Rheinmetall-Aktie in Rot: Bundeswehr rügt Verzögerungen - so reagieren RENK, HENSOLDT und TKMS
Interne Unterlagen von Bundeswehr und Beschaffungsamt zeichnen ein kritisches Bild von zwei wichtigen Rüstungsprojekten bei Rheinmetall.
Werte in diesem Artikel
- Bundeswehr kritisiert Rheinmetall
- Radpanzerprogramm aus Australien gerät wegen Qualitätsmängeln in Verzug
- Rheinmetall widerspricht den Vorwürfen und nennt eigene Zeitangaben
Die Bundeswehr und das Beschaffungsamt BAAINBw üben laut einem Bericht des Wirtschaftsmagazins Capital scharfe Kritik an Rheinmetall. Sowohl beim Flugabwehrsystem Skyranger 30 als auch beim Radpanzerprogramm Schwerer Waffenträger Infanterie verzögere sich die Lieferung deutlich gegenüber der ursprünglichen Planung. Rheinmetall weist die Darstellung in Teilen zurück und nennt eigene, deutlich kürzere Verzugszeiten.
Skyranger verspätet sich um bis zu ein Jahr
Beim Flugabwehrsystem Skyranger 30 verschiebt sich die Abnahme des Flakpanzers laut Akten des Beschaffungsamts erheblich. Das BAAINBw teilte dem Magazin Capital mit, die unter Vertrag genommenen Skyranger 30 würden voraussichtlich ab Mitte 2027 ausgeliefert, ursprünglich sei der Lieferbeginn für Mitte 2026 avisiert gewesen. Die Bundeswehr habe keine verlässliche Kenntnis, was das System bis dahin leisten könne. In den Unterlagen heißt es, die Performance des Auftragnehmers sei stark verbesserungswürdig.
Rheinmetall widersprach der Darstellung auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Serienauslieferung werde insgesamt nur fünf Monate später abgeschlossen als ursprünglich geplant. Als Grund nannte das Unternehmen eine vom Kunden gewünschte Anpassung des Boxer-Fahrmoduls auf einen modernisierten Standard. Die vollständige Auslieferung der Serie finde planmäßig in den Jahren 2027 und 2028 statt, weitere Verzögerungen seien nicht zu erwarten. Das Skyranger-30-System kombiniert eine Präzisionskanone mit Flugabwehrraketen und gilt als zentraler Baustein der European Sky Shield Initiative; zahlreiche EU- und NATO-Staaten haben sich für die Lösung entschieden.
Radpanzer aus Australien mit Qualitätsproblemen
Auch beim Schweren Waffenträger Infanterie, einem gepanzerten Radfahrzeug für das deutsche Heer, gibt es laut einem Aktenvermerk Probleme. Deutschland hat 123 dieser Fahrzeuge bestellt, die in einem Rheinmetall-Werk in Australien gefertigt werden und rund 2,7 Milliarden Euro kosten sollen. Dem Vermerk zufolge ist mit einem Verzug von mindestens elf Monaten gegenüber dem Vertrag zu rechnen, als Gründe werden ungenügende Reife und Qualität genannt. Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte das australische Werk im März besucht.
Rheinmetall erklärte dazu, im Jahr 2025 sei bereits ein erstes Serienfahrzeug übergeben worden, bis Ende des Jahres seien 24 weitere Fahrzeuge geplant; einen vertraglichen Verzug von elf Monaten bestätige das Unternehmen nicht. Bereits im März hatte das Magazin Stern unter Berufung auf Bundeswehr- und Parlamentskreise über eine Verspätung der ersten Serienfahrzeuge um mindestens 16 Monate berichtet und eine mögliche Vertragsstrafe von bis zu 25 Millionen Euro ins Spiel gebracht; Rheinmetall bezifferte die Verzögerung damals schon mit nur fünf Monaten.
Rheinmetall-Aktie: Kursziele der Analysten trotz Kritik überwiegend unverändert hoch
Von 14 von TipRanks erfassten Analysten empfehlen zwölf die Aktie zum Kauf, zwei stufen sie neutral ein, ein Verkaufsvotum liegt nicht vor. Das mittlere Kursziel liegt bei 1.678,46 Euro, die Spanne reicht von 1.350 bis 2.300 Euro. RBC Capital vergab am Mitte August ein Buy-Rating mit Kursziel 1.600 Euro, Jefferies stufte die Aktie ebenfalls mit Buy und einem Kursziel von 1.350 Euro ein. J.P. Morgan sieht das Papier im August mit einem Hold-Rating und Kursziel von 1.350 Euro dagegen zurückhaltender.
Ob und wie Rheinmetall die Kritik von Bundeswehr und Beschaffungsamt in den kommenden Wochen ausräumt, dürfte auch die für den 5. November vorläufig terminierten Quartalszahlen prägen.
So reagieren die Rüstungsaktien
An der Börse notierte die Rheinmetall-Aktie am Freitag via XETRA letztlich 0,59 Prozent tiefer bei 1.155,40 Euro. Bereits im Frühjahr war das Papier unter Druck geraten, weil sich von Investoren fest eingeplante Umsätze aus Rüstungsaufträgen verzögerten. Die Frage, wie schnell die Branche prall gefüllte Auftragsbücher in Umsätze und Gewinne umsetzen kann, gilt seither als zentrale Größe für die Kursentwicklung der Rüstungswerte.
Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den deutschen Konkurrenten: Während die RENK-Aktie via XETRA schlussendlich 0,3 Prozent auf 47,82 Euro sank, notierten HENSOLDT-Titel 0,76 Prozent im Minus bei 89,30 Euro. TKMS fielen dagegen um 1,51 Prozent auf 91,60 Euro.
Bettina Schneider, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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