Infineon-Aktie gefragt: Comeback oder Bewertungsfalle? Was Anleger jetzt wissen müssen
Rekordquartal dank KI und Kursziele weit über dem Kurs: Steht die Infineon-Aktie vor einem Comeback oder droht eine Bewertungsfalle?
Werte in diesem Artikel
- Infineon-Aktie bleibt gefragt
- KI-Nachfrage trieb Umsatz in Q3 auf Rekordniveau
- Analysten sehen reichlich Luft nach oben
Die Infineon-Aktie gewann am Freitag im XETRA-Handel letztlich deutliche 4,95 Prozent auf 58,56 Euro und knüpfte damit an ihre jüngste Erholung an. Hinter dem kräftigen Kursplus steckte eine Wette: dass der Halbleiterkonzern seine von künstlicher Intelligenz getriebene Aufholjagd fortsetzt und die Aktie trotz der Rally noch nicht zu teuer ist.
KI-Nachfrage hievt den Umsatz auf Rekordniveau
Den Rückenwind liefert das Geschäft. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 30. Juni endete und Anfang August vorgelegt wurde, steigerte Infineon den Umsatz auf gut 4,17 Milliarden Euro, den höchsten Wert der Firmengeschichte und ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Treiber war die Sparte Power & Sensor Systems mit Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren, deren Erlöse um 34 Prozent zulegten. Die operative Segmentmarge kletterte auf 19,1 Prozent, nach 18,0 Prozent ein Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr stellt der Konzern rund 16,3 Milliarden Euro Umsatz in Aussicht, ein Wachstum von etwa 11 Prozent.
Analysten trauen der Infineon-Aktie mehr zu
Auch die Analysten sind zuversichtlich. Berenberg bekräftigte am Mittwoch das Kaufvotum und ein Kursziel von 100 Euro. Analystin Tammy Qiu rechnet damit, dass sich der Investitionszyklus in der Halbleiterbranche über 2028 hinaus fortsetzt, sieht KI-Chips weiter gut laufen und in anderen Bereichen Erholungssignale. Nach der jüngsten Kursschwäche sei der Einstieg attraktiv. Mit dieser Zuversicht steht das Haus nicht allein: Seit Ende August haben unter anderem Bernstein Research, die Deutsche Bank, Warburg und die DZ BANK ihre Kaufvoten bestätigt. Im Schnitt liegt das Kursziel laut TipRanks bei 85,50 Euro und damit deutlich über dem aktuellen Kurs, zwölf von 15 Analysten raten zum Kauf, drei zum Halten, keiner zum Verkauf.
Warum das Comeback auch eine Bewertungsfalle sein kann
So klar die Zahlen sind, so ambitioniert ist inzwischen die Bewertung. Nach einer Rally vom Frühjahr bis in den Sommer hinein, ist die Aktie zwar von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 89,72 Euro Anfang Juni wieder deutlich zurückgekommen, bewegt sich aber dennoch auf einem höheren Niveau, ein großer Teil der guten Nachrichten dürfte bereits im Kurs stecken. Vieles hängt zudem am KI-Zyklus: Das Wachstum stützt sich stark auf das Geschäft mit Rechenzentren, während das lange wichtigste Standbein Automotive im dritten Quartal nur um 3 Prozent zulegte und die Nachfrage nach Hochvolt-Bauteilen für Elektroautos gedämpft blieb. Kühlt der KI-Investitionszyklus ab oder bleibt das Autogeschäft schwach, könnte das die Aktie empfindlich treffen. Mehrjährige Liefervereinbarungen mit großen KI-Kunden bringen zwar Vorauszahlungen, erhöhen aber die Abhängigkeit von wenigen Abnehmern.
Ob aus dem Comeback mehr wird, entscheidet sich womöglich am 10. November, wenn Infineon voraussichtlich die Zahlen zum vierten Quartal und zum Geschäftsjahr vorlegt. Dann zeigt sich, ob die für das Schlussquartal in Aussicht gestellte Segmentmarge von rund 23 Prozent hält und ob die vom Management gemeldete Belebung im Autogeschäft Bestand hat.
Julia Walter, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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