Berichtssaison voraus: Diese zehn Aktien nimmt HSBC jetzt genau ins Visier
Zehn Kaufempfehlungen vor dem Start der Berichtssaison sollen breite Streuung bieten, doch die meisten Namen hängen am selben KI-Investitionszyklus.
Werte in diesem Artikel
- HSBC nennt zehn Kaufempfehlungen vor dem Start der Q2-Berichtssaison
- KI-Klumpenrisiko? Acht der zehn Titel hängen am selben Investitionszyklus
- Wells Fargo und AbbVie bilden die einzigen Ausnahmen vom KI-Muster
Kurz vor dem Start der US-Berichtssaison zum zweiten Quartal hat die britische Großbank HSBC ihre Favoritenliste offengelegt: zehn Aktien mit Kaufempfehlung, die Analystin Nicole Inui und ihr Team quer durch Technologie, Finanzen, Konsum und Industrie als potenzielle Outperformer einstufen.
Wie Investing.com berichtet, sollen die Titel Anlegern Zugang zu mehreren Wachstumsthemen zugleich verschaffen, während die Markterwartungen bereits hoch liegen. Genau darin steckt jedoch ein Problem: Die Auswahl wirkt breit gestreut, trägt in der Substanz aber vor allem eine einzige These durch die meisten Positionen.
KI-Ausbau bestimmt Großteil der Liste
Unter den genannten "Top-Picks" finden sich etliche Titel mit KI-Bezug wieder. So hängen insgesamt acht der zehn Titel vom selben Investitionszyklus ab.
Dabei führt Microsoft die Auswahl an: Der Ausbau von Azure gewinnt laut HSBC mit der Skalierung der Infrastruktur wieder an Fahrt, während Cross-Selling im Ökosystem die Kundenbindung stärkt und Marge sowie Gewinn pro Aktie stützen soll, trotz hoher Investitionsausgaben. Microsoft hat zudem einen 20-jährigen Stromabnahmevertrag mit Chevron für ein neues Rechenzentrum in West-Texas unterzeichnet.
Bei Alphabet setzt HSBC laut Investing.com auf ein widerstandsfähiges Kerngeschäft und ein sich beschleunigendes Cloud-Segment trotz Kapazitätsengpässen, gestützt auf die Modellreihe Gemini und eigene Chips. Amazon soll über AWS von steigenden KI-Ausgaben profitieren, eigene Chips und Partnerschaften mit Anthropic und OpenAI eingeschlossen, während Meta nach HSBC-Lesart vor allem über präziseres Anzeigen-Targeting und eigene Chips wächst.
Old Economy im Sog des Rechenzentrums-Booms
Auch abseits der genannten Techkonzerne setzt HSBC auf Unternehmen, die vom selben Investitionszyklus profitieren, ohne selbst Softwarekonzerne zu sein.
So soll Caterpillar von steigender Nachfrage nach Primärenergie und dem Ausbau von KI-Rechenzentren profitieren, nachdem der Baumaschinenhersteller den Geodaten-Spezialisten Skycatch übernommen hat. Vertiv gilt als führender Anbieter für Stromversorgung und Wärmemanagement in Rechenzentren, mit rund 80 Prozent des Umsatzes aus diesem Geschäft und der abgeschlossenen Übernahme des Wärmetechnik-Anbieters ThermoKey.
Auch Nextracker, mittlerweile als Nextpower firmierend und auf Solartechnik im Kraftwerksmaßstab spezialisiert, steht auf der Liste, gestützt auf Auftragsbestand und internationales Wachstum etwa in der MENA-Region (Naher Osten und Nordafrika). Marriott rundet das Bild ab: Das Hotelunternehmen soll von robuster Nachfrage im Premium-Segment und einem kapitalschonenden Franchise-Modell profitieren.
AbbVie und Wells Fargo als Gegenpol
Lediglich zwei Namen, die nicht auf den KI-Boom setzen, stechen aus der KI-lastigen Liste hervor: AbbVie und Wells Fargo.
Bei AbbVie verweist HSBC laut Investing.com auf die Wachstumsträger Skyrizi und Rinvoq sowie die Übernahme von Apogee als zusätzlichen Pipeline-Baustein bis in die 2030er Jahre hinein. Wells Fargo schließt die Liste mit einer sich verbessernden Nettozinsmarge, solidem Kredit- und Gebührenwachstum sowie hohen Aktienrückkäufen und notiert damit auf einem vergleichsweise nüchternen Bewertungsniveau von rund dem Elffachen der für 2027 erwarteten Gewinne. Der Unterschied zu den KI-nahen Positionen ist damit auch ein Bewertungsunterschied: Acht der zehn Titel hängen unmittelbar am Ausbau von KI-Rechenzentren als gemeinsamem Nenner, nur AbbVie und Wells Fargo bilden davon unabhängige Wetten.
Berichtssaison im Blick
Bereits am morgigen Dienstag eröffnen die großen US-Banken die Berichtssaison, so auch HSBC-Top-Pick Wells Fargo. Ob sich die These der britischen Investmentbank bestätigt, sich das Wachstum also über mehrere Sektoren verteilt, bleibt abzuwarten. Die kommenden Tage dürften bereits erste Hinweise liefern.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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