CoreWeave-Aktie höher: Neue Milliarden-Finanzierung für KI-Wachstum - Chance oder Belastung für Aktionäre?
CoreWeave greift über zwei Kanäle gleichzeitig nach frischem Kapital, während Cathie Woods ARK Invest den gestrigen Rücksetzer für deutliche Zukäufe nutzte.
Werte in diesem Artikel
- CoreWeave sammelt frisches Kapital über zwei Kanäle gleichzeitig ein
- ARK Invest nutzte Rücksetzer für Millionen-Zukauf
- Analysten bleiben trotz hoher Finanzierungskosten mehrheitlich optimistisch
CoreWeave, ein Anbieter von Cloud-Infrastruktur für KI-Anwendungen, treibt seine Kapitalbeschaffung voran und kündigte am Donnerstag eine Wandelanleihe über drei Milliarden US-Dollar sowie ein Aktienverkaufsprogramm über 35 Millionen Aktien an. An der NASDAQ legt die CoreWeave-Aktie zeitweise um 0,34 Prozent auf 80,15 US-Dollar zu, nachdem sie am Vortag noch um 4,16 Prozent abgerutscht war. ARK Invest, die Investmentgesellschaft von Starinvestorin Cathie Wood, hatte den vorangegangenen Rückgang indes bereits für einen größeren Zukauf genutzt.
Zwei Kapitalquellen an einem Tag angezapft
CoreWeave kündigte am Donnerstag gleich zwei Finanzierungsinstrumente parallel an. Die Wandelanleihe im Volumen von drei Milliarden US-Dollar richtet sich ausschließlich an qualifizierte institutionelle Käufer im Rahmen einer Privatplatzierung nach Rule 144A und läuft bis zum 1. April 2033, verzinst wird sie halbjährlich in bar. Erstkäufer dürfen zusätzlich bis zu 500 Millionen US-Dollar zeichnen. Bei einer Wandlung entscheidet CoreWeave, ob Gläubiger in bar, in Class-A-Aktien oder einer Kombination aus beidem bedient werden. Einen Teil der Mittel will das Unternehmen zum Schutz vor Verwässerung einsetzen, den Rest für den laufenden Geschäftsbetrieb.
Parallel dazu startete der Konzern auch ein Aktienverkaufsprogramm über den freien Markt für bis zu 35 Millionen Class-A-Aktien, begleitet unter anderem von Deutsche Bank, Goldman Sachs und JPMorgan. Beide Maßnahmen sind laut Unternehmen Teil der Bemühungen, ein Investment-Grade-Rating zu erreichen.
ARK nutzt Kursrücksetzer zum Kauf
Cathie Woods ARK Invest nutzte indes am Donnerstag den Kursrücksetzer der CoreWeave-Aktie und griff beherzt zu: Die Fondsgesellschaft kaufte insgesamt 239.083 CoreWeave-Aktien, davon 191.868 für den ARK Innovation ETF (ARKK) und 47.215 für den ARK Next Generation Internet ETF (ARKW). Insgesamt hatte die Transaktion einen Gegenwert von rund 19,1 Millionen US-Dollar.
Wachstum als Rechtfertigung, Analysten gespalten
CoreWeave begleitete die Kapitalaufnahme mit frischen Zahlen: So habe das Unternehmen seit 30. Juni neue Rechenkapazitäten zu höheren Preisen vertraglich gebunden. Es seien dabei kurzfristige Kundenverträge über drei bis sechs Monate zu einem annualisierten Preis von rund 40 Millionen US-Dollar pro Megawatt abgeschlossen worden. Die insgesamt kontrahierte Leistung stieg von 3,7 Gigawatt Ende Juni 2026 auf 4,2 Gigawatt Anfang August 2026. Darüber hinaus habe sich CoreWeave – wie bereits bei der Bekanntgabe der Ergebnisse für das zweite Quartal im August mitgeteilt – zu Beginn des dritten Quartals 2026 neue Kundenaufträge im Wert von mehr als 25 Milliarden US-Dollar (Netto-Auftragsvolumen) gesichert, die im Auftragsbestand zum 30. Juni 2026 noch nicht enthalten gewesen seien.
Auf der Plattform "Stocktwits" drehte die Retail-Stimmung zu CoreWeave binnen eines Tages von "bearish" auf "extrem bullish". In einer Umfrage der Plattform unter 966 Teilnehmern bevorzugten 41 Prozent CoreWeave gegenüber dem Wettbewerber Nebius, den 35 Prozent wählten, nachdem dieser eine Preiserhöhung für bestimmte GPU-Kapazitäten ab dem 1. Oktober 2026 angekündigt hatte. Elf Prozent der Teilnehmer wollten beide Aktien halten, 13 Prozent keine von beiden.
Bei den Expertenstimmen bleibt das Bild gemischt: Der Analystenkonsens aus 23 Häusern liegt bei Kaufen, mit 16 Kaufen, 6 Halten und einer Verkaufen-Einstufung sowie einem mittleren Kursziel von 143,57 US-Dollar. Zuletzt bekräftigten die Analysten von Rosenblatt Securities und Evercore ISI am Mittwoch ihre Kaufempfehlungen.
Was bedeutet das für Anleger?
Für Anleger bedeutet die doppelte Kapitalaufnahme zunächst, dass CoreWeave seine Finanzierung auf eine breitere Basis stellt und zusätzliches Kapital für den weiteren Ausbau seiner KI-Infrastruktur erhält. Das kann angesichts der hohen Nachfrage nach Rechenkapazitäten ein wichtiger Wachstumstreiber sein. Gleichzeitig müssen Aktionäre die mögliche Verwässerung im Blick behalten: Durch das Aktienverkaufsprogramm erhöht sich die Zahl der ausstehenden Aktien, während die Wandelanleihe bei einer späteren Wandlung ebenfalls zu einer Ausgabe neuer Aktien führen könnte.
Hinzu kommt die Verschuldung. CoreWeave benötigt hohe Summen, um Rechenzentren, GPUs und weitere Infrastruktur zu finanzieren, wodurch die Finanzierungskosten und die Abhängigkeit von einem anhaltend starken Wachstum steigen. Für Anleger ist daher entscheidend, ob es dem Unternehmen gelingt, die neu aufgenommenen Mittel in ausreichend profitable Kapazitäten umzusetzen und gleichzeitig seine Bilanz zu stärken.
Carolin Ludwig, Julia Walter, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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