Novo Nordisk-Aktie: Milliarden-Versprechen reichen nicht - jetzt zählt eine andere Währung
Nach dem Kapitalmarkttag am Montag will Novo Nordisk mit einem neuen Wachstumsplan verlorenes Anlegervertrauen zurückgewinnen.
Werte in diesem Artikel
- Novo Nordisk-Chef will Vertrauen nun Quartal für Quartal zurückgewinnen
- Ziele vom Kapitalmarkttag überzeugen Analysten bislang kaum
- Zukäufe sollen Lücken jenseits von Diabetes und Adipositas schließen
Nach dem enttäuschten Echo auf seine Wachstumsziele räumt der Chef von Novo Nordisk offen ein, dass dem Konzern das Entscheidende fehlt: das Vertrauen der Börse. Die Reaktion des Marktes belege, dass noch mehr Arbeit nötig sei, um dieses Vertrauen aufzubauen, sagte Mike Doustdar in einem Interview mit CNBC. Vertrauen entstehe über die Zeit, und zurückgewinnen lasse es sich nur mit finanziellen und wissenschaftlichen Ergebnissen, Quartal für Quartal. Für Anleger verschiebt sich damit der Maßstab: Die neue Strategie wird an Resultaten gemessen, nicht an Ankündigungen.
Warum die Ziele für 2030 an der Börse durchfallen
Auf dem Kapitalmarkttag am 21. September in London stellte der dänische Konzern bis 2030 mehr als fünf Markteinführungen mit Potenzial für Milliardenumsätze in Aussicht. Bis 2035 soll die Pipeline risikoadjustiert mehr als 150 Milliarden Dänische Kronen umsetzen, umgerechnet rund 23 Milliarden US-Dollar, bestehende Kandidaten eingerechnet. Zwischen 2026 und 2030 soll der Umsatz so schnell wachsen wie bei einer Gruppe großer Pharmakonzerne, zu der auch Eli Lilly zählt. Genau hier liegt der Haken: Von einem Unternehmen, das über Jahre schneller als die Branche wuchs, hatten Investoren mehr erwartet. Die Aktie ging nach der Präsentation auf Talfahrt. Auch am Donnerstag sind jedoch knappe Gewinne zu sehen: An der Börse in Dänemark geht es zeitweise um 0,22 Prozent auf 252,8 DKK nach oben.
Wie CNBC berichtet, vermissten die Analysten von Barclays neue Angaben, die das Vertrauen stärken könnten. Jefferies kam zu dem Schluss, der Kapitalmarkttag habe den Wachstumspfad weder abgesichert noch einen strategischen Neustart gebracht. Rückenwind verspricht auch der laufende Ausblick nicht: Im August 2026 hatte Novo Nordisk für das Gesamtjahr einen bereinigten Umsatz und ein bereinigtes operatives Ergebnis zwischen 6 Prozent unter Vorjahr und dem Vorjahresniveau in Aussicht gestellt, jeweils zu konstanten Wechselkursen.
Kehrtwende oder Fortsetzung des Kurses?
Heikel ist die neue Stoßrichtung auch, weil sie der Linie widerspricht, mit der Doustdar im August 2025 angetreten war. Damals verordnete er dem Konzern Vereinfachung und die Konzentration auf Diabetes und Adipositas. Nun sollen Erkrankungen von Blut, Hormonsystem und Leber sowie kardiovaskuläre Leiden hinzukommen. Den Vorwurf einer Kehrtwende weist der Konzernchef gegenüber CNBC zurück. Bei seinem Amtsantritt habe sich die Zahl früher Wirkstoffkandidaten außerhalb des Kerngeschäfts binnen drei bis vier Jahren vervierfacht, während die Kernpipeline praktisch stagnierte. Deshalb sei die Fokussierung richtig gewesen, und sie habe funktioniert. Jetzt sei es an der Zeit, das Feld wieder zu verbreitern.
Die Begründung ist schlüssig, beantwortet aber nicht die Kernfrage der Investoren. Jefferies hält CNBC zufolge das Portfolio trotz aller Pläne zur Diversifizierung weiter stark von Adipositas abhängig, und das, während der Patentschutz für Semaglutid näher rückt. Der Wirkstoff steckt in Ozempic und Wegovy und verliert Anfang der 2030er Jahre in wichtigen Märkten seine Exklusivität. Auch die Umbenennung in Novo und der Kulturwandel, die der Konzern am 14. September angekündigt hatte, ändern an dieser Abhängigkeit nichts.
Novo Nordisk öffnet die Tür für Übernahmen
Schneller als die eigene Forschung könnten Zukäufe Lücken füllen. In der CNBC-Sendung "Squawk Box Europe" sagte Doustdar, man wolle prüfen, wo Lücken bestehen und wer bessere Medikamente entwickelt habe oder kurz davor stehe, als Novo es allein könne. Lasse sich eine solche Lücke über Übernahmen schließen, sei der Konzern durchaus interessiert. Der Druck kommt vor allem vom US-Rivalen: Eli Lilly hat mit den Abnehmspritzen Mounjaro und Zepbound trotz des Starts Jahre nach Novo einen großen Teil des Marktes erobert.
Was die Novo Nordisk-Aktie jetzt beweisen muss
Doustdars Rezept klingt unspektakulär: nicht von der strategischen Richtung abweichen und die eigenen Erwartungen übertreffen. Gerade darin liegt der Test. Nach zwei Jahren Kursverfall sowie einer Serie klinischer Rückschläge und Wechsel an der Spitze misst der Markt Novo kaum noch an Zielen für 2030 oder 2035, sondern daran, ob das laufende Geschäft die gesenkten Erwartungen erfüllt.
Claudia Stephan, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Novo Nordisk, JHVEPhoto / Shutterstock.com
