägliche Dividenden ab
Strategy, der größte börsennotierte Bitcoin-Halter, schätzt seinen Gewinn auf digitale Vermögenswerte im dritten Quartal auf 20,91 Milliarden US-Dollar. Getragen wird das Ergebnis vom Bitcoin-Kurs: Ende September standen die Bestände mit 70,82 Milliarden US-Dollar in der Bilanz, rund 6,9 Milliarden US-Dollar über den Anschaffungskosten von 63,95 Milliarden US-Dollar. Die Pflichtmitteilung vom Montag zeigt aber auch, wohin das Geld derzeit fließt: in den Rückkauf der eigenen Vorzugsaktie STRC statt in neue Bitcoin.
Warum der Milliardengewinn die Kasse nicht füllt
Strategy bilanziert seine Bitcoin zum Marktwert. Ende Juni lag der Bestand noch unter den Anschaffungskosten, Ende September deutlich darüber. Dieser Umschwung schlägt auch auf die Steuern durch: Strategy löste den latenten Steueranspruch von 4,12 Milliarden US-Dollar auf, der aus den Verlusten zum 30. Juni stammte, und gab die zugehörige Wertberichtigung frei. Der daraus entstehende Steuerertrag drückt den geschätzten latenten Steueraufwand von rund 6,00 auf 1,88 Milliarden US-Dollar. Alle Zahlen sind Schätzungen des Managements, der Abschlussprüfer KPMG hat sie weder geprüft noch durchgesehen.
Mehr Geld für STRC als für neue Bitcoin
Beim Bestand selbst bewegt sich wenig. Strategy hielt Ende September 847.666 Bitcoin, 1.666 mehr als Ende Juni, ein Plus von 0,2 Prozent. Käufen von gut 7.200 Bitcoin standen Verkäufe von rund 5.500 Bitcoin gegenüber. Im zweiten Quartal war der Bestand noch um rund 11 Prozent gewachsen. In Rückkäufe der Vorzugsaktie STRC flossen im dritten Quartal dagegen rund 1,38 Milliarden US-Dollar.
Das Muster setzt sich fort. Zwischen dem 28. September und dem 4. Oktober kaufte Strategy 334 Bitcoin für 28,7 Millionen US-Dollar, steckte aber 176,3 Millionen US-Dollar und damit gut sechsmal so viel in STRC-Rückkäufe. Bezahlt wurden sie nahezu vollständig aus vorhandenen Barmitteln. Frisches Kapital kam kaum herein: Über das ATM-Programm verkaufte Strategy in diesen Tagen keine einzige Vorzugsaktie und lediglich Stammaktien für netto 15,7 Millionen US-Dollar.
Für Dividenden und Zinsen hält Strategy eine eigene Dollarreserve vor. Sie lag am 4. Oktober bei 4,88 Milliarden US-Dollar, nachdem in der Woche zuvor 142,5 Millionen US-Dollar für Dividenden auf die Vorzugsaktien und Zinszahlungen abgeflossen waren. Die frei verfügbaren Barmittel beliefen sich auf 833,4 Millionen US-Dollar.
Tägliche Dividenden: Worüber Strategy abstimmen lässt
Auf einer virtuellen Sonderversammlung am 28. Oktober entscheiden die Stammaktionäre, ob STRF, STRC, STRK und STRD ihre Dividenden künftig an jedem Bankarbeitstag auszahlen. Bislang schüttet STRC zweimal im Monat aus, die übrigen drei Papiere einmal im Quartal. Bei Zustimmung würde STRC ab dem 2. November täglich zahlen, STRF, STRK und STRD ab dem 4. Januar 2027. Dividendensätze und Gesamtverpflichtung bleiben nach Angaben von Strategy unverändert.
Die Hürde liegt bei der Mehrheit aller ausstehenden Stimmrechte, nicht nur der abgegebenen Stimmen. Enthaltungen und nicht erteilte Weisungen an Depotbanken wirken deshalb wie ein Nein. Michael Saylor kommt über seine Class-B-Aktien mit zehnfachem Stimmrecht auf 32,9 Prozent der Stimmrechte. Strategy begründet den Schritt mit kürzeren Wiederanlagelücken, besserer Liquidität und stabileren Kursen. Bei STRC will das Unternehmen den Kurs nahe am festgelegten Betrag (Stated Amount) von 100 US-Dollar halten. Eine Garantie, dass die Änderung diese Ziele erreicht, gibt Strategy nicht.
Was für die Strategy-Aktie jetzt entscheidend ist
Citi hob das Kursziel am Freitag von 136 auf 240 US-Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung. Alle 13 Analysten, die die Aktie beobachten, raten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 234,85 US-Dollar. Die Prognosen variieren allerdings zwischen einem Höchstwert von 435,00 US-Dollar und einem Tiefstwert von 160,00 US-Dollar. Das durchschnittliche Kursziel entspricht einem Plus von rund 55 Prozent gegenüber dem letzten Kurs von 151,47 US-Dollar (Stand: Schlusskurs vom 08.10.2026).
Für die eigene Einordnung lohnt der Blick auf drei Stellschrauben. Die erste ist der Bitcoin-Kurs selbst. Strategy hat im Schnitt rund 75.400 US-Dollar je Bitcoin bezahlt. Fällt der Kurs unter diese Marke, rutschen die Bestände wieder unter die Anschaffungskosten, und aus dem Buchgewinn des dritten Quartals kann im nächsten ein Buchverlust werden. Auch Citi stützt den Großteil des erwarteten Kurspotenzials auf einen steigenden Bitcoin-Kurs, einen kleineren Teil auf eine höhere Bewertung der Aktie im Verhältnis zum Bitcoin-Bestand. Die zweite Stellschraube ist die Finanzierung. Solange über das ATM-Programm kaum frisches Kapital hereinkommt, wächst der Bitcoin-Bestand nur langsam, während Dividenden und Zinsen aus der Dollarreserve von 4,88 Milliarden US-Dollar fließen. Die dritte ist die Kapitalstruktur. Vor den Stammaktionären stehen die Ansprüche der Vorzugsaktionäre, deren Dividenden unabhängig vom Bitcoin-Kurs fällig werden. Die Strategy-Aktie bündelt damit Kursrisiko, Finanzierungsrisiko und den Vorrang der Vorzugsaktien in einem Papier, und wie stark jedes davon wiegt, hängt von der eigenen Bitcoin-Erwartung ab.
Ob Strategy weiter vor allem die eigene Vorzugsaktie zurückkauft oder das ATM-Programm wieder genug Kapital für größere Bitcoin-Käufe einspielt, zeigen die wöchentlichen 8-K-Meldungen. Die vollständigen Quartalszahlen folgen am 29. Oktober.
Julia Walter, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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