Aktien von NVIDIA und AMD fallen: Kurssturz bei SK hynix weckt alte KI-Sorgen
Eine einzige Analystenprognose lässt SK hynix zweistellig abstürzen - und der Ausverkauf springt binnen Stunden auf NVIDIA, AMD und den gesamten Chipsektor über.
Werte in diesem Artikel
- SK hynix bricht in Seoul deutlich ein, US-Chipwerte geben nach
- Ein Analysehaus kappt die Gewinnprognose für das zweite Quartal spürbar
- Auch Samsung, Micron und Chip-Ausrüster geraten in den Ausverkauf hinein
SK hynix brach am Montag in Seoul um mehr als 15 Prozent ein, und der Ausverkauf greift binnen Stunden auf die gesamte Chipbranche über.
Vorbörslich trifft es auch die Aktien der Chip-Riesen NVIDIA und AMD. Sie geben an der NASDAQ zeitweise 1,44 Prozent auf 207,92 US-Dollar bzw. 2,47 Prozent auf 544,19 US-Dollar nach.
Zeitgleich gerät der Speicherchipsektor um Micron unter die Räder. Auslöser ist eine kräftig gesenkte Gewinnprognose für SK hynix, die den zuvor gefeierten Milliarden-Börsengang an der NASDAQ in den Hintergrund drängt.
Analysehaus kappt die Gewinnprognose
Grund für den Ausverkauf ist ein Bericht des Analysehauses Korea Investment & Securities. Es rechnet für das zweite Quartal nur noch mit einem operativen Gewinn von umgerechnet rund 40 Milliarden US-Dollar, gut 8 Prozent unter der bisherigen Konsensschätzung. Als Begründung nennt das Haus den im Branchenvergleich hohen Anteil von High Bandwidth Memory am Umsatz von SK hynix, ausgerechnet jenem Speichersegment, das Kunden wie NVIDIA beliefert und das zuletzt schwächer zulegte als der Gesamtmarkt.
Der Ausverkauf schwappt auf den ganzen Sektor über
Die Verkaufswelle trifft nicht nur den Auslöser selbst, sondern die komplette Halbleiter-Wertschöpfungskette. Grund ist die Sorge, dass sich die schwächere Preisdynamik bei Speicherchips auf die gesamten Investitionspläne der KI-Infrastruktur überträgt, von denen Chiphersteller und Halbleiter-Ausrüster gleichermaßen profitiert haben. Entsprechend gerät auch der Zulieferer Applied Materials unter Druck, der Fertigungsanlagen für die Speicher- und Logikchip-Produktion liefert. Der Auftragsfertiger Taiwan Semiconductor Manufacturing und der Lithografie-Spezialist ASML geben ebenfalls nach, da beide Konzerne noch in dieser Woche eigene Quartalszahlen vorlegen werden und Anleger ihre bisherigen Annahmen zum KI-Kapazitätsaufbau vorsorglich neu justieren.
Was das für NVIDIA und AMD bedeutet
Weder NVIDIA noch AMD stellen selbst Speicherchips her, trotzdem reicht eine einzelne Gewinnwarnung aus der Speicherbranche, um beide Kurse zu belasten. Der Grund liegt in der engen Verzahnung der KI-Lieferkette: Beide Chip-Riesen beziehen Speicherbausteine wie HBM von genau jenen Herstellern, deren Aussichten nun infrage stehen, und werden von Anlegern zunehmend als ein gemeinsamer KI-Handel gehandelt statt als einzelne Investment-Cases.
Ein schwacher Datenpunkt bei einem Zulieferer reicht damit aus, um die gesamte Bewertungskette kurzfristig unter Druck zu setzen. Ob es sich um eine Verschnaufpause oder den Beginn einer nachhaltigeren Neubewertung handelt, dürfte sich erst mit der vor der Tür stehenden Berichtssaison zeigen.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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