HelloFresh: Shortseller treten den Rückzug an

29.06.26 12:31 Uhr

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HelloFresh springt kräftig an, obwohl es operativ keine neue Nachricht gibt. Der hohe Short-Anteil und der deutliche Rückgang der Leerverkaufspositionen liefern die wahrscheinlichere Erklärung. Für risikofreudige Anleger entsteht damit eine spannende, aber weiterhin fragile Turnaround-Spekulation.

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Die Aktie von HelloFresh hat seit Freitagmittag kräftig angezogen. Vom Tief aus gerechnet summierte sich das Plus in der Spitze auf rund 14 Prozent. Einen klaren fundamentalen Auslöser gibt es dafür allerdings nicht. Weder hat der Kochboxen-Anbieter neue Zahlen vorgelegt noch wurde die Prognose angehoben. Vieles spricht daher dafür, dass die Bewegung vor allem technisch und positionsgetrieben ist.

Shortquote rückt in den Mittelpunkt

Der wichtigste Erklärungsansatz ist die Shortselling-Situation. HelloFresh gehört weiterhin zu den am stärksten leerverkauften Aktien in Deutschland. Aktuell liegt die gemeldete Netto-Leerverkaufsquote bei knapp 8 Prozent, nachdem sie im Februar sogar noch bei fast 13 Prozent gelegen hatte. Besonders auffällig: Auf Sicht von sieben Tagen weist HelloFresh inzwischen den stärksten Rückgang der Shortquote unter den deutschen Aktien auf. Das spricht dafür, dass einige Leerverkäufer vorsichtiger geworden sind oder Positionen aktiv zurückfahren. In einem derart ausgebombten Titel kann schon diese Bewegung für kräftige Kurssprünge sorgen.

Berenberg als Stimmungsimpuls

Ein Impuls dafür könnte von Berenberg gekommen sein. Die Privatbank hat Mitte Juni ihr Kaufvotum bestätigt, bei einem leicht reduzierten Kursziel von 9 Euro. Darüber hinaus wurde jüngst gemeldet, dass Berenberg bei HelloFresh die Meldeschwelle von 3 Prozent überschritten hat und nun 5 Prozent hält. Das ist zwar keine operative Nachricht, kann bei einem stark gefallenen und stark geshorteten Wert aber dennoch als Vertrauenssignal gewertet werden. Gerade bei einer solchen Konstellation reicht ein solcher Impuls manchmal aus, um das Chance-Risiko-Profil für Leerverkäufer unattraktiver erscheinen zu lassen.

Fundamental bleibt es schwierig

Operativ ist der Turnaround aber noch nicht geschafft. Im ersten Quartal sank der Umsatz währungsbereinigt um 7,7 Prozent auf rund 1,7 Mrd. Euro. Das bereinigte EBITDA fiel von 58 Mio. Euro auf 23,6 Mio. Euro. Zwar verwies HelloFresh auf Sonderbelastungen durch Winterstürme in Europa und den USA, doch der Umsatzdruck bleibt deutlich sichtbar. Für 2026 erwartet das Unternehmen weiterhin einen währungsbereinigten Umsatzrückgang von 3 bis 6 Prozent und ein bereinigtes EBITDA von 375 bis 425 Mio. Euro.

Bewertung lockt, Bilanz bremst

Angesichts dieses EBITDA-Ziels wirkt die aktuelle Marktkapitalisierung von rund 575 Mio. Euro nicht mehr teuer. Allerdings ist diese Betrachtung nur die halbe Wahrheit. Denn die Verschuldung ist hoch, weswegen Standard & Poor’s die Bonität im Mai auf Junk-Status herabgestuft hat. Damit bleibt die Aktie anfällig, falls die operative Erholung länger dauert als erwartet.

Für Anleger ergibt sich eine spannende, aber spekulative Konstellation. Wegen des hohen Short-Anteils könnte sich eine Trendwende sprunghaft vollziehen. Genau diese Spekulation ist in den vergangenen Jahren allerdings wiederholt nicht aufgegangen. Ob es diesmal klappt? Auf Sicht der letzten drei Monate notiert die Aktie nach dem jüngsten Erholungsansatz immerhin nur noch minimal im Minus, was auf eine Stabilisierung hindeutet. Wer Risiko mag, könnte deswegen versuchen, das Timing-Spiel zu spielen. Für alle anderen gilt: Erst abwarten, bis sich die operative Stabilisierung klarer abzeichnet.

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Erstellung am 29.6.26 um 12:28 Uhr.

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