Geopolitik

Rheinmetall treibt autonome Verteidigungssysteme voran - HENSOLDT, RENK & TKMS im Blick


Rheinmetall treibt autonome Verteidigungssysteme voran - HENSOLDT, RENK & TKMS im Blick

Rheinmetall hat gemeinsam mit der britischen Armee ein Programm zur Erprobung autonomer Logistiksysteme abgeschlossen. Rüstungstitel bleiben aber aus anderem Grund im Fokus.

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  • Rheinmetall schließt mit der britischen Armee einen autonomen Logistik-Test ab.
  • Genutzt wurde das PATH-Kit auf dem Testfahrzeug White Pony.
  • Der deutsche Rüstungssektor bleibt volatil, SMAG ist jüngster Börsenneuling.
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Rheinmetall hat gemeinsam mit dem britischen Verteidigungsministerium ein zweiwöchiges Schulungsprogramm zur autonomen Logistik abgeschlossen, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Höhepunkt war demnach der erste autonome "UK HX"-Konvoi, den britische Soldaten selbst steuerten, ein Baustein für die Erprobung autonomer Systeme im Rahmen des Projekts "Convergence Capstone 6".

Erster autonomer Konvoi der British Army

Das Training fand über zwei Wochen bei der Combat Service Support Trials and Development Unit im englischen Aldershot statt und bereitete Soldaten der 8. Schwadron des 27. Regiments des Royal Logistic Corps auf die Teilnahme an "Convergence Capstone 6" vor, einer internationalen Übung in Fort Irwin, Kalifornien. Das Programm ist Teil von "Projekt MAIA", der Initiative der britischen Armee zur Erprobung autonomer Systeme für künftige Logistikoperationen. Die Soldaten übernahmen dabei die Rollen als Konvoi-Verantwortliche, Fahrer des Führungsfahrzeugs und Sicherheitsfahrer und durchliefen zunehmend anspruchsvollere Übungen im Gelände.

PATH-Kit macht Fahrzeuge autonomiefähig

Eingesetzt wurde das Entwicklungsfahrzeug "White Pony" auf Basis des HX2-Lkw, ausgestattet mit dem plattformunabhängigen autonomen Fahrsystem PATH (A-Kit) von Rheinmetall. Die Kombination aus Sensorik, KI-gestützter Navigation und Steuerungssoftware ermöglicht es bestehenden Fahrzeugflotten, sowohl einzeln als auch im Konvoi automatisiert zu fahren. Durchgeführt wurde das Programm gemeinsam von Rheinmetall-Teams aus Österreich, Großbritannien und Kanada.

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Rheinmetall von Analystenskepsis belastet

Eine kritische Bewertung des Portfolios von Rheinmetall durch die Analysten der Bank of America hat die Aktien des Rüstungskonzerns am Mittwoch zusätzlich belastet. BofA-Analyst Benjamin Heelan bemängelte zur Wochenmitte den starken Fokus von Rheinmetall auf das Geschäft mit Waffen und Munition. Dieses bleibe in den Planungen des Rüstungskonzerns bis 2030 noch immer die größte Sparte. Aus Sicht von Heelan verändert sich die moderne Kriegsführung allerdings zunehmend. Drohnen und Systeme für Präzisionsschläge rückten zulasten klassischer Artillerie in den Fokus. Auf diese modernen Systeme dürften sich also auch die Investitionen der Nato-Staaten konzentrieren.

Angesichts der Nato-Pläne für Luftverteidigung und autonome Systeme dürften die Risiken für die mittelfristigen Ziele von Rheinmetall im Munitionsgeschäft steigen, schlussfolgerte Heelan. Er setzte bei seinen Schätzungen für dieses Segment den Rotstift an. Wegen des Gesamtportfolios von Rheinmetall behielt der BofA-Analyst zwar seine Kaufempfehlung bei, kappte das Kursziel aber deutlich von 1.770 auf 1.300 Euro.

Nach dem zuletzt schlechten Lauf der Rheinmetall-Aktien würde das neue Kursziel zwar immer noch Aufwärtspotenzial von gut einem Drittel bedeuten. Das Rekordhoch bei 2.008 Euro aus dem Oktober 2025 ist jedoch in weite Ferne gerückt. Im Januar dieses Jahres konnten sich die Aktien dieser Bestmarke noch einmal nähern, seitdem geht es für den Rüstungskonzern aber schrittweise abwärts - obwohl neben dem Ukraine-Krieg mit dem Nahost-Konflikt ein weiterer Treiber für die Branche hinzugekommen ist.

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Bereits zu Monatsbeginn hatte Analyst David H Perry von der US-Bank JPMorgan auf schnelle Veränderungen in der Verteidigungstechnologie hingewiesen. Diese würden die Unsicherheit für Rheinmetall erhöhen, insbesondere wegen des Gewichts der Sparten rund um Waffen und Munition sowie Militärfahrzeuge. Zwar wage sich der Rüstungskonzern in neue Bereiche, unter anderem rund um Drohnen, Marineschiffe und sogar Satelliten. Hier habe Rheinmetall allerdings noch keine bedeutsame Tradition oder Erfahrung.

Jüngst musste Rheinmetall einen herben Rückschlag im neu zugekauften Marinegeschäft hinnehmen. Ende Juni beendete die Bundeswehr das Fregattenprojekt F126. Das beraube den Rüstungskonzern ausgerechnet seines "Kronjuwels", welches die Übernahme des Schiffsbauers Naval Vessels Lürssen (NVL) gerechtfertigt und die Prognosen für den Geschäftsbereich Marine bis 2030 untermauert habe, schrieb Jens-Peter Rieck vom Analysehaus MWB Research damals.

Rieck betonte außerdem, genau wie BofA-Analyst Benjamin Heelan, dass veränderte Prioritäten der Nato zum Problem für Rheinmetall werden könnten. Traditionelle Landstreitkräfte seien zwar immer noch wichtig, aber die Mittel flössen vor allem in Luftverteidigung, weitreichende Waffen, Drohnen und Überwachung. Daher strich er vor einer Woche sogar seine Kaufempfehlung für Rheinmetall.

Rüstungssektor bleibt in Bewegung

Die Meldung reiht sich in eine Phase ein, in der der deutsche Rüstungssektor unverändert im Fokus der Anleger steht. Die Aktien von RENK, HENSOLDT und TKMS zeigten sich zuletzt volatil, zwischen Großaufträgen, gestrichenen Beschaffungsprogrammen und wechselnden Analystenmeinungen. Erst am Montag sorgte der schwache Börsenstart des jüngsten Branchenneulings SMAG Mobile Antenna Masts für Gesprächsstoff: Die Aktie des Antennenmasten-Herstellers aus Salzgitter notierte zum Ausgabepreis von 46 Euro deutlich niedriger und schloss den ersten Handelstag rund 42 Prozent im Minus.

Im XETRA-Handel am Mittwoch notierten die fünf Werte mehrheitlich höher: Rheinmetall-Aktien verloren letztlich 0,39 Prozent auf 976,10 Euro und blieben damit deutlich unter der zwischenzeitlich zurückeroberten Marke von 1'000 Euro. RENK-Titel gewannen 1,35 Prozent auf 43,89 Euro, HENSOLDT notierte 0,87 Prozent höher bei 73,80 Euro und für TKMS-Aktien ging es 0,73 Prozent auf 81,70 Euro abwärts. Börsenneuling SMAG stemmte sich mit einem Plus von 9,83 Prozent auf 32,40 Euro gegen den übergeordneten Trend.

Geopolitik bleibt wichtiger Faktor

Ein einzelner, für alle fünf Werte gültiger Auslöser für die heutige Kursentwicklung lässt sich nicht eindeutig belegen. Der breitere Marktrahmen bleibt aber angespannt: Die USA griffen in der Nacht zum Mittwoch bereits die dritte Nacht in Folge Ziele im Iran an, nahmen die Seeblockade gegen iranische Häfen wieder auf und kündigten eine neue Gebühr auf Frachttransporte durch die Straße von Hormus an. Nach massivem, internationalem Protest (unter anderem von deutschen und internationalen Reedern, die vor einem Zusammenbruch des Welthandels warnten) ist Trump jedoch bereits wieder zurückgerudert. Gestern Abend wurde vermeldet, dass die USA diese geplante 20-Prozent-Abgabe vorerst doch nicht erheben wollen. Dieses unsichere geopolitische Umfeld hält die grundsätzliche Nachfrage nach Verteidigungswerten hoch, ohne dass sich daraus ein direkter Kausalzusammenhang zu den heutigen Kursbewegungen der einzelnen Aktien ableiten lässt.

Claudia Stephan, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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Bildquellen: Postmodern Studio / Shutterstock.com, Tobias Arhelger / Shutterstock.com

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10.07.26 Rheinmetall Buy Jefferies & Company Inc.
08.07.26 Rheinmetall Outperform Bernstein Research
08.07.26 Rheinmetall Buy Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
07.07.26 Rheinmetall Buy UBS AG
03.07.26 Rheinmetall Buy Deutsche Bank AG