Tesla-Aktie im Bewertungsduell mit SpaceX: Was rechtfertigt den Milliardenabstand?
SpaceX wird deutlich höher bewertet als Tesla, obwohl der Raumfahrtkonzern nur einen Bruchteil des Umsatzes erzielt. Was rechtfertigt den Milliardenabstand?
Werte in diesem Artikel
- Börsenwert trennt beide Konzerne weit stärker als das Geschäft
- Starlink liefert operativ mehr als der gesamte Tesla-Konzern
- Tesla-Zahlentermin im Oktober könnte Debatte neu ausrichten
SpaceX bringt an der Börse fast 635 Milliarden US-Dollar mehr auf die Waage als Tesla, obwohl der Raumfahrt- und Satellitenkonzern nur gut ein Fünftel des Tesla-Umsatzes erzielt. Für Tesla-Anleger stellt sich damit die Frage, ob die Lücke eine Überbewertung von SpaceX oder eine Unterbewertung von Tesla widerspiegelt.
Die Bewertungslücke in Zahlen
Wie groß der Unterschied ausfällt, zeigt der Blick auf die Börsenwerte: Zum Schlusskurs am Donnerstag kam SpaceX an der NASDAQ auf etwa 2,115 Billionen US-Dollar, Tesla auf rund 1,48 Billionen US-Dollar.
Beim Umsatz ergibt sich dagegen ein umgekehrtes Bild. In den vergangenen vier berichteten Quartalen erzielte SpaceX rund 23 Milliarden US-Dollar, während Tesla auf 104 Milliarden US-Dollar kam. Die deutlich höhere Bewertung von SpaceX lässt sich also nicht mit einem größeren Umsatz erklären. Entscheidend sind vielmehr die Wachstumsaussichten und die Ertragskraft einzelner Geschäftsbereiche.
SpaceX-Aktie vs. Tesla-Aktie: Wachstum gegen Gewinn
SpaceX wächst schnell: Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz laut Unternehmen um 92 Prozent auf 7,81 Milliarden US-Dollar. Dennoch schrieb der Konzern unter dem Strich einen Nettoverlust von 541 Millionen US-Dollar. Über vier Quartale summiert sich der Verlust auf mehr als 8 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommt der enorme Investitionsbedarf: Die Investitionsausgaben (Capex) lagen im Quartal bei 18,37 Milliarden US-Dollar, davon entfielen 15,83 Milliarden US-Dollar auf KI.
Innerhalb des Konzerns sticht allerdings Starlink als Ertragsbringer hervor. Das Connectivity-Segment erwirtschaftete in vier Quartalen ein operatives Ergebnis von rund 5,3 Milliarden US-Dollar und damit mehr als Tesla insgesamt, das auf etwa 4,4 Milliarden US-Dollar kam. Im zweiten Quartal stieg die operative Marge von Starlink zudem auf etwa 39 Prozent. Damit steht einem verlustreichen, investitionsintensiven Gesamtkonzern ein Geschäft gegenüber, das bereits eine hohe operative Ertragskraft erreicht hat.
Tesla zwischen Investitionen und sinkenden Margen
Bei Tesla zeigt sich dagegen, wie stark die Investitionsphase auf die Profitabilität drückt. Die operative Marge sank im ersten Quartal 2026 auf 4,2 Prozent und im zweiten auf 1,4 Prozent. In der zweiten Jahreshälfte 2025 hatte sie noch bei 5,8 beziehungsweise 5,7 Prozent gelegen. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben für Sachanlagen auf 5,79 Milliarden US-Dollar, während der Free Cashflow mit minus 1,09 Milliarden US-Dollar negativ ausfiel. Tesla spricht selbst von der größten und aufregendsten Investitionsphase.
Auch beim Nettogewinn ist ein genauerer Blick nötig: Die 1,1 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal stützten sich zu etwa zwei Dritteln auf einen nicht realisierten Gewinn aus der SpaceX-Beteiligung, die Tesla im ersten Quartal 2026 für zwei Milliarden US-Dollar erworben hatte. Werden zusätzlich Steuereffekte von 274 Millionen US-Dollar herausgerechnet, bleiben vom Quartalsgewinn lediglich 77 Millionen US-Dollar übrig. Das operative Ergebnis lag bei 398 Millionen US-Dollar.
Trotz der schwächeren Profitabilität wird die Tesla-Aktie mit rund dem 165-Fachen des erwarteten Gewinns für 2027 gehandelt. Die hohe Bewertung setzt damit voraus, dass die geplanten Zukunftsgeschäfte an Bedeutung gewinnen. Als Wachstumsfelder nennt Tesla Robotaxi, das laut Tesla-Update vom Juli in sieben US-Metropolen lief, und das seit dem zweiten Quartal produzierte Cybercab.
Tesla muss den operativen Turnaround belegen
Für Tesla-Anleger kommt es deshalb darauf an, ob das Kerngeschäft die hohen Erwartungen an Robotaxis und künstliche Intelligenz tragen kann. Zwar übertraf Tesla im dritten Quartal 2026 mit 486.532 ausgelieferten Fahrzeugen die Analystenerwartungen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum gingen die Auslieferungen allerdings um 2,1 Prozent zurück.
Die am 21. Oktober anstehenden Quartalszahlen werden damit zum nächsten wichtigen Prüfstein. Sie müssen zeigen, ob sich die Entwicklung beim Absatz auch in besseren Margen und einem stabileren Cashflow niederschlägt. Erst dann lässt sich besser beurteilen, wie viel finanziellen Spielraum Tesla für seine Zukunftsinvestitionen hat.
Analysten sehen bei SpaceX mehr Kurspotenzial als bei Tesla
Die unterschiedlichen Erwartungen spiegeln sich auch in den Analysteneinschätzungen wider. Laut TipRanks liegen für SpaceX 34 Ratings vor, davon 27 mit der Einstufung „Buy“. Fünf Experten raten zum Halten der Aktie, zwei weitere sprechen eine Verkaufsempfehlung aus. Das durchschnittliche Kursziel von 215,72 US-Dollar signalisiert ein mögliches Aufwärtspotenzial von rund 34 Prozent.
Bei Tesla fällt das Analystenbild zurückhaltender aus. 17 Kaufempfehlungen stehen elf Halten-Ratings gegenüber, auch für den Elektroautobauer empfehlen zwei Analysten den Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 402,79 US-Dollar und damit ebenfalls über dem Schlusskurs vom Vortag. Das daraus abgeleitete Aufwärtspotenzial beträgt allerdings nur rund sieben Prozent.
Damit treffen zwei unterschiedliche Ausgangslagen aufeinander: SpaceX verbindet starkes Wachstum mit einem hohen Investitionsbedarf und Verlusten auf Konzernebene, während Tesla seine hohen Zukunftserwartungen angesichts sinkender Margen und eines schwachen Free Cashflows erst operativ untermauern muss. Die anstehenden Tesla-Zahlen dürften deshalb besonders wichtig für die Frage sein, ob das Kerngeschäft wieder mehr zur Bewertung beitragen kann.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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