Huawei-Aktie: Warum die Preiserhöhung bei KI-Chips Chinas Plan gegen NVIDIA gefährdet
Huawei hat den Preis seines Spitzenchips Ascend 950DT binnen weniger Monate drastisch angehoben, was Chinas Plan gegen NVIDIA neu unter Druck setzt.
Werte in diesem Artikel
- Huawei treibt Preise für Top-KI-Chip Ascend 950DT deutlich nach oben
- Globaler Mangel an Speicherchips setzt Chinas Halbleiterbranche zu
- Fachredaktion ordnet Vorstoß gegen NVIDIA als gefährdet ein
Huawei hat den Richtpreis für seinen fortschrittlichsten KI-Beschleuniger Ascend 950DT binnen weniger Monate um bis zu 60 Prozent angehoben.
Experten zufolge bremst der Schritt Pekings Plan, heimische Chips nachhaltig als Ersatz für NVIDIA-Hardware zu etablieren, denn ausgerechnet die eigenen Prozessoren werden dadurch teurer statt günstiger. Auslöser ist ein globaler Engpass bei Speicherchips, der die gesamte chinesische Halbleiterbranche belastet.
Preissprung bei Huaweis Ascend 950DT
Konkret hat Huawei den Richtpreis für seinen KI-Beschleuniger Ascend 950DT innerhalb von nur drei Monaten um rund 60 Prozent auf etwa 250.000 Yuan je Einheit, umgerechnet rund 37.300 US-Dollar, angehoben. Damit liegt der Chip preislich nun auf dem Niveau von NVIDIAs B200-Beschleuniger, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person Bloomberg mitgeteilt habe. Beide Hersteller verkaufen ihre Prozessoren in Chargen von acht oder mehr Einheiten, wobei der tatsächliche Preis je nach Bestellgröße und Zusatzausstattung wie Netzwerktechnik schwankt.
Reuters bezifferte den Anstieg gegenüber Angeboten von vor rund zwei Monaten je nach Vertragsbedingungen auf 20 bis 50 Prozent. Auch ältere, weniger leistungsstarke Modelle wurden teurer: Der Ascend 950PR stieg von rund 60.000 Yuan Anfang (rund 9.000 US-Dollar) 2026 auf über 80.000 Yuan (rund 12.000 US-Dollar), die Karte Ascend 910C von rund 90.000 (rund 13.400 US-Dollar) auf über 110.000 Yuan (rund 16.400 US-Dollar). Der Marktstart des Ascend 950DT ist weiterhin für das vierte Quartal 2026 vorgesehen.
HBM-Engpass trifft die ganze Branche
Als Grund für die Preisanhebung nennt Huawei eine globale Knappheit an High-Bandwidth-Memory, jenem Speichertyp, der KI-Beschleuniger antreibt. Der Markt für hochentwickelten HBM-Speicher wird von den südkoreanischen Anbietern Sk hynix und Samsung Electronics sowie von Micron Technology aus den USA dominiert. Huawei setzt eigenen Angaben zufolge firmeneigene Speicherstapel namens HiBL 1.0 und HiZQ 2.0 ein, ohne offenzulegen, wo dieser Speicher gefertigt wird.
Der Wettbewerber Cambricon Technologies erhöhte den Richtpreis für seinen geplanten 690-Chip um 20 bis 30 Prozent, die kleineren Anbieter MetaX und Iluvatar CoreX passten ihre Preise ähnlich an. Iluvatar CoreX verdoppelte zugleich die für 2026 geplanten GPU-Lieferungen an ByteDance auf rund 100.000 Einheiten. Trotz der höheren Preise plant DeepSeek den Einsatz von mindestens 160.000 Ascend-950DT-Beschleunigern in einem Rechenzentrumsprojekt in der Inneren Mongolei, was auf anhaltende Nachfrage nach chinesischen NVIDIA-Alternativen hindeutet.
Rückschlag im Duell mit NVIDIA-Aktie
Die Redaktion von ComputerBase hat die Preiserhöhung als möglichen Rückschlag für Chinas Chipambitionen eingeordnet: Weil Huaweis Chips umgerechnet nicht mehr günstiger seien als NVIDIA-Hardware, könnte dies erneuten Schmuggel von NVIDIA-Grafikkarten über Umwege wie Malaysia und Singapur nach China befeuern, da selbst ältere Hopper-Chips leistungsfähiger seien als Chinas neueste Modelle.
Den regulatorischen Rahmen bildet eine Regel des US-Handelsministeriums von Mitte Januar, wonach Exportlizenzanträge für NVIDIAs H200 und AMDs MI325X künftig im Einzelfall geprüft werden, sofern bestimmte Sicherheitsauflagen erfüllt sind. Die Regel folgt auf eine Ankündigung von Präsident Trump vom Dezember 2025, wonach H200 und ähnliche Chips an genehmigte Kunden in China geliefert werden dürfen. Vor diesem Hintergrund versucht Huawei, sich trotz steigender eigener Kosten als Alternative zu positionieren.
Huaweis Preiserhöhung beim Ascend 950DT wird zur Mutprobe für die KI-Position der Anleger - hält die Kundenbindung oder profitiert am Ende NVIDIA?
Ob der Preisschub Huaweis Position im Wettstreit mit NVIDIA tatsächlich schwächt, dürfte sich mit dem angekündigten Marktstart des Ascend 950DT im vierten Quartal zeigen. Bis dahin bleibt offen, ob die Nachfrage großer Kunden wie DeepSeek stark genug bleibt, um die höheren Preise zu verkraften, oder ob Käufer verstärkt auf importierte NVIDIA-Hardware ausweichen.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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