SpaceX-Aktie oder Amazon: Wer gewinnt das Billionen-Dollar-Duell?
Die Bewertung von SpaceX nähert sich der von Amazon an - trotz deutlich geringerer Umsätze und anhaltender Verluste. Wer hat die Billionen-Bewertung wirklich verdient?
Werte in diesem Artikel
- SpaceX ist zeitweise fast so viel wert wie Amazon
- Die Investmentbank Stifel bewertet allein Starlink mit 1,25 Billionen Dollar
- Kritiker warnen vor der hohen Bewertung bei nur einem Zwanzigstel Umsatz
Seit dem NASDAQ-Debüt am 12. Juni 2026 schwankt die SpaceX-Aktie heftig, und genau diese Nervosität lenkt den Blick auf eine ungewöhnliche Parallele: Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk wird an der Börse zeitweise fast so hoch bewertet wie Amazon. So kam SpaceX vorübergehend sogar auf eine Marktbewertung von rund 2 Billionen US-Dollar, Amazon auf 2,6 Billionen US-Dollar. Auch wenn die SpaceX-Bewertung inzwischen wieder etwas unter diesem Spitzenwert liegt, gehört der Musk-Konzern weiterhin zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Der Unterschied zu Amazon liegt im Geschäft dahinter: Amazon setzte im vergangenen Jahr rund 717 Milliarden US-Dollar um und verdiente dabei 80 Milliarden US-Dollar operativ, SpaceX kam auf 18,7 Milliarden US-Dollar Umsatz und einen operativen Verlust von 2,6 Milliarden US-Dollar.
Bewertung trifft auf nackte Zahlen
Der Vergleich der Kennzahlen zeigt, wie weit beide Werte auseinanderliegen. Wie das US-Magazin Fortune analysiert, wird Amazon mit rund dem 3,6-Fachen des Jahresumsatzes und dem 28-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, SpaceX dagegen mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 97, bei einem Nettoverlust von 4,9 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr. Cerity-Partners-Stratege Jim Lebenthal bringt die Diskrepanz laut Fortunes auf den Punkt: SpaceX sei "unglaublich cool, aber im Moment maßlos überbewertet". Wer die Aktie kaufe, zahle im Grunde einen Amazon-Preis für ein Unternehmen mit einem Zwanzigstel des Umsatzes, ordnet Lebenthal ein. Harbor-Capital-Portfoliomanager Justin Menne verweist gemäß Fortune zudem auf Amazons gesicherten Auftragsbestand von 364 Milliarden US-Dollar, während SpaceX seine Kapazitäten erst noch profitabel machen muss.
Starlink trägt fast die halbe SpaceX-Bewertung
Ein Grund für die hohe Bewertung liegt im Satellitengeschäft. Starlink, SpaceX' Internetdienst über Satelliten, setzte im vergangenen Jahr 11,4 Milliarden US-Dollar um, ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem operativen Gewinn von 4,4 Milliarden US-Dollar und 39 Prozent Marge. Die Investmentbank Stifel bezifferte laut Fortunes allein Starlink auf 1,25 Billionen US-Dollar. Amazon holt mit seinem Satellitenprojekt Leo auf, kommt mit rund 330 aktiven Satelliten aber noch nicht an die etwa 9600 Starlink-Satelliten heran. Laut FactSet-Prognosen, die Lebenthal anführt und die von Fortunes aufgegriffen wird, muss SpaceX in den kommenden vier Jahren zudem rund 250 Milliarden US-Dollar an zusätzlichem Fremdkapital aufnehmen.
SpaceX-Aktie: Der Musk-Faktor kostet und bringt Geld
Ein Teil der Bewertung lässt sich nicht in Kennzahlen fassen. Menne beziffert den sogenannten Musk-Aufschlag nicht exakt, hält ihn aber laut Fortune für erheblich. Musk selbst hat für SpaceX bis 2030 einen Umsatz von 1 Billion US-Dollar in Aussicht gestellt, während Lebenthal die tatsächliche Erwartung für 2026 auf rund 40 Milliarden US-Dollar taxiert. Bei Amazon fehlt eine vergleichbare Personenabhängigkeit: Gründer Jeff Bezos ist seit 2021 nicht mehr operativer Chef und konzentriert sich nach eigenen Angaben zunehmend auf sein Raumfahrtunternehmen Blue Origin und die KI-Firma Prometheus. Wer auf Musk setzen will, aber Zweifel an der SpaceX-Bewertung hat, kann laut Dan Niles von Niles Investment Management alternativ auf Tesla ausweichen, wo Robotik und autonome Fahrzeugflotten näher an der Marktreife stehen als eine Mars-Kolonie.
Amazon-Aktie: Tech-Riese bleib im Cloud-Geschäft vorn
Auch beim Zukunftsfeld Rechenzentren zeigt sich der Abstand. Amazon Web Services setzte 2025 rund 128,7 Milliarden US-Dollar um und verdiente dabei 45,6 Milliarden US-Dollar operativ, bei einer Marge von 35 Prozent, im ersten Quartal 2026 wuchs der Bereich um 28 Prozent auf 37,6 Milliarden US-Dollar. SpaceX kam mit seiner noch jungen KI-Sparte 2025 auf 3,2 Milliarden US-Dollar Umsatz bei einem operativen Verlust von 6,4 Milliarden US-Dollar, im ersten Quartal 2026 standen 818 Millionen US-Dollar Umsatz einem Verlust von 2,5 Milliarden US-Dollar gegenüber. Niles ordnet das Geschäft daher eher auf dem Niveau kleinerer Anbieter wie CoreWeave ein, mit einem Jahresumsatz von rund 5 Milliarden US-Dollar und damit nicht auf Augenhöhe mit AWS.
Ob sich die hohe Bewertung von SpaceX rechtfertigt, wird sich vor allem daran entscheiden, wie schnell Starlink weiterwächst und ob die milliardenschwere Fremdfinanzierung der kommenden Jahre gelingt. Anleger, die die SpaceX-Aktie im Blick behalten, sollten deshalb besonders auf künftige Kapitalmarktrunden und die nächsten Quartalszahlen des Satellitengeschäfts achten.
Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 17.07.26 | SpaceX Outperform | Bernstein Research | |
| 14.07.26 | SpaceX Buy | Deutsche Bank AG | |
| 13.07.26 | SpaceX Outperform | Bernstein Research | |
| 09.07.26 | SpaceX Buy | UBS AG | |
| 07.07.26 | SpaceX Buy | Deutsche Bank AG |
