Mercedes-Benz-Aktie im Plus: Rückenwind durch Ungarn-Werk hält an
Während Mercedes-CEO Ola Källenius das ungarische Werk als Kostenvorbild feiert, reagiert die Mercedes-Benz-Aktie mit spürbaren Gewinnen. Kecskemét soll zur größten Mercedes-Fabrik Europas aufsteigen, mit doppelter Fläche und einer neuen Produktionslinie für die elektrische C-Klasse.
Werte in diesem Artikel
- Die Mercedes-Benz-Aktie gewinnt zweiten Tag in Folge
- Mercedes-Benz hat das Werk in Kecskemét ausgebaut und die Fläche verdoppelt
- Dort läuft nun auch die neue elektrische C-Klasse erstmals vom Band
Die Mercedes-Benz-Aktie zieht am Dienstag zeitweise um 2,07 Prozent auf 45,205 Euro an. Der Kurssprung folgt auf die Eröffnung des erweiterten Werks im ungarischen Kecskemét am Montag, zu der laut der offiziellen Pressemitteilung auch Produktionsvorstand Michael Schiebe Stellung nahm: "Mit der Werkserweiterung in Kecskemét erhöhen wir die Resilienz und Flexibilität unseres globalen Produktionsnetzwerks."
Kosten als Wettbewerbsvorteil
Wie das Unternehmen mitteilt, wuchs die Werksfläche in Kecskemét durch zwei neue Hallen für Karosserie- und Montagelinien von 200 auf 440 Hektar, ergänzt um ein zweites Presswerk, eine neue Lackiererei und eine Batteriemontage. Rund eine Milliarde Euro investierte der Konzern in den Ausbau. Källenius verwies laut dem finanzen.net-Artikel darauf, dass Fabriken wie die in Kecskemét ein Wettbewerbsvorteil seien, weil sie höchste Qualität mit höchster Kosteneffizienz verbinden. Die Produktionskosten in Ungarn liegen nach früheren Angaben von Finanzchef Harald Wilhelm rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau, weshalb Mercedes den Anteil der Fertigung in europäischen Niedriglohnländern von 15 auf 30 Prozent verdoppeln will.
C-Klasse startet, Digitaltechnik zieht ein
Kernstück der Erweiterung ist der Produktionsstart der elektrischen C-Klasse, die in Kecskemét erstmals ein batterieelektrisches Modell aus dem Volumensegment darstellt. Neben der bereits gefertigten A-Klasse und dem SUV GLB soll künftig auch eine kompaktere Version der G-Klasse ausschließlich dort entstehen, während auch der GLC dem Werk zufallen könnte. Digital unterlegt wird die Fertigung durch das Produktionssystem MO360 und einen digitalen Fabrikzwilling: Laut der Pressemitteilung hat Mercedes-Benz erstmals eine komplette Montagehalle im NVIDIA Omniverse abgebildet, um Produktionsschritte virtuell zu simulieren und abzusichern.
Aktie bleibt trotz Rückenwind unter Druck
Der Kursausschlag zeigt, dass die Standortnachricht bei Anlegern ankommt, denn das Papier des unter Druck stehenden Autobauers legt bereits den zweiten Tag in Folge zu - getrieben von der Nachrichtenlage rund um das Werk in Kecskemét.
Für die Bewertung der Aktie zählt am Ende allerdings, ob die verdoppelte Kapazität von bis zu 400.000 Fahrzeugen pro Jahr tatsächlich in höhere Auslastung und bessere Margen übersetzt wird, gerade weil Kecskemét damit rechnerisch zur größten Mercedes-Fabrik Europas aufsteigen könnte. Die Ankündigung, den Niedriglohn-Anteil an der Fertigung zu verdoppeln, unterstreicht zudem den strukturellen Spardruck, unter dem der Konzern seit geraumer Zeit steht.
Ob der GLC tatsächlich zusätzlich in Kecskemét vom Band läuft und wie schnell die elektrische C-Klasse hochläuft, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen und ist der nächste Beobachtungspunkt für die Aktie.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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