Broadcom-Schock verdaut? Aktien von AMD, Intel, Micron & Co. wieder auf der Gewinnerstraße

Nach dem Ausverkauf der vergangenen Tage greifen Anleger bei US-Halbleiterwerten wieder zu. Ob die Erholung trägt, dürfte sich allerdings erst mit den nächsten Unternehmenszahlen zeigen.
Werte in diesem Artikel
• Broadcom-Ausblick löste am Halbleitermarkt breite Verkäufe aus
• Erholung ohne neuen fundamentalen Auslöser
• Nächste Quartalszahlen könnten Richtungsentscheidung bringen
Der US-Chip-Sektor zeigte sich am Donnerstag wieder von seiner freundlichen Seite. Aktien von AMD gewannen an der NASDAQ letztlich 7,97 Prozent auf 488,45 US-Dollar, Intel legten 9,27 Prozent auf 116,96 US-Dollar zu, Marvell zogen um 11,13 Prozent auf 280,71 US-Dollar an, ON Semiconductor notierten 5,26 Prozent im Plus bei 115,96 US-Dollar und Micron stiegen schlussendlich um 11,66 Prozent auf 995,87 US-Dollar. Der Anlass war kein neuer Katalysator, sondern das Gegenteil: Die Woche zuvor hat dem Sektor über eine Billion Dollar Marktkapitalisierung gekostet, und Schnäppchenjäger greifen nun zu.
Broadcom-Schock sorgt für breite Verkäufe am Markt
Den Anstoß zum Sell-off gab Broadcom mit seinen Quartalsergebnissen vom 3. Juni. Der Konzern meldete Rekordumsätze von 22,2 Milliarden Dollar für das abgelaufene Quartal, ein Plus von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Doch die Guidance enttäuschte: Für das laufende Quartal stellt Broadcom AI-Chip-Umsätze von 16 Milliarden Dollar in Aussicht, während Analysten 17,2 Milliarden erwartet hatten. CEO Hock Tan hob den Ausblick für 2027 nicht an, obwohl der Markt genau darauf gewartet hatte. Die Folge war ein Kursrutsch von über 14 Prozent bei Broadcom, der die gesamte Chipbranche mitzog und auch in den Folgetagen Chipaktien immer wieder auf breiter Front unter Druck brachte.
Erholung mit Fragezeichen
Dass es am Donnerstag zu einer Gegenbewegung kommt, ist ein weiteres Kapitel in der volatilen jüngsten Geschichte von Halbleiteraktien, denn in dieser Woche hatten die Branchenvertreter bereits zuvor einen Erholungskurs eingeschlagen, nachdem bekannt geworden war, dass Alphabet den Konzern als Fertigungspartner für eigene Chips ausgewählt hatte und NVIDIA die Kapazitäten des Intel-Foundry-Geschäfts prüft - die Gewinnserie war aber nicht von Dauer.
Am Donnerstag ist es unterdessen kein konkreter Anlass, der die Aktien erneut auf die Gewinnerstraße bringt. Antreiber ist weiter die Bewertungskorrektur der Vorwoche: Wer etwa AMD vor dem Einbruch mit einem vorwärtsgerichteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 80 für teuer gehalten hatte, findet die Aktie nach dem Rückgang zugänglicher.
Fundamentale Lage bleibt stark
Unabhängig vom kurzfristigen Kurslärm haben sich die operativen Kennzahlen der Branche in den vergangenen Monaten deutlich verbessert, was sich auch in einer starken Kursentwicklung niederschlug: AMD hat seit Jahresbeginn mehr als 111 Prozent gewonnen, Intel liegt im gleichen Zeitraum rund 190 Prozent im Plus. Das macht Gewinnmitnahmen nach einem Enttäuschungsmoment strukturell wahrscheinlicher, aber spricht nicht zwingend für ein Ende der Rally.
Sektor bleibt unter Beobachtung
Der nächste harte Datenpunkt für den Sektor ist Microns Quartalsbericht am 24. Juni. Das Unternehmen hat für sein drittes Geschäftsquartal eine Bruttomarge von rund 81 Prozent und einen Gewinn je Aktie von 19,15 Dollar in Aussicht gestellt. Ob die Erholung der vergangenen Tage Bestand hat oder erneut dreht, dürfte sich an dieser Zahl entscheiden: Ein weiteres Rekordquartal würde die These stützen, dass der Einbruch Anfang Juni eine technische Übertreibung war. Verfehlt Micron die eigene Guidance, steht die gesamte Sektorbewertung einmal mehr zur Disposition.
Claudia Stephan, Julia Walter, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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