JPMorgan US Research Enhanced Index Equity Active ETF: Fast wie der S&P 500 - aber aktiv
Der USA-ETF bildet anders als die meisten seiner Konkurrenten keinen Index nach. Stattdessen versucht JPMorgan, den S&P 500 mit aktiver Aktienauswahl zu schlagen, ohne sich allzu weit von ihm zu entfernen.
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Das Wichtigste in Kürze:
- Der ETF ist aktiv gemanagt und versucht, den S&P 500 durch gezielte Über- und Untergewichtungen einzelner Aktien zu schlagen.
- Mit 0,20 Prozent TER ist der ETF teurer als viele klassische S&P-500- oder MSCI-USA-ETFs. Dafür erhalten Anleger die Aktienauswahl des JPMorgan-Researchteams.
- Trotz aktivem Management bleiben sowohl die größten Positionen als auch das Risikoprofil sehr nah am US-Gesamtmarkt.
245 statt 500 Aktien: Was dieser ETF anders macht
Auf den ersten Blick wirkt der JPMorgan US Research Enhanced Index Equity Active UCITS ETF USD (acc) mit der ISIN IE00BF4G7076 wie ein weiterer klassischer ETF für den amerikanischen Aktienmarkt. Tatsächlich unterscheidet er sich jedoch grundlegend von klassischen S&P-500-, MSCI-USA- oder Nasdaq-100-Produkten. Der im Oktober 2018 aufgelegte ETF ist aktiv gemanagt. Sein Ziel besteht nicht darin, langfristig eine höhere Rendite als der S&P 500 Total Return Net zu erzielen. Seine aktuell 245 Aktien werden physisch gehalten, Ausschüttungen werden automatisch wieder angelegt. Mit einem Fondsvolumen von 10,8 Milliarden Euro gehört der ETF inzwischen zu den 40 größten ETFs, die Anleger in Deutschland erwerben können.
Der entscheidende Unterschied steckt im Begriff "Research Enhanced Index". JPMorgan beginnt zwar mit dem S&P 500 als Vergleichsmaßstab, kopiert dessen Gewichtungen aber nicht einfach. Stattdessen analysiert ein Researchteam aus mehr als 80 Aktienanalysten tausende Unternehmen. Dabei werden unter anderem langfristig normalisierte Gewinne und die daraus abgeleiteten erwarteten Renditen mit den aktuellen Aktienkursen verglichen. Besonders attraktiv eingeschätzte Aktien werden gegenüber dem Vergleichsindex übergewichtet, weniger attraktiv beziehungsweise teuer bewertete Unternehmen untergewichtet oder ganz weggelassen. Damit unterscheidet sich das Vorgehen auch deutlich von den großen passiven Alternativen.
Aktiv, aber bewusst nicht zu aktiv
Die Besonderheit des JPMorgan-Ansatzes besteht allerdings darin, dass die Fondsmanager nicht versuchen, mit großen Sektorwetten den Markt zu schlagen. Regionen, Sektoren und Anlagestile sollen bewusst eng am Vergleichsindex bleiben. Die zusätzliche Rendite soll stattdessen vor allem dadurch entstehen, innerhalb der einzelnen Bereiche die etwas besseren Aktien stärker und die schlechter eingeschätzten Titel schwächer zu gewichten. JPMorgan spricht selbst davon, dass rund 70 Prozent des aktiven Risikos aus der Einzeltitelauswahl kommen sollen. Statt wenige große Wetten einzugehen, verteilt das Management viele vergleichsweise kleine Über- und Untergewichtungen über das gesamte Portfolio.
Das erklärt auch eine zunächst überraschende Beobachtung. Obwohl der ETF nur 245 Titel besitzt und aktiv gemanagt wird, sieht die Spitze des Portfolios beinahe genauso aus wie bei einem gewöhnlichen S&P-500-ETF. NVIDIA ist mit 7,93 Prozent die größte Position, gefolgt von Apple mit 6,63 Prozent, Microsoft mit 4,69 Prozent, Amazon mit 3,97 Prozent und Alphabet mit 3,30 Prozent. Zusammen kommen die zehn größten Positionen auf 37,9 Prozent des gesamten Portfolios.
Auch im S&P 500 entfallen inzwischen rund 36 Prozent auf die zehn größten Positionen. Wer bewusst darauf achtet, die Risiken des Vergleichsindex nicht zu stark zu verlassen, kann NVIDIA oder Apple daher nicht einfach vollständig aus dem Portfolio streichen. Eine solche Entscheidung wäre keine kleine aktive Wette mehr, sondern würde die Entwicklung des Fonds massiv vom S&P 500 abkoppeln. Der Mehrwert des aktiven Managements steckt deshalb oftmals in Unterschieden, die auf den ersten Blick unspektakulär wirken. Eine Aktie erhält beispielsweise 2,3 statt 1,5 Prozent, eine andere nur 0,5 statt 1,0 Prozent. Über hunderte Positionen hinweg sollen sich diese kleinen Entscheidungen langfristig zu einer Zusatzrendite summieren.
45 Prozent Technologie: Die bekannte Abhängigkeit bleibt
Mit 45,3 Prozent stellt Technologie mit großem Abstand den wichtigsten Sektor. Finanzwerte folgen mit 13,9 Prozent, Gesundheitsunternehmen mit 8,7 Prozent, nicht-zyklische Konsumgüter mit 8,6 Prozent und Industriewerte mit 7,9 Prozent. Ein wesentlicher Grund dafür ist wiederum die Orientierung am amerikanischen Aktienmarkt. Die größten börsennotierten US-Konzerne stammen heute überproportional häufig aus Technologie, Halbleitern, Cloud Computing und angrenzenden Bereichen. Der Fonds ist also stark davon abhängig, dass die amerikanischen Mega-Caps und insbesondere der Technologiesektor ihre hohen Gewinnerwartungen erfüllen. Das war in den vergangenen Jahren häufig ein großer Vorteil. NVIDIA, Microsoft, Alphabet, Amazon, Broadcom und Meta profitierten vom Boom rund um künstliche Intelligenz, Cloud Computing und Rechenzentren. Dreht sich die Stimmung dagegen gegen hoch bewertete Wachstums- und Technologieaktien, kann sich gerade diese Konzentration bemerkbar machen. Der aktive Ansatz beseitigt dieses Risiko nicht und soll es auch gar nicht. Wer eine grundlegende Alternative zur Dominanz der großen US-Technologiewerte sucht, findet sie daher in diesem ETF genauso wenig wie in einem klassischen S&P-500-Produkt.
0,20 Prozent TER: Wofür Anleger mehr bezahlen
Mit einer TER von 0,20 Prozent pro Jahr ist der JPMorgan ETF dennoch günstig für einen aktiv gemanagten Aktienfonds. Gegenüber klassischen US-ETFs fällt der Preisvergleich allerdings weniger vorteilhaft aus. Große S&P-500- und MSCI-USA-Produkte sind teilweise bereits für 0,05 bis 0,15 Prozent jährlich erhältlich. Anleger bezahlen die Differenz letztlich für den Versuch des JPMorgan-Researchteams, durch die vielen kleinen Über- und Untergewichtungen nach Kosten besser abzuschneiden als der Vergleichsindex. Das macht den ETF zu einer Art Mittelweg zwischen einem klassischen Indexfonds und einem traditionellen aktiven Aktienfonds. An normalen Börsentagen bewegt sich der ETF gemäß der Risikodaten von JPMorgan fast genauso wie der S&P 500. Anleger sollten für die 0,20 Prozent deshalb keine völlig andere Entwicklung erwarten. Entscheidend ist vielmehr, ob sich die vielen kleinen Abweichungen langfristig positiv summieren.
Wann der Ansatz besonders gut funktionierte
Aus Euro-Sicht verlor der ETF 2022 zunächst 13,7 Prozent. Damals sorgten die höchste Inflation seit Jahrzehnten und die schnellen Zinserhöhungen der US-Notenbank für einen hohen Bewertungsdruck an den Aktienmärkten. Besonders hart traf es Technologie- und Wachstumswerte, deren hohe Bewertungen bei steigenden Zinsen weniger attraktiv wurden. 2023 änderte sich das Bild. Sinkende Inflationsraten, die Aussicht auf ein Ende der Zinserhöhungen und vor allem der beginnende KI-Boom sorgten für eine kräftige Erholung der großen amerikanischen Technologieaktien. Der ETF legte in Euro um 23,2 Prozent zu. Noch stärker fiel die Rendite 2024 mit 32,4 Prozent aus. Künstliche Intelligenz blieb das dominierende Börsenthema, NVIDIA und andere Halbleiter- sowie Technologiewerte setzten ihre Rally fort. Gleichzeitig begann die US-Notenbank mit Zinssenkungen. Technologie, Kommunikationsdienste und zyklische Konsumwerte gehörten zu den stärksten Bereichen des S&P 500. Das aktive Management kann also Unterschiede machen, denn der klassische S&P 500 legte im gleichen Jahr "nur" um 24,5 Prozent zu. Es ist aber nicht darauf ausgelegt, in jedem Jahr mehrere Prozentpunkte Abstand zum Index herauszuholen.
Im laufenden Jahr liegt der ETF bereits wieder 12,6 Prozent im Plus. Die amerikanischen Unternehmensgewinne entwickelten sich im zweiten Quartal ausgesprochen stark. Bei den S&P-500-Unternehmen stieg der aggregierte Gewinn gegenüber dem Vorjahresquartal um mehr als 50 Prozent, wobei der Technologiesektor mit einem besonders starken Ergebniszuwachs herausstach. Rund ein Drittel des EPS-Wachstums des S&P 500 entfiel zuletzt auf Unternehmen aus der KI-Infrastruktur. Davon profitiert der JPMorgan ETF unmittelbar. Mit NVIDIA, Broadcom und Micron befinden sich gleich drei zentrale Profiteure des KI- und Halbleiterbooms unter den zehn größten Positionen. Auch Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta investieren Milliardenbeträge in Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur und KI.
Volatilität: Aktives Management schützt nicht vor Börsencrashs
Die Volatilität des ETFs lag über die vergangenen zwölf Monate bei 12,4 Prozent, über drei Jahre bei 15,6 Prozent und über fünf Jahre bei 17,7 Prozent. In den längeren Betrachtungszeitraum fällt unter anderem der heftige Zins- und Technologieausverkauf des Jahres 2022. Noch anschaulicher sind die zwischenzeitlichen maximalen Kursverluste. Über die vergangenen fünf Jahre musste der ETF zeitweise einen Rückgang von 22,8 Prozent hinnehmen. Dieser Einbruch steht im Zusammenhang mit dem Bärenmarkt 2022, als Inflation, rapide steigende Zinsen und Rezessionsängste insbesondere hoch bewertete Technologieaktien unter Druck setzten. Seit der Auflage beträgt der maximale Drawdown sogar 34,4 Prozent. Dahinter steckt vor allem der Corona-Crash vom Frühjahr 2020. Wenn der S&P 500 abstürzt, wird sich also auch dieser ETF einem großen Teil des Rückgangs nicht entziehen können.
Für wen sich der JPMorgan US Research Enhanced Index Equity Active ETF eignet
Der JPMorgan US Research Enhanced Index Equity Active UCITS ETF eignet sich vor allem für Anleger, die den amerikanischen Aktienmarkt als langfristigen Kernbaustein ihres Portfolios nutzen möchten, einem rein passiven S&P-500-ETF aber nicht zwingend den Vorzug geben. Für eine TER von 0,20 Prozent erhält man ein Portfolio, das sich bei Branchen, Anlagestilen und Gesamtrisiko bewusst eng am S&P 500 orientiert, bei den einzelnen Aktien aber auf die Einschätzungen des umfangreichen JPMorgan-Researchteams setzt. Wer darauf vertraut, dass viele kleine Über- und Untergewichtungen langfristig einen Mehrwert liefern können, findet hier eine ungewöhnlich günstige Kombination aus aktivem Management und indexnaher Anlage. Wer dagegen schlicht möglichst kostengünstig am US-Aktienmarkt teilhaben möchte, ist mit einem klassischen S&P-500- oder MSCI-USA-ETF für teilweise nur 0,05 bis 0,15 Prozent günstiger unterwegs.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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