Wachstumsstory kippt

lululemon-Aktie sackt ab: Markenkrise drückt auf Ausblick - Aktien von adidas höher

05.06.26 17:03 Uhr

lululemon-Aktie sackt an der NASDAQ ab: Glanz der Erfolgsstory verblasst - Aktie von Rivale adidas setzt sich ab | finanzen.net

Der adidas-Konkurrent lululemon athletica leidet unter einem schwächeren Ausblick, nachlassender Dynamik im Heimatmarkt und einem Konflikt mit dem Unternehmensgründer.

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• lululemon senkt Prognose für Umsatz und Gewinn
• Angekratztes Markenimage und Wettbewerb belasten
• Streit mit Gründer verunsichert

Für die Aktie von lululemon athletica geht es im Freitagshandel an der NASDAQ zeitweise um 6,99 Prozent auf 116,19 US-Dollar abwärts, nachdem der Konzern am Vorabend Quartalszahlen vorgelegt hat. Auslöser für die negative Marktrektion dürfte dabei vor allem auch die nach unten korrigierte Prognose für das laufende Geschäftsjahr sein. Das Management hat sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis je Aktie vorsichtigere Erwartungen formuliert und damit signalisiert, dass man mit einer spürbaren Verlangsamung des Wachstums rechnet.

Schwäche im US-Heimatmarkt als strukturelles Warnsignal

Wie lululemon im Rahmen der Bilanzvorlage angab, erwarte man für das Gesamtjahr nun nur noch einen Umsatz von 11 bis 11,15 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahr würde der Umsatz damit im besten Fall stagnieren, im schlechtesten Fall entspräche die Erwartung einem leichten Rückgang um ein Prozent. Im März hatte das Unternehmen hingegen noch einen Umsatz von 11,35 bis 11,50 Milliarden US-Dollar prognostiziert, was einem moderaten Umsatzwachstum entsprochen hätte. Daneben wurde auch die Prognosespanne für den Gewinn pro Aktie kräftig auf 10,95 bis 11,15 US-Dollar gesenkt, nachdem zuvor 12,10 bis 12,30 US-Dollar erwartet worden waren. Während lululemon in den vergangenen Jahren als verlässlicher Wachstumswert im Premiumsegment galt, müssen sich Anleger damit nun auf eine Phase geringerer Dynamik einstellen.

Besonders kritisch ist weiterhin die Entwicklung in Nordamerika. Dort lasse die Attraktivität der Marke infolge von Designfehlern und mangelnder Aktualität nach, heißt es bei "Reuters". Parallel zur nachlassenden Nachfrage steige dabei die Nutzung von Rabattaktionen. Für ein Premiumunternehmen, dessen Geschäftsmodell auf hoher Markenloyalität und Preissetzungsmacht basiert, ist dies ein Warnsignal. "Unsere Bemühungen um Verbesserungen in Nordamerika führten im Quartal zu einigen positiven Signalen, darunter eine sequenzielle Steigerung der Umsätze zum regulären Preis. Zuletzt sahen wir uns jedoch mit Gegenwind konfrontiert, der uns dazu veranlasste, unsere Prognose für das Gesamtjahr anzupassen", wird lululemons Interims-CEO Meghan Frank in der Pressemitteilung zu den Quartalszahlen zitiert.

Parallel dazu verschärft sich auch der Wettbewerb im global wachsenden Athleisure-Markt. Neben etablierten Sportartikelkonzernen drängen laut "Reuters" spezialisierte Marken wie Alo Yoga oder Vuori zunehmend in das Premiumsegment und gewinnen insbesondere bei jüngeren Zielgruppen Marktanteile.

Negative Publicity belastet lululemon weiterhin

Im abgelaufenen ersten Quartal 2026 sank der Nettoumsatz von lululemon in der Region Amerika daher um drei Prozent, insgesamt legte der Nettoumsatz aufgrund eines stärkeren internationalen Geschäfts jedoch um vier Prozent auf 2,5 Milliarden US-Dollar zu. Dennoch sank das Bruttoergebnis im Berichtszeitraum um drei Prozent auf 1,3 Milliarden US-Dollar, die Bruttomarge verringerte sich um 410 Basispunkte auf 54,2 Prozent. Der verwässerte Gewinn pro Aktie lag bei 1,69 US-Dollar - ein kräftiger Rückgang im Vergleich zu 2,60 US-Dollar im ersten Quartal 2025.

Interims-CEO Frank führte das schwache Quartal auch auf die Beschwerden bezüglich der Durchsichtigkeit der Artikel aus der Sportbekleidungslinie "Get Low" zurück. So habe man "einen sprunghaften Anstieg negativer Kommentare in den Medien und sozialen Netzwerken zur Marke" erlebt, was die Kundenfrequenz im Einzelhandel und den Umsatz belastet habe, sagte sie laut "MarketWatch". Bisher habe das Unternehmen es noch nicht geschafft, zu dem Trend vor den Turbulenzen zurückzukehren. Zudem sei der Absatz der neueren, weiter geschnittenen Hosen hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Gründerstreit als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor

Zusätzlich belastete im vergangenen Jahresviertel auch ein eskalierter Konflikt zwischen dem Unternehmen und seinem Gründer Chip Wilson. Wilson, der weiterhin bedeutender Aktionär ist, hatte dem Unternehmen laut "MarketWatch" im Rahmen der "Get Low"-Beschwerden vorgeworfen, seinen "Coolness-Faktor" eingebüßt und "völlig vom Kurs abgekommen" zu sein. Im Zentrum seiner Kritik stand der Vorwurf, dass sich lululemon zu stark von seiner ursprünglichen Identität als Premiummarke für funktionalen Sportbekleidung entfernt und in Richtung Mainstream und Diversifizierung abgedriftet sei. Zudem hatte er im Rahmen eines aktivistischen Vorgehens versucht, Einfluss auf die strategische Ausrichtung und die Zusammensetzung des Verwaltungsrats zu nehmen.

Auch wenn inzwischen Teile des Konflikts durch Kompromisse im Verwaltungsrat entschärft wurden, bleibt der Streit ein relevanter Unsicherheitsfaktor. Für Investoren ist vor allem die Signalwirkung entscheidend: Wenn selbst der Gründer die strategische Ausrichtung öffentlich infrage stellt, verstärkt dies Zweifel an der Kohärenz der laufenden Transformation.

Divergierende Kursentwicklung im Branchenumfeld

Die aktuelle Schwäche bei der lululemon-Aktie überträgt sich am Freitag jedoch nicht eins zu eins auf den gesamten Sportartikel- und Athleisure-Sektor. Das zeigt, dass Anleger zwischen unternehmensspezifischen Problemen bei lululemon - so kämpft der Konzern vor allem aufgrund der eigenen Fehler in der Vergangenheit mit einer schwachen Umsatzentwicklung und einem eingetrübten Ausblick - und der Lage der gesamten Branche unterscheiden können.

Entsprechend gehört etwa die Aktie von adidas am selben Handelstag zu den Gewinnern und legt via XETRA zeitweise um 1,96 Prozent auf 163,70 Euro zu. Die PUMA-Aktie notiert im XETRA-Handel bei 27,29 Euro 1,27 Prozent tiefer

Carolin Ludwig, Benedict Kurschat, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net

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Bildquellen: Lululemon Athletica, Joseph Hendrickson / Shutterstock.com

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