Novo Nordisk-Aktie aufgrund enttäuschender Umsatzziele tiefrot - neue Medikamente geplant
Novo Nordisk beabsichtigt, in den nächsten Jahren mehrere neue Blockbuster-Medikamente auf den Markt zu bringen - doch die am Kapitalmarkttag verkündeten Umsatzziele enttäuschen.
Dies ist Teil eines neuen Plans zur Wiederbelebung des Wachstums, den der Hersteller von Ozempic am Montag auf einer Investorenveranstaltung in London vorstellte. Neben mindestens fünf neuen "Multi-Blockbustern" strebt das Unternehmen an, bis 2030 mindestens fünf neue Medikamente gegen Adipositas und Diabetes sowie eine ähnliche Anzahl von Präparaten in anderen therapeutischen Bereichen in späten Studienphasen (Phase III) zu führen.
Zudem peilt der Konzern für 2035 einen Umsatz von über 150 Milliarden Dänischen Kronen mit Medikamenten aus seiner Entwicklungspipeline an. Im Jahr 2025 belief sich der Gesamtumsatz des Unternehmens auf 309,06 Milliarden Kronen.
CEO Mike Doustdar sagte auf der Veranstaltung, dass das Unternehmen zwar sein Diabetes-Portfolio weiter stärken und die Adipositas-Pipeline ausbauen werde, es jedoch "auch an der Zeit ist, das Unternehmen weiter zu diversifizieren". Novo Nordisk werde versuchen, künftige Wachstumsfelder in den Bereichen Blut- und Endokrinstörungen, Lebererkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufzubauen, so Doustdar.
Novo Nordisk bleibt bei Umsatzzielen hinter den Erwartungen zurück
Der Pharmakonzern Novo Nordisk hat mit seinen mittelfristigen Wachstumsambitionen enttäuscht. Zwar will das Unternehmen bis 2030 aus eigener Kraft im Schnitt pro Jahr genauso schnell wachsen wie die Konkurrenz und die operative Marge mit Blick auf 2030 weitgehend stabil halten. Anleger hatten sich von dem Kapitalmarkttag am Montag aber ehrgeizigere Umsatzziele erhofft und zudem von Unternehmenschef Mike Doustdar konkrete Sanierungspläne erwartet, nachdem der dänische Arzneimittelhersteller seine Führungsposition auf dem boomenden Markt für Abnehmmedikamente an den US-Konkurrenten Eli Lilly & Co verloren hatte.
"Wir müssen härter arbeiten, und das werden wir auch", sagte Doustdar bei der Veranstaltung in London. Novo werde sowohl Übernahmen prüfen als auch den Ausbau der eigenen Pipeline vorantreiben. In der Präsentation fehlten jedoch Details, was genau das Wachstum ankurbeln soll. Laut Mitteilung will Novio bis 2030 mehr als fünf Produkte mit Umsätzen in Milliardenhöhe auf den Markt bringen.
Um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen, hat Doustdar bereits Arbeitsplätze gestrichen und Novo ein härteres Auftreten im Wettbewerb auferlegt.
Das Unternehmen musste eine Reihe von Rückschlägen bei klinischen Studien hinnehmen. Dies hat einige Investoren dazu veranlasst, zu hinterfragen, wie erfolgreich Novo wachsen kann, während der Wettbewerb durch Generika für seine Blockbuster zunimmt. Für Ozempic und Wegovy läuft der Patentschutz in Europa und den USA Anfang des nächsten Jahrzehnts aus.
Novo-Medikament Cagrisema in Studie besser als Lilly-Konkurrenzprodukt
Novo Nordisk hat einen Studienerfolg mit seinem Abnehm- und Typ-2-Diabetesmedikament Cagrisema erzielt. Wie der dänische Pharmakonzern mitteilte, wurde in einer Studie der Phase 3 mit dem Medikament ein größerer Gewichtsverlust erzielt als mit dem Konkurrenzprodukt Zepbound von Eli Lilly.
Cagrisema, eine Kombination aus jeweils 1 Milligramm Cagrilintid und Semaglutid, hat laut Novo bei Patienten mit Typ-2-Diabetes nach 60 Wochen einen Gewichtsverlust von 12,4 Prozent erzielt. Dies steht im Vergleich zu einem Gewichtsverlust von 9,1 Prozent bei Patienten, die eine 5-Milligramm-Dosis Tirzepatid, den Wirkstoff in Zepbound, einnahmen.
In einer separaten Phase-3-Studie führte das Medikament laut Novo Nordisk in Woche 68 bei übergewichtigen oder fettleibigen Erwachsenen zudem zu einem Gewichtsverlust von 21 Prozent im Vergleich zu einem Placebo.
Die Ergebnisse, die auf einer Investorenveranstaltung in London vorgestellt wurden, sind wichtig für Novo Nordisk. Das Unternehmen hatte auf dem boomenden Markt für Medikamente zur Gewichtsreduktion an Boden gegenüber Eli Lilly verloren. Novo hatte zuvor auf der Veranstaltung erklärt, man plane als Teil eines Plans zur Wiederbelebung des Wachstums in den nächsten Jahren die Einführung mehrerer Blockbuster-Medikamente sowie die Expansion in neue Behandlungsbereiche.
Novo Nordisk-Aktie am Kapitalmarkttag unter Druck
Die Aktien von Novo Nordisk sind zu Wochenbeginn während des Kapitalmarkttages in London zwischenzeitlich um fast acht Prozent auf 260 Kronen abgesackt. Damit landeten die Papiere des dänischen Spezialisten für Diabetes- und Abnehmpräparate wieder auf dem tiefsten Niveau seit April. Letztlich lagen die Papiere noch mit 7,65 Prozent im Minus bei 260,00 DKK.
Bis 2030 werde zwar ein durchschnittliches Wachstum auf Augenhöhe mit der Konkurrenz avisiert, erklärte ein Marktteilnehmer. Das seien aber die Jahre vor der Patentklippe des Wirkstoffs Semaglutid, die ein wichtiger Sorgenfaktor bleibe. Die Skeptiker monierten zudem die Bewertung der Aktie.
Damit gab es dem Börsianer zufolge zunächst nichts, was die schon länger negative Grundstimmung bessert. Novo-Aktien haben seit Juni 2024 einen schweren Stand am Finanzmarkt. Damals waren sie im Zuge des Booms um Abnehmmedikamente und der massiven Rally der Novo-Nordisk- und Lilly-Papiere zeitweise über die Marke von 1.000 Kronen geklettert.
Mit einem Börsenwert von umgerechnet mehr als 500 Milliarden Euro war Novo Nordisk im Sommer 2024 das wertvollste Unternehmen Europas. In den Monaten und Jahren danach stürzte die Aktie wegen verfehlter Forschungserwartungen, eines massiven Preisdrucks auf dem US-Markt, der Aufholjagd der Konkurrenz und mehrerer Umsatz- und Gewinnwarnungen massiv ab. Derzeit liegt der Kurs fast 75 Prozent unter dem Rekordhoch.
Damit kommt das Unternehmen nur noch auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet rund 160 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Börsenwert des US-Konzerns Lilly zog seit Ende Juni 2024 um mehr als ein Viertel auf knapp 1,1 Billionen Dollar oder rund 940 Milliarden Euro an.
Analyst James Quigley von der Investmentbank Goldman Sachs monierte in seiner ersten Reaktion auf die Pressemeldung zum Kapitalmarkttag die unter den Markterwartungen liegende Gewinnmarge bis 2030 und fehlende Klarheit bezüglich des voraussichtlichen Tempos beim Patentauslauf von Semaglutid. Beides sei zunächst enttäuschend, auch wenn es im Verlauf der Veranstaltung noch Details geben könnte.
DOW JONES / dpa-AFX
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Bildquellen: Novo Nordisk
