BYD-Aktie mit Kurssprung: Ungarns Ex-Chefdiplomat wechselt zum Konzern hinter dem EU-Zollplan
Der Mann, der Ungarns Milliardendeal mit BYD einfädelte, sitzt künftig auf der anderen Seite des Tisches. Das sorgt für Kritik - doch lässt Anleger jubeln.
Werte in diesem Artikel
- Péter Szijjártó gibt sein Mandat auf und wechselt zu BYD nach Europa
- Als Außenminister hatte er BYDs Werk in Ungarn und dessen Förderung eingefädelt
- Regierungschef Magyar wirft ihm vor, fremde Interessen vertreten zu haben
Ungarns langjähriger Chefdiplomat Péter Szijjártó verlässt das Parlament in Budapest und wechselt direkt in die Führungsetage von BYD, jenem chinesischen Autobauer, dessen erstes europäisches Werk er als Minister selbst eingefädelt hatte.
Der Wechsel vereint zwei Rollen in einer Person: den Architekten der ungarischen Chinapolitik und den künftigen Manager für die Expansion des Konzerns in Europa. Für BYD ist das mehr als eine reine Personalie. Der Autobauer errichtet in Szeged sein erstes Werk auf dem Kontinent, mit dem sich die seit 2024 geltenden EU-Ausgleichszölle auf chinesische Elektroautos umgehen lassen, und genau dieses Projekt hat Szijjártó während seiner Amtszeit persönlich verhandelt.
Der Deal, den er selbst eingefädelt hat
Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, kündigte Szijjártó bereits 2023 als Außenminister an, dass BYD sein erstes Werk außerhalb Chinas in Ungarn baut, nach eigener Aussage nach 224 Verhandlungsrunden mit dem Konzern. Er nannte es eines der größten Investitionsprojekte der ungarischen Wirtschaftsgeschichte, staatliche Finanzhilfen inklusive, deren genaue Höhe nie offengelegt wurde. 2025 folgte die nächste Ankündigung aus seinem Haus: BYD verlegt seinen Europasitz samt Forschungszentrum nach Budapest und erhält dafür laut AP staatliche Förderung von rund 20 Milliarden Forint, umgerechnet etwa 63,7 Millionen US-Dollar.
Zollumgehung als Geschäftsmodell
Die Motivation hinter dem Standort ist unternehmerisch simpel. Die Europäische Union belegt in China gefertigte batterieelektrische Fahrzeuge mit Ausgleichszöllen, eine Fertigung in Ungarn umgeht diese Zusatzkosten und verkürzt zugleich die Lieferzeiten zum europäischen Kunden. Laut dem Branchendienst "Cnevpost" hat sich der Zeitplan dabei bereits einmal verschoben: Statt wie ursprünglich vorgesehen den Kleinwagen Dolphin Surf schon Ende 2025 vom Band laufen zu lassen, soll die Fahrzeugmontage in Szeged nun erst im vierten Quartal starten. Ob sich die höheren Lohn- und Energiekosten in Europa auf Auslastung und Profitabilität des Werks in der Anlaufphase auswirken, bleibt offen.
Ein Muster aus der Amtszeit
Der Szeged-Deal war dabei kein Einzelfall, sondern laut AP Teil eines Musters aus Szijjártós Amtszeit. Gemeinsam mit Ministerpräsident Viktor Orbán lehnte er EU-Zölle auf chinesische Produkte wiederholt ab, warb aktiv um Investitionen aus Peking und begleitete die Eröffnung mehrerer chinesischer Batteriefabriken im Land. Ungarn und China entwickelten in dieser Zeit zudem gemeinsam eine Eisenbahnverbindung nach Serbien, die Teil von Pekings Belt-and-Road-Initiative ist. Für BYD bedeutet das: Der neue Manager kennt nicht nur die Genehmigungswege in Budapest, sondern auch die politische Logik, mit der sich Brüssels Handelsschutz umgehen lässt.
Politischer Gegenwind aus Budapest
Politisch hat sich das Umfeld für Szijjártó unterdessen gedreht. Nach dem Wahlsieg der proeuropäischen Tisza-Partei von Péter Magyar im April verlor er sein Ministeramt, blieb aber zunächst einfacher Abgeordneter und verpasste seither einen Großteil der Parlamentssitzungen. Wie AP berichtet, wirft Ministerpräsident Magyar ihm öffentlich vor, dauerhaft fremde Interessen vertreten und im Amt massive staatliche Subventionen für BYD durchgesetzt zu haben. Szijjártó selbst wählte in seinem Rücktrittspost bei Facebook andere Worte und beschrieb BYD als "eine der größten Erfolgsgeschichten der Automobilbranche der vergangenen 20 Jahre". Zusätzliche Brisanz erhält der Wechsel durch seine langjährige Nähe zu Russland, dokumentiert durch regelmäßige Treffen mit Außenminister Lawrow und den russischen Freundschaftsorden aus dem Jahr 2021.
Der nächste belastbare Prüfstein ist der Produktionsstart in Szeged im vierten Quartal. Erst dann zeigt sich, ob das politische Beziehungsnetz, das Szijjártó über Jahre aufgebaut hat, BYD beim Umgang mit EU-Regularien und lokalen Behörden tatsächlich einen Vorteil verschafft oder ob die Kritik aus Budapest dem Konzern beim Imageaufbau in Europa eher schadet.
BYD-Aktie gefragt
Trotz der Kontroverse rund um die neue Personalie bejubeln BYD-Anleger die Anstellung des ehemaligen Außenministers Ungarns. In Hongkong zieht das Papier zeitweise um 4,89 Prozent auf 91,20 Hongkong-Dollar an.
Benedict Kurschat, Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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