Chinas Goldnachfrage

Chinas Goldimporte über Hongkong sinken: Warum die Nachfrage trotzdem robust bleibt

27.07.26 14:35 Uhr

Chinas Goldimporte über Hongkong sinken im Juni: Das steckt hinter der Goldnachfrage | finanzen.net

Chinas Goldimporte über Hongkong sind im Juni gesunken, doch die Notenbank kauft im 20. Monat in Folge und die Investmentnachfrage hält dagegen.

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  • Chinas Netto-Goldimporte über Hongkong sanken im Juni um gut fünf Prozent
  • Zahl erfasst nur Teilkanal, Großteil läuft über das Festland
  • Chinas Notenbank kauft seit 20 Monaten Gold, die Schmucknachfrage bleibt schwach

Chinas Goldimporte über Hongkong sind im Juni spürbar gesunken. Nach Daten des Statistikamts in Hongkong führte die Volksrepublik netto rund 50,7 Tonnen des Edelmetalls ein, nach 53,7 Tonnen im Mai. Das ist ein Rückgang von gut fünf Prozent. Für sich genommen klingt das nach nachlassendem Appetit des weltgrößten Goldverbrauchers. Doch der Wert taugt kaum als Beleg für eine Trendwende: Er erfasst nur einen von mehreren Importwegen, und an anderer Stelle bleibt Chinas Goldhunger ungebrochen.

Was die Zahlen zeigen und was nicht

Die Statistik aus Hongkong hat zwei Tücken. Erstens weicht die Nettomenge von der Bruttomenge ab. Die gesamten Goldausfuhren von Hongkong nach China legten im Juni sogar zu, auf gut 78 Tonnen nach rund 66 Tonnen im Mai. Dass die Nettomenge dennoch fiel, liegt an höheren Rückflüssen aus China zurück nach Hongkong. Zweitens ist Hongkong längst nicht mehr das Haupttor. Der weitaus größere Teil der chinesischen Goldeinfuhren läuft direkt über das Festland und taucht in dieser Statistik gar nicht auf. Die Monatszahl ist also eher ein Stimmungsbild als ein Vollbild.

Die Notenbank kauft unbeirrt weiter

Ein Blick auf die großen Käufer stützt das. Chinas Zentralbank hat im Juni den 20. Monat in Folge Gold zugekauft, ihren größten Monatskauf seit 2023, und ihre Reserven damit auf rund 2.346 Tonnen aufgestockt. Das entspricht etwa acht Prozent der gesamten Währungsreserven. Allein im ersten Halbjahr kamen so rund 40 Tonnen zusammen. Die Notenbank kaufte selbst dann weiter, als der Goldpreis im Frühjahr kräftig nachgab, ein Hinweis darauf, dass hinter den Zukäufen strategische statt kurzfristiger Motive stehen.

Schmucknachfrage leidet unter hohem Goldpreis

Schwächer ist dagegen die Nachfrage der Verbraucher. Der Goldpreis liegt zwar unter seinem Rekordhoch von Anfang 2026, historisch aber weiterhin außergewöhnlich hoch, und das drückt seit Monaten auf das Schmuckgeschäft. Hinzu kommt, dass der Sommer traditionell die schwache Saison für Goldschmuck ist. Der World Gold Council verweist zugleich auf eine kräftige Investmentnachfrage über Barren, Münzen und Fonds, die die Flaute beim Schmuck ein Stück weit ausgleicht. Unterm Strich verschiebt sich Chinas Goldnachfrage also weniger, als sie ihren Charakter ändert: weg vom Schmuck, hin zu Anlage und Reserve.

Ob die Juni-Delle mehr ist als saisonales Rauschen, dürften erst die kommenden Monatsdaten zeigen, vor allem die Zahlen aus dem chinesischen Festlandzoll. Solange Notenbank und Anleger aber weiter zugreifen, sagt ein einzelner schwacher Hongkong-Wert wenig über die Richtung aus.

Julia Walter, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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