US-Energie-ETF

Fast jeder US-ETF wird von denselben Technologiekonzernen dominiert, dieser hier schließt sie komplett aus und setzt auf das genaue Gegenteil

10.07.26 14:00 Uhr

Xtrackers MSCI USA Energy UCITS ETF 1D (IE00BCHWNS19) im Check: Dividende, Risiko und Eignung als Tech-Gegengewicht | finanzen.net

Fast jeder US-ETF wird heute von denselben Technologiekonzernen dominiert, dieser Fonds klammert die Branche bewusst komplett aus und setzt stattdessen auf den US-Energiesektor.

Werte in diesem Artikel

Das Wichtigste in Kürze:

  • Während US-Technologiekonzerne fast jeden anderen US- oder Welt-ETF dominieren, taucht in diesem Fonds keine einzige dieser Aktien auf, ein bewusster Gegenentwurf zum sonst üblichen Depot.
  • Zwei völlig unterschiedliche Indexanbieter kommen bei diesem Sektor auf ein fast identisches Ergebnis, ein Muster, das sich aus der Struktur des US-Energiemarkts selbst erklärt.
  • Die aktuelle Eskalation an einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt betrifft die US-Förderer kaum direkt, treibt aber die Preise, von denen sie profitieren.

Wenn Technologie fast jeden US-ETF beherrscht: Was dieser Fonds bewusst anders macht

Ein Blick in fast jeden gängigen US- oder Welt-ETF zeigt dasselbe Bild: NVIDIA, Apple, Microsoft und einige weitere Technologiekonzerne stellen regelmäßig die größten Einzelpositionen, weil genau diese Unternehmen zu den wertvollsten börsennotierten Konzernen der USA zählen. Wer diese Technologielastigkeit im Depot gezielt ausgleichen möchte, ohne dafür auf Einzelaktien zurückzugreifen, kann stattdessen einen ETF wählen, der die Technologiebranche komplett ausklammert und stattdessen auf einen einzigen anderen Sektor setzt. Genau das tut der Xtrackers MSCI USA Energy UCITS ETF 1D. Er bildet den MSCI USA Energy 20/35 Custom Index nach, der ausschließlich große und mittelgroße US-Unternehmen aus der Energiebranche bündelt, das Gewicht des größten Einzeltitels ist auf 35 Prozent begrenzt, alle übrigen auf 20 Prozent. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig und schüttet seine Erträge halbjährlich aus, statt sie zu reinvestieren. Mit 0,12 Prozent laufenden Kosten pro Jahr ist er der günstigste unter allen verfügbaren US-Energie-ETFs, günstiger sowohl als der größte Wettbewerber, der iShares S&P 500 Energy Sector UCITS ETF mit 0,15 Prozent, als auch als spezialisiertere Produkte wie der VanEck Oil Services UCITS ETF mit 0,35 Prozent oder die beiden Invesco-Varianten auf US-Energieinfrastruktur mit jeweils 0,50 Prozent. Mit einem Fondsvolumen von rund 106 Millionen Euro ist der Fonds allerdings deutlich kleiner und weniger etabliert als der milliardenschwere iShares-Konkurrent.

Zwischen Straße von Hormus und Rechenzentren: Die aktuelle Lage im US-Energiesektor

Kaum ein Sektor ist derzeit so eng mit der Weltpolitik verknüpft wie der Energiemarkt. Seit Ende Februar 2026 eskaliert der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran, in dessen Verlauf der Iran zeitweise die Straße von Hormus blockierte, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports sowie ein ähnlich hoher Anteil des globalen Flüssiggashandels läuft. Der Ölpreis schoss in der Folge zeitweise auf über 120 US-Dollar je Barrel, seither hat sich die Lage mehrfach zwischen Waffenruhe und erneuter Eskalation bewegt, zuletzt mit neuerlichen amerikanischen Angriffen Anfang Juli 2026. Anders als Förderländer am Persischen Golf sind US-Produzenten kaum auf die Durchfahrt durch die Straße von Hormus angewiesen, profitieren aber über den international gekoppelten Ölpreis von den durch die Krise ausgelösten Risikoaufschlägen, ohne selbst dem physischen Lieferrisiko ausgesetzt zu sein. Über die aktuelle Krise hinaus sprechen mehrere strukturelle Faktoren für den Sektor. Der wachsende Strombedarf von KI-Rechenzentren treibt die Nachfrage nach Erdgas an, mehrere große US-Energiekonzerne bauen inzwischen gezielt gasbetriebene Kraftwerke, um Rechenzentren direkt mit Strom zu versorgen. Auch die US-Regierung setzt mit einer Politik der Förderausweitung auf einen wachstumsfreundlicheren Kurs für die heimische Öl- und Gasindustrie. Diesen Chancen stehen langfristige Risiken gegenüber, die nicht verschwinden. Dazu zählen die grundsätzliche Zyklik des Ölpreises, der in der Vergangenheit wiederholt zwischen Boom- und Baisse-Phasen wechselte, die schrittweise fortschreitende Energiewende mit wachsendem Anteil von Elektrofahrzeugen und erneuerbaren Energien, sowie die Abhängigkeit der Aktienkurse von politisch schwer vorhersehbaren Ereignissen wie eben der Lage am Persischen Golf.

Zwei Indexanbieter, fast dasselbe Ergebnis: MSCI USA Energy gegen S&P 500 Capped Energy

Auffällig ist, wie ähnlich sich der hier vorgestellte Fonds und sein größter Konkurrent trotz unterschiedlicher Indexanbieter tatsächlich sind. Der MSCI USA Energy 20/35 Custom Index, den der Xtrackers-ETF nachbildet, zieht sein Anlageuniversum aus dem breiten MSCI USA Index, der grundsätzlich alle großen und mittelgroßen US-Aktien unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu einem bestimmten Leitindex erfasst. Der S&P 500 Capped 35/20 Energy Index des iShares-Konkurrenten beschränkt sich dagegen ausschließlich auf Energiewerte, die auch Mitglied des S&P 500 sind, ein damit von vornherein engeres Universum. In der Praxis macht das kaum einen Unterschied, denn nahezu alle großen, liquiden US-Energiekonzerne sind ohnehin im S&P 500 vertreten. Mit 22 gegenüber 21 Positionen und nahezu identischer Gewichtung der Top-10-Werte unterscheiden sich beide Fonds deshalb nur in Nuancen, etwa darin, dass beim Xtrackers-ETF Marathon Petroleum knapp vor Valero Energy liegt, während es beim iShares-Pendant umgekehrt ist, oder dass Kinder Morgan beim einen und Baker Hughes beim anderen den zehnten Platz belegt. Auch die Bezeichnung der Gewichtungsgrenzen unterscheidet sich nur in der Reihenfolge der Zahlen, beide Indizes begrenzen den größten Titel auf 35 Prozent und alle übrigen auf 20 Prozent. Einen strukturellen Vorteil bietet damit weder der eine noch der andere Index, die Wahl zwischen beiden Fonds läuft im Kern auf Kosten, Fondsgröße und Ausschüttungspolitik hinaus, nicht auf eine überlegene Aktienauswahl.

Exxon Mobil, Chevron und ConocoPhillips: Die Schwergewichte im Fonds

Die zehn größten Positionen vereinen knapp 77 Prozent des Fondsvermögens. Mit Abstand größte Position ist Exxon Mobil mit knapp 29 Prozent. Der Konzern veröffentlichte zuletzt seine Zahlen für das erste Quartal 2026 und unterstrich damit erneut seine Position als einer der finanzstärksten Öl- und Gaskonzerne der Welt, mit einer seit über vier Jahrzehnten ununterbrochenen Historie steigender Dividenden. Auf Platz zwei folgt Chevron mit gut 16 Prozent. Der Konzern gab zuletzt eine Technologie-Lizenzvereinbarung mit ZL Chemicals für fortschrittliche chemische Tensid-Technologie bekannt, ein Beispiel für die zunehmende Diversifizierung großer Energiekonzerne über das klassische Fördergeschäft hinaus, unter anderem auch in Richtung Stromversorgung für Rechenzentren. An dritter Stelle steht ConocoPhillips mit knapp 7 Prozent. Der auf reine Förderung spezialisierte Konzern meldete zuletzt seine Zahlen für das erste Quartal 2026 zusammen mit der quartalsweisen Dividendenausschüttung und gilt im Branchenvergleich als besonders günstig bewertete Wette auf steigende Ölpreise. Dahinter folgen mit The Williams Companies, SLB, Marathon Petroleum, Valero Energy, EOG Resources, Phillips 66 und Kinder Morgan weitere etablierte Namen aus Förderung, Raffinerie und Pipeline-Infrastruktur.

Nahezu identische Wertentwicklung: Was der Vergleich zum iShares-Pendant zeigt

Über drei Jahre haben sich beide Fonds fast deckungsgleich entwickelt. Der Xtrackers-ETF kommt auf ein Plus von etwas mehr 41 Prozent, der iShares-ETF auf knapp 40 Prozent. Ein genauerer Blick zeigt dabei ein leicht asymmetrisches Muster. Im Jahr 2024 legte der Xtrackers-ETF mit 13,1 Prozent etwas stärker zu als der iShares-Fonds mit 11,8 Prozent, in den schwächeren Jahren 2023 und 2025 verlor der Xtrackers-ETF dagegen jeweils minimal mehr. Über fünf Jahre liegen beide mit rund 151 beziehungsweise 153 Prozent praktisch gleichauf. Wer von einer anhaltend starken Entwicklung des US-Energiesektors überzeugt ist, dürfte angesichts dieses Musters mit dem etwas günstigeren Xtrackers-ETF tendenziell leicht im Vorteil sein. Beim Risiko unterscheiden sich beide kaum. Die Volatilität der vergangenen drei Jahre liegt beim Xtrackers-Fonds bei ungefähr 23 Prozent, deutlich höher als bei einem breiten Welt-ETF, was die Konzentration auf ein einzelnes Land und einen einzelnen, stark rohstoffpreisabhängigen Sektor widerspiegelt.

Eine von nur zwei ausschüttenden Optionen: Die Dividende im Fokus

Von den sechs verfügbaren US-Energie-ETFs schütten nur zwei ihre Erträge aus, der hier vorgestellte Xtrackers-ETF und ein Angebot von Invesco, das mit 0,50 Prozent pro Jahr allerdings gut viermal so teuer ist. Für einkommensorientierte Anleger ist das ein klarer Vorteil des Xtrackers-Fonds. Die aktuelle Ausschüttungsrendite liegt bei 2,15 Prozent, wobei sie in den vergangenen Jahren schwankte, von 6,4 Prozent im Krisenjahr 2022 bis auf zuletzt 2,6 Prozent, ein Effekt, der maßgeblich mit den stark schwankenden Gewinnen der Ölkonzerne in unterschiedlichen Preiszyklen zusammenhängt.

Für wen sich dieser US-Energie-ETF eignet

Der Fonds eignet sich als gezielte Beimischung für Anleger, die ihr Depot bewusst gegen die in fast jedem anderen US- oder Welt-ETF verbreitete Technologielastigkeit absichern und stattdessen gezielt auf den US-Energiesektor setzen möchten, sei es aus Gründen der Diversifikation oder aus der Überzeugung heraus, dass Öl- und Gaskonzerne auch in den kommenden Jahren strukturell relevant und ertragsstark bleiben. Wer zusätzlich Wert auf regelmäßige Ausschüttungen legt, findet hier die günstigere der beiden verfügbaren ausschüttenden Optionen. Angesichts der hohen Volatilität, der starken Abhängigkeit von politischen Ereignissen wie der aktuellen Lage am Persischen Golf sowie der noch überschaubaren Fondsgröße und Marktetablierung eignet sich der Fonds aber nicht als alleiniger Grundbaustein, sondern als eine von mehreren möglichen Ergänzungen zu einem bereits breit gestreuten Basisinvestment.

[Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Die Konzentration auf einen einzelnen Sektor kann das Risiko im Vergleich zu breit gestreuten Fonds deutlich erhöhen.

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