Welt-ETF

Xtrackers FTSE All-World: Erst seit April 2026 am Markt, aber schon jetzt der günstigste Weg, in den bekanntesten Welt-Index überhaupt zu investieren

13.07.26 08:45 Uhr

Xtrackers FTSE All-World UCITS ETF 1C (IE000L6ZMMC4) im Check: Kosten, Zusammensetzung und Vergleich zum Vanguard FTSE All-World | finanzen.net

Der brandneue Fonds ist deutlich günstiger als der etablierte Marktführer und enthält weniger als halb so viele Positionen, aber bringt trotzdem keine höhere Konzentration auf die Top-Werte mit sich.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Erst seit April 2026 am Markt, aber dafür der günstigste unter allen ETFs, die den FTSE All-World Index nachbilden.
  • Der Fonds hält weniger als halb so viele Positionen wie der große Vanguard-Konkurrent, und trotzdem hängt er nicht stärker von seinen zehn größten Werten ab, ein Muster mit einer einfachen technischen Erklärung.
  • Die bisherige Historie ist naturgemäß kurz, doch die Zusammensetzung liefert schon jetzt ein gutes Bild davon, was Anleger langfristig erwarten können.

Ein neuer Herausforderer für den etablierten Weltmarktführer

Mit dem Xtrackers FTSE All-World UCITS ETF 1C ist am 8. April 2026 ein neuer Fonds auf einen der bekanntesten Welt-Indizes überhaupt an den Start gegangen. Während sich um den FTSE All-World längst ein etablierter Markt aus milliardenschweren, jahrelang erprobten Fonds gebildet hat, muss sich dieser junge Herausforderer seinen Platz erst noch erarbeiten. Ein Blick auf die Kosten zeigt allerdings sofort, warum der Fonds trotz seiner kurzen Historie interessant sein könnte: Mit 0,07 Prozent laufenden Kosten pro Jahr ist er der günstigste unter allen verfügbaren FTSE All-World-ETFs, günstiger als der mit rund 45 Milliarden Euro Fondsvolumen weitaus größere und etabliertere Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Accumulating mit 0,19 Prozent, aber auch günstiger als die beiden Invesco-Varianten mit jeweils 0,15 Prozent und den ebenfalls sehr jungen iShares FTSE All-World UCITS ETF mit 0,12 Prozent. Das macht den Xtrackers-Fonds zu einer potenziell spannenden Alternative für Anleger, die ohnehin einen FTSE All-World-ETF im Depot haben oder aufbauen möchten und dabei besonderen Wert auf niedrige Kosten legen.

Wie der Fonds zusammengesetzt ist und gewichtet wird

Der Fonds bildet den FTSE All-World Index nach, der große und mittelgroße Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern weltweit bündelt und dabei nach Marktkapitalisierung gewichtet, größere Unternehmen erhalten also automatisch mehr Gewicht. Statt jede einzelne der weit über 4.000 Indexkomponenten zu kaufen, setzt der Fonds auf ein sogenanntes Optimiertes-Sampling-Verfahren: Er hält eine repräsentative Auswahl der Indexbestandteile, die statistisch möglichst genau die Rendite- und Risikoeigenschaften des Gesamtindex nachbildet, ohne jeden einzelnen, oft nur mit einem winzigen Bruchteil vertretenen Kleinstwert einzeln im Depot zu führen. Der Fonds thesauriert seine Erträge und ist mit einem Fondsvolumen von rund 52 Millionen Euro erwartungsgemäß noch ein sehr kleiner, junger Fonds im Vergleich zu etablierten Wettbewerbern.

Weniger Positionen, aber nicht mehr Konzentration: Wie das zusammenpasst

Auffällig ist ein Blick auf die Positionszahl: Der Xtrackers-Fonds hält mit 1.691 Werten deutlich weniger als die 3.739 Positionen des großen Vanguard-Konkurrenten. Man könnte daraus schließen, dass der Xtrackers-Fonds dadurch automatisch stärker auf seine größten Werte konzentriert sein müsste, schließlich verteilt sich das Fondsvermögen ja auf weniger Einzeltitel. Tatsächlich zeigt sich aber das Gegenteil. Die zehn größten Positionen des Xtrackers-Fonds vereinen mit 23,83 Prozent sogar einen minimal geringeren Anteil als die 24,07 Prozent beim Vanguard-Fonds. Die Erklärung liegt im Optimierten-Sampling-Verfahren selbst, das beide Fonds nutzen. Beim FTSE All-World-Index tragen die meisten der über 4.000 Indexmitglieder, insbesondere die vielen tausend kleinen Nebenwerte am unteren Ende des Index, jeweils nur einen verschwindend geringen Bruchteil zur Gesamtgewichtung bei. Ein Fonds, der diese lange Liste an Mikro-Positionen aggressiver zusammenfasst oder ganz herausfiltert, verliert dadurch kaum an Genauigkeit bei der Nachbildung des Gesamtindex, denn die weggelassenen Positionen wiegen einzeln kaum etwas. Die großen, schwergewichtigen Positionen an der Spitze des Index, wie NVIDIA oder Apple, muss dagegen jeder Fonds mit einer dem Index entsprechenden Gewichtung halten, unabhängig davon, wie aggressiv er beim Rest des Index samplet. Weniger Positionen bedeuten in diesem Fall also in erster Linie, dass ein größerer Teil des extrem langen Nebenwerte-Schwanzes wegoptimiert wurde, nicht, dass mehr Kapital in die Top-10-Werte umgeschichtet wurde. Für Anleger heißt das: Die geringere Positionszahl des Xtrackers-Fonds ist kein Nachteil bei der Risikostreuung im relevanten, gewichtsstarken Bereich des Portfolios.

NVIDIA, Apple und Microsoft: Die Schwergewichte im Fonds

Die zehn größten Positionen werden von NVIDIA mit 4,69 Prozent angeführt. Der Chiphersteller hat mit seinem neuen Nemotron-Modell zuletzt in Kombination mit dem LangChain-Framework für autonome KI-Agenten eine laut eigenen Angaben branchenführende Leistung erzielt, ein weiterer Baustein in der Strategie, die eigene Technologie über reine Recheninfrastruktur hinaus tief in KI-Softwareentwicklung zu verankern. Auf Platz zwei folgt Apple mit 4,10 Prozent. Der Konzern erhielt zuletzt mit 89 Emmy-Nominierungen eine Rekordzahl an Auszeichnungsnominierungen für seine Streaming-Produktionen, ein Beleg für die wachsende Bedeutung des Dienstleistungsgeschäfts rund um Apple TV+ neben dem klassischen Hardwaregeschäft. An dritter Stelle steht Microsoft mit 2,68 Prozent. Der Konzern hat kürzlich den Termin für die Veröffentlichung seiner nächsten Quartalszahlen bekanntgegeben (29. Juli 2026), für die Analysten nach der zuletzt erteilten Prognose von 86,7 bis 87,8 Milliarden US-Dollar Umsatz für das vierte Geschäftsquartal sowie einem weiterhin starken, wenn auch nicht mehr ganz so schnell wachsenden Cloud-Geschäft rund um Azure ausgehen. Dahinter folgen mit Amazon, Alphabet und Broadcom weitere bekannte Namen sowie mit dem Xtrackers MSCI India Swap UCITS ETF auf Rang neun eine bereits aus anderen Fonds bekannte Konstruktion. Auch hier wird die Indien-Position über einen hauseigenen Wrapper-Fonds abgebildet, der selbst wiederum zahlreiche indische Einzelaktien bündelt.

Fast identische Aufstellung: Was der Fonds mit dem Vanguard-Pendant gemeinsam hat

Abseits der Positionszahl und der leicht abweichenden Einzelgewichte ähneln sich beide Fonds stark. Regional dominieren die USA mit knapp 58 Prozent, mit deutlichem Abstand gefolgt von Japan mit 5,8 Prozent, Taiwan mit 3,4 Prozent und Südkorea mit 3,1 Prozent, eine Verteilung, die sich kaum vom bereits vorgestellten Vanguard-Fonds unterscheidet. Nach Sektoren führt Technologie mit knapp 32 Prozent, gefolgt von Finanzdienstleistungen mit etwa 14 Prozent und Industrie mit knapp 10 Prozent. Zur Rendite lässt sich aufgrund der erst rund drei Monate währenden Historie naturgemäß noch wenig sagen. Seit Auflage im April 2026 steht ein Plus von 12,1 Prozent zu Buche, der bisherige maximale Verlust liegt bei 3,4 Prozent. Belastbare Aussagen zu Volatilität oder Rendite-Risiko-Verhältnis über längere Zeiträume gibt es noch nicht. Da beide Fonds aber nahezu identisch aufgebaut sind und denselben Index verfolgen, ist auch eine sehr ähnliche langfristige Wertentwicklung wie beim etablierten Vanguard-Fonds zu erwarten.

Für wen sich der junge Xtrackers-ETF als Alternative eignet

Der Fonds eignet sich als möglicher Ersatz oder als Ergänzung für Anleger, die ohnehin in einen FTSE All-World-ETF investieren möchten und dabei die niedrigsten laufenden Kosten in den Vordergrund stellen. Wer dagegen Wert auf ein möglichst großes, liquides und über Jahre erprobtes Fondsvolumen legt, etwa aus Sorge vor einer möglichen Fondsschließung bei mangelndem Wachstum, ist mit dem etablierten und milliardenschweren Vanguard-Fonds bei nur geringfügig höheren Kosten weiterhin gut bedient. Da die Zusammensetzung beider Fonds nahezu identisch ist und auch die geringere Positionszahl des Xtrackers-ETFs, wie gezeigt, keine höhere Konzentration auf die Top-Werte bedeutet, spricht inhaltlich wenig gegen den jüngeren, günstigeren Fonds, solange Anleger die noch kurze Historie und die im Vergleich zu Vanguard geringere Fondsgröße akzeptieren können.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.

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