BMW-Aktie rot: Kräftige Prognosesenkung wegen China-Schwäche und Iran-Konflikt zieht auch Mercedes runter

Der Autobauer BMW kappt wegen der Krise am chinesischen Automarkt und der Folgen des Nahostkriegs seinen Jahresausblick deutlich.
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Für die Autosparte rechnet der DAX-Konzern in diesem Jahr nur noch mit einer operativen Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von 1 bis 3 Prozent, wie er am Dienstag nach Börsenschluss in München überraschend mitteilte. Bisher hatte das Management 4 bis 6 Prozent veranschlagt.
Das Papier hat im Haupthandel in diesem Jahr ohnehin schon mehr als ein Viertel an Wert eingebüßt. Auf Sicht von zwölf Monaten sieht es mit minus 8 Prozent weniger dramatisch aus. Im zweiten Halbjahr 2025 hatte die Aktie deutlich gewonnen. Aktuell ist BMW an der Börse zum jüngsten Schlusskurs knapp 42 Milliarden Euro wert.
Bisher war das Management unter dem alten Chef Oliver Zipse optimistisch, viel vom aktuellen Gegenwind in China und von höheren Zöllen kompensieren zu können. Der neue Chef Milan Nedeljkovic musste nun einräumen, dass die Lage noch weniger rosig ist als ohnehin befürchtet.
Auch den Vorsteuergewinn im Konzern schätzt der neue Konzernlenker nun niedriger ein: Er soll im Vergleich zum Vorjahr deutlich statt nur moderat sinken. Auch für den Barmittelzufluss im Autogeschäft werden die Bayern pessimistischer und rechnen jetzt nur noch mit mehr als 2,5 Milliarden Euro statt über 4,5 Milliarden Euro. Die Auslieferungen von Autos dürften 2026 leicht zurückgehen statt auf Vorjahresniveau zu bleiben.
Die negative Entwicklung im chinesischen Automarkt habe sich im zweiten Quartal weiter beschleunigt, hieß es zur Erklärung. Dies führe zu einem härteren Wettbewerb in China und in Ländern der Region Asien-Pazifik, dem sich BMW nicht entziehen könne. Auch der Konflikt im Nahen Osten belaste. Die hohen Energiepreise erhöhten die Kosten des Unternehmens, zudem drücke die Unsicherheit auf die Verbraucherstimmung. Im zweiten Quartal dürften Ergebnis und Mittelzufluss im Jahresvergleich deutlich sinken.
BMW will nun mit weiteren Struktur- und Effizienzmaßnahmen gegensteuern. Die Sparmaßnahmen würden erst in den Folgejahren sichtbar, würden aber das Ergebnis im zweiten Halbjahr 2026 einmalig belasten, hieß es. Wie genau das Sparen aussehen soll und an welchen Stellen es ansetzt, blieb zunächst offen.
Nedeljkovic betonte die positiven Aussichten der neuen Elektroautogeneration - diese gebe Schwung: "Mit der Neuen Klasse bringen wir in den nächsten beiden Jahren das stärkste BMW-Portfolio der Geschichte auf die Straße", sagte er. "Gleichzeitig werden wir unsere aktuellen Strukturen und Prozesse an die sich drastisch verschärfenden Marktbedingungen anpassen."
"Unsere unternehmerische Verantwortung gebietet es deswegen, dass wir unsere laufenden Maßnahmen nochmals deutlich intensivieren und beschleunigen", sagte der Manager. Bisher war BMW ohne einschneidende Personalmaßnahmen und Stellenstreichungen ausgekommen, während bei der Konkurrenz im Volkswagen-Konzern und auch bei Mercedes-Benz in großem Stil Jobs wegfallen.
BMW enttäuscht mit gekappter Prognose und reißt Branche mit
Nach deutlich reduzierten Jahreszielen von BMW sind die Aktien des Autokonzerns am Mittwoch auf den tiefsten Stand seit fünfeinhalb Jahren abgerutscht. Sie brachen via XETRA zunächst um 11,5 Prozent ein, konnten den Verlust im weiteren Handelsverlauf aber eindämmen auf letztlich minus 8,34 Prozent bei 62,24 Euro. Damit summiert sich der Kursrückgang im laufenden Jahr auf fast ein Drittel.
Der unerwartet eingetrübte Ausblick der Münchener belastete auch den europäischen Autosektor. So verbuchten die Papiere von Mercedes-Benz Verluste in Höhe von 4,36 Prozent bei 46,75 Euro, Volkswagen sank um 3,48 Prozent auf 86,54 Euro, während es für Stellantis letztlich um 3,04 Prozent auf 5,80 runter ging.
Wegen der Krise am chinesischen Automarkt und der Folgen des Nahostkriegs rechnet BMW für seine Autosparte in diesem Jahr nur noch mit einer operativen Gewinnmarge von 1 bis 3 Prozent. Bisher hatte das Management 4 bis 6 Prozent veranschlagt. Auch den Vorsteuergewinn im Konzern schätzt der neue Konzernchef Milan Nedeljkovic nun niedriger ein: Er soll im Vergleich zum Vorjahr deutlich statt nur moderat sinken. Die Auslieferungen von Autos dürften 2026 leicht zurückgehen, statt auf Vorjahresniveau zu bleiben.
Analyst Jose Asumendi von JPMorgan sprach von einem "Weckruf für die Autobranche". Aus seiner Sicht muss BMW seine Strategie im Kompaktsegment in China komplett überdenken. Hier seien momentan alle europäischen Premiumhersteller preislich nicht konkurrenzfähig.
Henning Cosman von Barclays attestierte eine "dicke Margenwarnung". Das schiere Ausmaß spreche dagegen, dass die gesenkten Geschäftsziele als entlastendes Großreinemachen empfunden werde.
Eine Kürzung der Ziele sei zuletzt bereits erwartet worden, nachdem sich die Aktie nur noch unterdurchschnittlich entwickelt und der Autobauer ein lang geplantes Analystentreffen mit dem Vorstandschef gestrichen habe, bemerkte Deutsche-Bank-Analyst Tim Rokossa. Das Ausmaß der Warnung falle aber erheblich größer aus als erwartet - und unglücklicherweise habe die Telefonkonferenz mehr Fragen hinterlassen als Antworten gegeben.
Eine kleine Beruhigungspille verteilte derweil Christian Frenes von Goldman Sachs. Denn immerhin sei die Ausschüttungspolitik unverändert geblieben. BMW habe die Möglichkeit, die Aktienrückkäufe angesichts der schwachen Kursentwicklung aufzustocken. Diesbezüglich könnten die Markterwartungen sogar zu niedrig liegen. Dennoch rechnet auch er mit deutlich sinkenden Gewinnschätzungen des Marktes.
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MÜNCHEN (dpa-AFX)
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