Broadcom-Aktie legt zu: Geplante Milliardenfinanzierung für KI-Chips sorgt für Aufsehen
Broadcom soll aktuell mit Kreditgebern über mehr als 60 Milliarden US-Dollar neue Schulden verhandeln. Das Geld soll in den Ausbau der KI-Chip-Kapazitäten fließen.
Werte in diesem Artikel
- Kreditgeber sollen für milliardenschweren KI-Chip-Deal gewonnen werden
- Blackstone und Apollo Global Management prüfen offenbar erneute Beteiligung
- Analysten bleiben für Broadcom-Aktie zuversichtlich
Broadcom verhandelt Reuters zufolge über eine Finanzierung im Volumen von mehr als 60 Milliarden US-Dollar, die den Ausbau von KI-Chip-Kapazitäten absichern soll. Die Details der Vereinbarung sind derzeit jedoch noch offen. Die Broadcom-Aktie legt am Freitag im NASDAQ-Handel dennoch zeitweise um 0,8 Prozent auf 366,93 US-Dollar zu.
Broadcom sucht Milliarden für den KI-Ausbau
Der Halbleiter- und Infrastruktursoftware-Konzern Broadcom verhandle mit einer Gruppe von Kreditgebern über die Beschaffung von mehr als 60 Milliarden US-Dollar an Fremdkapital, heißt es unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Die Finanzierung solle laut dem Bericht Investitionen in KI-Chip-Kapazitäten absichern, wovon unter anderem Firmen wie Anthropic profitieren könnten. Die Struktur der Vereinbarung könnte eine nachrangige Schuldentranche von rund 30 Milliarden US-Dollar umfassen, während Broadcom zusätzlich einen Teil einer vorrangig besicherten Tranche garantieren würde, die zwischen 60 und 70 Milliarden US-Dollar liegen könnte. In Summe könnten die diskutierten Beträge das Gesamtvolumen der Vereinbarung auf bis zu 100 Milliarden US-Dollar treiben.
Laut Investing.com dauern die Verhandlungen derzeit noch an, die Konditionen könnten sich noch ändern, und die Finanzierung könne auch in Tranchen statt als einzelne Transaktion erfolgen. Die neue Finanzierung könnte zudem einer früheren Vereinbarung über 35 Milliarden US-Dollar ähneln, mit der der Ausbau der Rechenkapazität von Anthropic unter Einsatz von Broadcoms kundenspezifischen Chips und Netzwerklösungen finanziert werden soll. Eine offizielle Stellungnahme von Broadcom zu dem Bericht liegt bislang nicht vor.
Broadcom spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung kundenspezifischer Chips für Konzerne wie Alphabet und Meta, die ihre Abhängigkeit vom Marktführer NVIDIA verringern wollen, und beliefert zudem Anthropic und OpenAI mit Chips. Reuters ordnete die kolportierte Finanzierung daher in eine breitere Entwicklung ein: Techkonzerne würden bei der Finanzierung von KI-Infrastruktur zunehmend auf Fremdkapitalmärkte zurückgreifen, da Hyperscaler wie Alphabet, Amazon und Microsoft signalisiert hätten, dass die KI-Ausgaben im gesamten Jahr hoch bleiben werden.
Finanzierung als nächster Schritt bei Partnerschaften
Laut dem Reuters-Bericht sollen sich Blackstone und Apollo Global Management in Gesprächen mit Broadcom über eine Beteiligung an der neuen Finanzierung befinden. Beide Investmentgesellschaften waren bereits an der im Juni 2026 gegründeten "AI XPV Platform" beteiligt, die mit einer Starttranche von 35 Milliarden US-Dollar mehr als ein Gigawatt Rechenkapazität für Anthropic finanzieren sollte und laut Broadcoms eigener Mitteilung insgesamt mehr als 20 Gigawatt Rechenleistung für führende KI-Labore bis 2028 ermöglichen soll.
Bereits im April 2026 hatten Broadcom, Google und Anthropic ihre Zusammenarbeit ausgeweitet: Laut einer SEC-Meldung soll Anthropic ab 2027 über Broadcom Zugang zu rund 3,5 Gigawatt TPU-basierter KI-Rechenkapazität der nächsten Generation erhalten, wobei der tatsächliche Abruf vom weiteren kommerziellen Erfolg von Anthropic abhängt. Am selben Tag vereinbarten Broadcom und Google zudem eine langfristige Kooperation, wonach Broadcom künftige TPU-Generationen für Google entwickeln und bis 2031 Komponenten für dessen KI-Racks liefern soll.
Analysten bleiben für Broadcom-Aktie mehrheitlich zuversichtlich
Unter den 27 von Analysten abgegebenen und bei TipRanks erfassten Einschätzungen überwiegen mit 24 Kaufempfehlungen und drei Hold-Einstufungen klar die positiven Stimmen, das mittlere Kursziel liegt bei 509,96 US-Dollar bei einer Spanne von 390 bis 630 US-Dollar. Die Analysten sehen damit noch klares Aufwärtspotenzial bei dem Anteilsschein. BMO Capital nahm die Aktie am gestrigen Donnerstag mit einem Kursziel von 455 US-Dollar und dem Votum "Buy" neu in die Bewertung auf. Bank of America Securities, Bernstein und Citi hatten die Aktie bereits am Tag zuvor mit Kurszielen zwischen 500 und 550 US-Dollar zum Kauf empfohlen und damit ihre früheren Einstufungen bekräftigt.
Ob und in welcher Form die Finanzierung zustande kommt, dürfte sich in den kommenden Wochen klären. Am 2. September stehen außerdem auch die Quartalszahlen von Broadcom an, sowie im Anschluss an die Vorlage eine Telefonkonferenz mit dem Management, von der sich Anleger weitere Aussagen zur Strategie bei KI-Chips erhoffen dürfen.
Carolin Ludwig, Julia Walter, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
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