electrovac: IPO mit Substanz und Defence-Fantasie

16.04.26 16:04 Uhr

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electrovac bringt eine seltene Kombination aus Technologieführerschaft, steigender Profitabilität und wachsender Defence-Exponierung an den Markt. Ein IPO, der das Nebenwertesegment eindeutig bereichert.

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Mit electrovac steht ein weiterer deutscher Spezialwert vor dem Börsengang. Das Unternehmen aus Salzweg will am 30. April 2026 im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse debütieren. Angeboten werden bis zu 4,76 Mio. Aktien, davon bis zu 3,84 Mio. aus einer Kapitalerhöhung, in einer Spanne von 7,80 bis 10,20 Euro. In der Mitte der Preisspanne entspricht das einer Marktkapitalisierung von rund 144 Mio. Euro.

Eine sicherheitskritische Nische

Operativ ist electrovac ein Spezialist für hermetische Glas-Metall-Gehäuse zum Schutz sicherheits- und systemkritischer Elektronik in Hunderten von unterschiedlichen Anwendungen. Die Produkte kommen unter anderem in Airbags, Gurtstraffern, der Raumfahrt sowie für militärische Zwecke, etwa in Munitionszündern, zum Einsatz. Die Kombination aus technischer Nische, hohen Eintrittsbarrieren und sicherheitskritischen Anwendungen sorgt für langjährige und stabile Beziehungen zu inzwischen weltweit mehr als 250 Kunden.

Das Wachstum wird vor allem von zwei Bereichen getragen. Im Segment Personal Safety profitiert das Unternehmen von steigenden Sicherheitsanforderungen im Automobilbereich und einer zunehmenden Elektrifizierung. Im Bereich Aerospace & Defense treiben höhere Verteidigungsausgaben und der Ausbau der Satelliteninfrastruktur die Nachfrage. Gerade dieses Geschäft gilt als besonders margenstark und gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Starke Zahlen

Auch die Zahlenentwicklung der letzten Jahre ist insgesamt überzeugend. Der Umsatz stieg von 85,2 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2022/23 auf 98,2 Mio. Euro im Jahr 2024/25. Das EBIT lag zunächst bei 5,7 Mio. Euro, fiel zwischenzeitlich zurück und erreichte zuletzt (2024/25) 9,1 Mio. Euro. In den ersten neun Monaten 2025/26 wurden bereits 85,9 Mio. Euro Umsatz und 10,5 Mio. Euro EBIT erzielt. Damit hat sich vor allem die Profitabilität deutlich verbessert. Lag die EBIT-Marge noch 2023/24 bei rund 5 Prozent, konnten zuletzt bereits 9,3 Prozent ausgewiesen werden. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 betrug die EBIT-Marge sogar mehr als 12 Prozent. Das passt zu den Aussagen des Managements, das mittelfristig bei 150 Mio. Euro Umsatz eine nachhaltige EBIT-Marge von 12 Prozent anpeilt. Im Investoren-Call berichtet das Unternehmen zudem von einer durchgehend über 1 liegenden Book-to-Bill-Ratio und einem hohen Auftragsbestand, der den für 2026/27 geplanten Umsatz bereits vollständig abdeckt. Auch die Bilanz wirkt solide. Die Eigenkapitalquote liegt bei fast 54 Prozent, die Finanzverbindlichkeiten sind überschaubar und werden durch positive Free-Cashflows flankiert.

Ausbau der Kapazitäten

Der Mittezufluss aus dem Börsengang, der sich bei Annahme eines Preises in der Mitte der Spanne netto auf bis zu 30 Mio. Euro belaufen dürfte, soll vor allem in den Ausbau der internationalen Produktionskapazitäten, die nach Unternehmensangaben in den Wachstumsbereichen derzeit voll ausgelastet sind, fließen. Geplant sind Investitionen in Thailand, der Aufbau lokaler Fertigung in China sowie eine stärkere Präsenz in den USA. Für den Schritt in die USA wird auch eine kleinere Akquisition erwogen.

Bewertung bei Planerreichung attraktiv

Bei einem Preis in der Mitte der Spanne läge die Marktkapitalisierung bei 144 Mio. Euro. Auf diesem Niveau beläuft sich das KGV des Jahres 2024/25 (Gewinn: 5,2 Mio. Euro) auf knapp 28. Allerdings wurde dieser Wert bereits in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 mit 7,2 Mio. Euro deutlich übertroffen, für das gesamte letzte Geschäftsjahr (per Ende März) erwarten die Analysten der emissionsbegleitenden Bank einen Gewinn von 8,9 Mio. Euro, was das KGV mit 16,2 bereits in einem deutlich freundlicheren Licht erscheinen lässt. Kann das für die Zukunft angestrebte Wachstum realisiert werden, bietet die Bewertung somit sicherlich weiteres Potenzial.

Attraktives IPO-Modell

Bemerkenswert ist das IPO diesmal aus Sicht der Privatanleger, die deutlich stärker berücksichtigt werden sollen als bei den jüngsten Börsengängen. Dazu können die Zeichnungsaufträge unabhängig vom eigenen Depot direkt über ein Zeichnungstool auf der Unternehmenswebsite erteilt werden.

Fazit

Unter dem Strich bringt electrovac vieles mit, was Kapitalmarktinvestoren an Nebenwerten schätzen: eine enge technologische Nische, hohe Eintrittsbarrieren und nachvollziehbare Wachstumsfelder. Positiv ist auch, dass die Gesellschaft nicht nur eine Story verkauft, sondern bereits heute profitabel arbeitet und operative Mittelzuflüsse generiert. Überzeugend wirken unseres Erachtens auch die Rahmenbedingungen des IPO. Auch wenn die Aktie auf Basis der Bookbuilding-Spanne kein klares Schnäppchen ist, ist sie im Vergleich mit anderen Werten mit einem signifikanten Footprint im Defence-Sektor doch attraktiv. Dies umso mehr auf Basis des für die kommenden Jahre geplanten Umsatz- und Gewinnwachstums.

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Autoren: Die SmartCaps-Redaktion. Über uns: Das Team von SmartCaps zählt seit mehr als zwei Jahrzehnten mit dem „Anlegerbrief“ zu den erfolgreichsten Nebenwerteinvestoren in Deutschland. Das Musterdepot des Anlegerbriefs hat seit 1999 eine Rendite von mehr als 3.231 Prozent oder 14,0 Prozent p.a. (Stand: 11.04.26) erzielt. Mehr dazu finden Sie hier.

Erstellung am 16.04.26 um 16:00 Uhr.

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