Blasen-Debatte

IBM-Aktie nach historischem Crash: Wird der Ausverkauf zur Warnung vor der KI-Blase?


IBM-Aktie nach historischem Crash: Wird der Ausverkauf zur Warnung vor der KI-Blase?

Der größte Tagesverlust der Firmengeschichte hat die IBM-Aktie kalt erwischt und wirft eine Frage auf, die weit über das Unternehmen hinausreicht.

Werte in diesem Artikel

  • IBM-Aktie erlebte am Dienstag den größten Tagesverlust der Unternehmenshistorie
  • Oppenheimer stuft die Aktie auf Perform herab und strafft das Kursziel
  • Der Fall heizt die Debatte über eine mögliche KI-Blase weiter an
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Die IBM-Aktie hat am Dienstag einen Kursrutsch von rund 25 Prozent auf etwa 217 US-Dollar verzeichnet und damit den größten Tagesverlust ihrer Firmengeschichte hingelegt, nachdem sie zuvor noch bei rund 290 US-Dollar notiert hatte.

Auslöser war ein Brief von Vorstandschef Arvind Krishna an die Investoren, der schwächere Quartalszahlen einräumte. Am Mittwoch ging es an der NYSE um weitere rund 2,7 Prozent auf 211,20 US-Dollar bergab, nachdem Oppenheimer die Einstufung auf die neutrale Stufe Perform gesenkt und das zuvor bei 350 US-Dollar liegende Kursziel gestrichen hatte. Ein winziger Wermutstropfen: Am Donnerstag legt die Aktie vorbörslich an der NYSE stellenweise um 0,79 Prozent auf 212,86 US-Dollar zu.

Der Fall könnte dennoch über eine einzelne Aktie hinaus reichen: Denn er hat die Debatte neu entfacht, ob der Höhenflug rund um künstliche Intelligenz allmählich an seine Grenzen stößt.

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Der Brief, der die IBM-Aktie kippen ließ

In seinem Brief musste Krishna einräumen, dass IBM im zweiten Quartal 2026 nur vorläufige Zahlen liefern konnte, die deutlich unter den Erwartungen lagen. Der Umsatz stieg um rund 1 Prozent auf etwa 17,2 Milliarden US-Dollar und blieb damit rund 660 Millionen US-Dollar unter dem Analystenkonsens von 17,86 Milliarden US-Dollar.

"Wir haben nicht schnell genug reagiert", schrieb Krishna und begründete die Lücke mit Kunden, die ihre Investitionsbudgets kurzfristig in Richtung KI-Hardware wie Server und Speicherchips verschoben hätten, um sich gegen erwartete Preissteigerungen abzusichern. Die vollständige Zahlenvorlage samt Ausblick für das dritte Quartal ist für den 22. Juli angesetzt.

Oppenheimer sieht Schwächen im Softwaregeschäft

Oppenheimer-Analyst Param Singh verwies in seiner Studie darauf, dass IBM in praktisch allen Segmenten sowohl die eigenen Schätzungen des Hauses als auch den Marktkonsens verfehlt habe. Besonders schwach entwickelte sich das Softwaregeschäft mit einem Plus von rund 5 Prozent, während Oppenheimer zuvor ein Wachstum von 12 Prozent erwartet hatte. Auch das Infrastrukturgeschäft rutschte mit rund minus 7 Prozent stärker ab als die von Oppenheimer erwartete Spanne um minus 5 Prozent. Nach Einschätzung des Analysehauses dürfte es für IBM schwierig werden, ohne größere Zukäufe ein zweistelliges, währungsbereinigtes Softwarewachstum in den Jahren 2026 und 2027 zu erreichen.

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Wächst die Sorge vor einer KI-Blase?

Der Kurssturz hat eine Debatte neu befeuert, die weit über IBM hinausreicht. Der langjährige Kolumnist der Financial Times, Richard Waters, ordnete den Fall Medienberichten zufolge als Warnung für den gesamten IT-Sektor ein und brachte ihn mit den bereits im Frühjahr kursierenden Sorgen vor einer sogenannten "SaaSpocalypse" in Verbindung, dem Szenario, dass klassische Softwareanbieter durch die KI-Investitionen ihrer eigenen Kunden ausgebremst werden. Krishna selbst widersprach dieser Lesart im Gespräch mit dem US-Sender CNBC und erklärte, das eigene Softwaregeschäft werde "überhaupt nicht durch KI verdrängt". Die Wahrheit dürfte dazwischenliegen: Speicherchip- und Serverhersteller profitieren gerade von jenem Investitionsschub, der IBM belastet, was vor allem zeigt, wie ungleich der KI-Boom die einzelnen Glieder der Technologiebranche trifft.

Ob sich diese Lesart bestätigt, dürfte sich zeigen, wenn IBM die vollständigen Quartalszahlen und den Ausblick für das dritte Quartal vorlegt. Bis dahin bleibt offen, ob es sich um verschobene Nachfrage oder um einen dauerhaften Umbau der Investitionsprioritäten handelt. Wer die Aktie im Depot hält, sollte die hohe Schwankungsbreite im Blick behalten: Ein enttäuschender Ausblick könnte die Kursreaktion weiter verschärfen.

Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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Bildquellen: JuliusKielaitis / Shutterstock.com, Tomasz Bidermann / Shutterstock.com

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23.03.25 IBM Neutral JP Morgan Chase & Co.
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